Batman: Gotham Noir

Happy Birthday Batman!
gotham noir
Ed Brubaker ist ein Autor, der gerne Superheldencomics mit Crime-Noir-Elementen verbindet. Dies tat er bereits erfolgreich in seinen eigenen Serien wie „Incognito“ oder „Sleeper“, wo er mit selbst geschaffenen Figuren arbeitete. Wenn man etwas derartiges mit einem bereits existierenden Superhelden tut, bietet sich natürlich keiner so gut an wie Batman, der bereits bei seinem ersten Auftritt 1939 Elemente eines Hard-Boiled-Detective vorzuweisen hatte. Über die Jahre hinweg haben verschiedene Autoren diesen Aspekt des Dunklen Ritters immer wieder hervorgehoben, und Ed Brubaker ist einer von ihnen. Während er (und andere) bei den Batman-Geschichten, die in der normalen Kontinuität spielen (etwa „The Man Who Laughs“ oder „Gotham Central“), gewisse Kompromisse eingehen müssen, ermöglichen es die Elseworlds-Geschichten, das Konzept Batman-Noir voll auszuschöpfen. Bei Elseworlds-Geschichten handelt es sich um Comics, die von der DC-Hauptkontinuität völlig losgelöst sind und in denen die Autoren freie Hand haben, zu tun, was sie wollen, Figuren sterben zu lassen, sie in völlig andere Settings zu verfrachten etc.
In „Gotham Noir“ machte Brubaker, wie der Titel es schon verrät, aus Gotham eine Stadt der späten 40er im Film-Noir-Stil. Protagonist des Ganzen ist nicht etwa Batman (auch wenn sein Name auf dem Cover dafür sorgt, dass sich der Comic besser verkauft), sondern James Gordon, hier ein vom Zweiten Weltkrieg traumatisierter Ex-Cop. Die Nachtclubbesitzerin (und natürlich für das Setting typische Femme Fatale) Selina Kyle heuert ihn als Bodyguard für Rachel, eine „alte Freundin“, an. Eigentlich klingt der Job einfach: Gordon soll Rachel auf eine High-Society-Party begleiten und zusehen, dass ihr nichts passiert. Dummerweise wird Rachel auf besagter Party ermordet, während Gordon sich zuschüttet. Alle Indizien scheinen darauf hinzudeuten, dass Gordon selbst der Mörder ist, doch schon bald wird er in eine Verschwörung hineingezogen, an der nicht nur die Mafia, sondern auch der Bürgermeister beteiligt ist.
Brubaker bemüht gekonnt die Konventionen des Film Noir bzw. des Hard-Boiled-Krimi und passt die Figuren des Batman-Universums dementsprechend an: Gordon ist der traumatisierte Ex-Cop, Selina Kyle die Nachtclubbesitzerin (ihr Club trägt den Namen „The Kitty Kat Club“), aber am interessantesten ist Brubakers Verwendung von Batman. Der Dunkle Ritter taucht nur selten auf und scheint ein mysteriöses, eventuell übernatürliches Schattenwesen zu sein. Wer oder was er ist wird nicht geklärt. Bruce Wayne taucht in der Geschichte auf und Selina erwähnt, dass er hin und wieder einfach grundlos verschwindet, aber davon abgesehen gibt es kaum Indizien, dass es sich bei ihm und Batman um ein und dieselbe Person handelt. Batman könnte hier nur eine Wahnvorstellung Gordons sein, oder aber auch eine Schatten-gewordene Projektion seines Unterbewusstseins, jedenfalls tritt Batman nur in Szenen auf, in denen auch Gordon zugegen ist. Für jede Theorie finden sich Anzeichen und Widersprüche, was die Darstellung Batmans in diesem Comic gerade erst interessant macht. Erwähnenswert ist auch der Joker, allerdings aus anderen Gründen. In „Gotham Noir“ ist er ein irrer mit aufgeschnittenen Mundwinkeln – man fragt sich, ob Chris Nolan und David Goyer „Gotham Noir“ gelesen haben, die Interpretationen des Jokers haben einige Gemeinsamkeiten.
Für die Zeichnungen von „Gotham Noir“ ist Sean Phillips verantwortlich – in der Tat ist dieser Comic der Beginn einer langen, erfolgreichen Zusammenarbeit von Brubaker und Phillips, dessen Stil, geprägt von klaren Linien und viel Schatten, für einen Hard-Boiled-Krimi geradezu ideal ist und die grimmige, düstere 40er-Jahre-Amtosphäre exzellent zu vermitteln weiß.
Fazit: Gelungene Film-Noir-Adaption von Batmans Welt mit James Gordon in der Hauptrolle.

Happy Birthday Batman:
Prämisse
Batman: Assault on Arkham

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