SWR: Spark of Rebellion

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Nein, in diesem Artikel geht es nicht um den Südwestrundfunk, sondern um die erste Doppelfolge von „Star Wars Rebels“, die gleichzeitig die Funktion eines Pilotfilms hat. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, ob ich in Zukunft über alle Folgen der Serie schreiben werde, ob ich mir einzelne Exemplare rauspicke, die mich entweder beeindruckt oder aufgeregt haben oder ob ich am Ende der Staffel eine Überblicksdarstellung schreibe, aber da es sich bei „Spark of Rebellion“ um das erste bewegte Material der neuen Einheitskontinuität handelt, wollte ich diesen Umstand würdigen.
Bei „Star Wars Rebels“ handelt es sich im Grunde um den de facto Nachfolger von „Star Wars: The Clone Wars“. So ähnlich, wie TCW die Zeit zwischen Episode II und III überbrückte, tut „Rebels“ dasselbe für die Zeit zwischen Episode III und IV. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich TCW aus mehreren Gründen nicht unbedingt positiv gegenüberstehe, weshalb ich auch „Rebels“ eher mit gemischten Gefühlen entgegensah. In der Tat ist Dave Filoni, der TCW produzierte, auch bei „Rebels“ wieder an Bord, es gibt allerdings auch einige Faktoren, die mich positiver stimmten, u.a. die Mitarbeit von Greg Weisman (der mit „Gargoyles“ für eine meiner Lieblingszeichentrickserien verantwortlich ist) und auch die Tatsache, dass George Lucas nicht mehr mitredet, denn von ihm kamen viele der kreativen Entscheidungen, die ich bei TCW, nun sagen wir mal, eher fragwürdig fand.

Handlung
Auf Lothal trifft der junge Ezra Bridger (Taylor Gray) eher durch Zufall auf die Crew der Ghost. Beide versuchen, dem Imperium mehrere wertvolle Kisten abzunehmen, was zur Folge hat, dass sie schließlich alle gemeinsam fliehen müssen. So findet Ezra heraus, dass es sich bei besagter Crew, die aus der Twi’lek Pilotin Hera Syndulla (Vanessa Marshall), dem Ex-Jedi Kanan Jarrus (Freddie Prinze jr.), dem Lasat Zeb Orrelios (Steven Blum), der Mandalorianerin Sabine Wren (Tiya Sircar) und dem Astromech-Droiden Chopper besteht, nicht einfach nur um gewöhnliche Diebe handelt, vielmehr begehen sie gezielt Sabotage-Akte gegen das Imperium. Da Ezra nun unfreiwillig bei ihrer nächsten Mission dabei ist, muss er sich entscheiden, ob er sein altes Leben weiterführen oder Teil der Crew werden und gegen das Imperium kämpfen will…

Umsetzung und Figuren
Um ehrlich zu sein, als im Vorfeld die Figuren der Serie vorgestellt wurden, war ich nicht besonders begeistert, so schlimm, wie ich es befürchtet hatte, ist es dann allerdings nicht gekommen. Im Grunde versucht SWR eine ähnliche Figuren-Dynamik aufzubauen, wie man sie in der OT findet. Das zeigt sich schon daran, dass Zeb auf einem von Ralph McQuarries ursprünglichen Entwürfen für Chewbacca basiert (darüber hinaus posiert er in dieser Folge als haarloser Wookiee). Auch bei einigen der anderen Figuren lassen sich Elemente der OT ausmachen. Ezra erinnert an Luke (kombiniert mit einer Prise Ahsoka), Kanan erscheint ein wenig wie eine Mischung aus Han Solo und Obi-Wan, Heras schnippische Kommentare erinnern an Prinzessin Leia und dass Chopper an R2 angelehnt ist dürfte wohl niemanden verwundern.
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Die Crew der Ghost (von links nach rechts): Sabine (Tiya Sircar), Ezra (Taylor Gray), Kanan (Freddie Prinze jr.), Zeb (Steven Blum) und Chopper

Erfreulich ist, dass mir keine der Figuren wirklich auf die Nerven gegangen ist, so wie es bei Ahsoka war, die ich praktisch von ihrem ersten Auftritt an nicht leiden konnte. Besonders bei Sabine, einer Mandalorianerin in pinker Rüstung, die gleichzeitig Sprengstoffexpertin und Graffiti-Künstlerin ist, hatte ich so meine Bedenken, aber (bisher, wohlgemerkt!) ist so noch nicht wirklich negativ aufgefallen. Allerdings gibt es unter der Crew der Ghost leider auch keine Figur, bei der ich sagen könnte: „Allein wegen diesem Charakter würde ich die Serie weiterverfolgen.“ Alle Figuren bleiben in der ersten Folge noch recht blass, Motive und Hintergründe bleiben fast völlig unerwähnt, wobei für mich persönlich Kanan noch am interessantesten ist. Zugegebenermaßen kann man in 45 Minuten nur eine bestimmte Menge an Material unterbringen. Dementsprechend ist die Story des Piloten auch ziemlich einfach gehalten und dient vor allem dazu, die Figuren, ihren Platz in der Crew und ihre Dynamik vorzustellen. Die verschiedenen Sprecher sind dabei in Ordnung, es sticht allerdings keiner wirklich hervor.
Das größte Manko ist in meinen Augen die Darstellung des Imperiums. Ja, „Rebels“ ist eine Serie, die sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche richtet, aber müssen die Imperialen wirklich derart ineffektiv und schlicht blöd sein? Da steht Kanan bewegungslos da, baut seelenruhig sein Lichtschwert zusammen und die Sturmtruppen schießen daneben. Und derartiges ist leider die Regel, nicht die Ausnahme. Zwar waren die Sturmtruppen schon in der OT nicht unbedingt die Effektivsten, aber die Darstellung hier erreicht ein völlig neues Level an Unfähigkeit, das an die Kampfdroiden aus den Prequels und TCW erinnert. Kinderserie hin oder her, das muss nun wirklich nicht sein.
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Die Pilotin der Ghost: Hera (Vanessa Marshall)

Das heißt nun allerdings nicht, dass dieser Pilot völlig misslungen wäre. Es gab durchaus gelungene Momente, etwa als Kanan sich als Jedi enthüllt (trotz der danebenschießenden Sturmtruppen), die Aktivierung des Holocrons und das erste Auftauchen des Inquisitors am Schluss – auf diesen freue ich mich besonders, wird er doch von Jason „Lucius Malfoy“ Isaacs gesprochen. Insgesamt ist diese erste Doppelfolge vor allem funktional. Sie etabliert, aber viel mehr erreicht sie nicht.
Noch ein nettes kleines Detail für Fans: Das ISB (Kürzel für „Imperial Security Bureau“), eine aus dem EU stammende Behörde, hat es mit „Spark of Rebellion“ in die neue Einheitskontinuität geschafft. Ich hoffe, dass dies auf weitere, ähnlich geartete Detailinformationen ebenfalls zutreffen wird.

Der Animationsstil
„Rebels“ bemüht sich, mit seinen Animationen den Stil der Gemälde von Ralph McQuarrie einzufangen. Dies sorgt vor allem für durchaus gelungene Hintergründe, das Figurendesign dagegen ist eher mäßig. Im Gegensatz zu TCW, bei dem die Figuren insgesamt ziemlich kantig waren, herrschen nun runde Formen vor. Gerade im Vergleich zu den letzten TCW-Folgen ist der Detailgrad allerdings wieder merklich zurückgegangen, was wohl damit zusammenhängt, dass das Budget zum Serienstart noch sehr niedrig ist. Alles wirkt insgesamt sehr sauber und geleckt (was für eine Star-Wars-Serie natürlich nicht unbedingt optimal ist) und gerade bei der Animation von Ezras Haaren oder den Wookiees fällt auf, wie detailarm das Ganze noch ist. Besonder auffällig ist dies bei Obi-Wans Gastauftritt ins Form eines Hologramms, besonders, wenn man sein Design mit dem aus TCW vergleicht: Der allseits bekannte und beliebte Jedi-Meister sieht mit dem Mondgesicht, dass er hier hat, schlicht seltsam aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Animationsstil ist recht gewöhnungsbedürftig und es gibt eindeutig noch sehr viel Raum für Verbesserungen.

Die Musik
Es ist schon ein wenig ironisch: Der Komponist von „Rebels“ ist Kevin Kiner, der bereits die Musik für TCW schrieb. Seine Clone-Wars-Musik war mir, vor allem zu Beginn der Serie, zu weit vom typischen, von John Williams geprägten Star-Wars-Sound entfernt, sowohl was die Leitmotive als auch den Stil angeht – harte E-Gitarren-Riffs passen meiner Meinung nach nun wirklich nicht zu Star Wars. Bei „Rebels“ ist es genau andersherum. An zu vielen Stellen, vor allem beim Action-Underscoring, kopiert Kiner einfach eins-zu-eins Musik aus Episode IV, nur dass diese von einem kleineren Ensemble gespielt wird, was, gerade im Vergleich zum Original, stark negativ auffällt. Ich bin immer für stilistische und leitmotivische Kontinuität, aber nicht durch direkte Übernahme. Auch Fehlplatzierungen von Themen (in diesem Fall vom Hauptthema (bzw. Lukes Thema) und Leias Thema) finde ich nicht besonders prickelnd.
callus
Die Repräsentanten des Imperiums: Agent Kallus (David Oyelowo) und völlig unfähige Sturmtruppen

Der Score von „Spark of Rebellion“ ist immer dann am besten, wenn Kiner sich zwar der Themen von John Williams bedient, aber eigene Variationen verwendet. Gut gefallen haben mir zum Beispiel die Einsätze des Machtthemas, das tatsächlich geholfen hat, den entsprechenden Momenten mehr Gewicht zu verleihen, und die Andeutungen des Imperialen Marsches, der allerdings nicht voll erklingt, sondern nur in Fragmenten, denn, mal ehrlich, so bescheuert, wie die Imperialen hier agieren, haben sie eine kräftige Performance einfach nicht verdient. Auch das Ende der Episode ist interessant, da hier ein Thema zu hören ist, das wegen des Chors zwar vage an das Palpatine/Sith-Thema erinnert, aber doch klar eine eigenständige Komposition ist – dass Kiner nicht einfach besagtes Williams-Thema für den Inquisitor recycelt ist definitiv zu begrüßen.

Fazit: „Spark of Rebellion“ bemüht sich in meinen Augen zu sehr damit, den Charme der OT (speziell von Episode IV) zu reproduzieren, anstatt etwas Eigenes zu etablieren. Potential ist zwar durchaus vorhanden, bislang bleibt aber alles eher funktional anstatt wirklich überzeugend. Somit ist der Gesamteindruck, den ich vom Piloten von „Star Wars Rebels“ habe, eher mäßig. Der Serienstart ist zwar nicht unterirdisch, aber damit mir die Serie gefällt ist noch gewaltige Qualitätssteigerung nötig.

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5 Kommentare zu “SWR: Spark of Rebellion

  1. Illuminat sagt:

    An dieser Zeit merkt man, wie unausgereift die alten Filme sind. Da diese so wurden, dass nur noch Obi-Wan, Yoda und Vader als einzige Jedis übrig sind, müssen in der Zeit dazwischen alle anderen außer denen drauf gehen, anstatt, dass am Anfang noch 180 übrig sind und die Zahl bis zu Episode 4 auf höchstens 20 schrumpft und diese Jedis sich nicht nur ebenfalls den Rebellen anschließen, sondern ebenfalls ein paar Schüler unterrichtet haben, um gegen das Imperium vorzugehen.

    Und da man leider mit dem nächsten Film an diese anschließen will, anstatt 500-1000 Jahre in die Zukunft zu springen, wird auch dieser es zu spüren kriegen, dass seine Vorgänger unausgereift sind. Denn hätte es neben Vader und dem Imperator noch weitere böse Schwertkämpfer gegeben, von denen manche ehemalige Jedis wären, die sich angeschlossen haben als Gegenleistung, hätte einer irgendwann sich einfach so zurückziehen und im Raum verschwinden können. Es würde offen bleiben, ob dieser was vor hat oder jetzt ein neues Leben anfängt. Einige Jahrzehnte später hätte der gestärkt und mit einer Streitmacht im Rücken zurückkehren und als neuer Oberfeind fungieren können. Jetzt hingegen werden urplötzlich neue Feinde aufkreuzen, von denen davor nie die Rede war.

    Und was Rebels angeht: werde mal reinsehen, sobald Staffel 1 durch ist.

    • hemator sagt:

      Nun, zumindest im EU ist das ja auch, dort haben wesentlich mehr Jedi Order 66 überlebt, und sind dann später, nach Episode 6 wieder aktiv, diese haben sich dann halt meistens nicht der Rebellion angeschlossen, sondern sich bedeckt gehalten – kann man ihnen auch nicht unbedingt verdenken, wenn das Imperium gnadenlos Jagd auf sie macht. Der Vorteil ist, dass die OT letztendlich nur einen sehr kleinen Teil der Galaxis zeigt. Das Universum ist groß, Yoda und Obi-Wan sind die letzten beiden Überlebenden, von denen SIE wissen. Und selbst in 30 Jahren kann immer noch eine Menge passieren.
      Genauso hat Palpatine dort mehrer Dunkelseiter unter seinem Kommando, die Hände des Imperators, die Inquisition (die es ja nun auch in die neue Einheitskontinuität geschafft hat, denn wo einer ist sind wahrscheinlich auch noch mehr). Es gab schon viel schlimmere Retcons.

      • Illuminat sagt:

        Sich wieder an Bücher und Comics zu klammern ist ein Fehler. Erstens werden die eh irgendwann durch Filme und Serien ersetzt und zweitens war das ein Problem der letzten Trilogie, dass zu viele wichtige Infos dahin verlagert wurden und man diese extra lesen muss, um die Filme richtig zu kapieren:

        -wer sind die Sith und für was wollen die sich rächen
        -das Rätsel um Sifo-Dyas und die Klonarmee
        -der/die Klonkrieg/e
        -die Freundschaft zwischen Anakin und Obi-Wan
        -Palpatines Aufstieg im Senat und das ausschalten von Konkurrenten
        -die Jedi-Ausrottung
        -Geburt und Aufstieg des Imperiums

        Ein Problem von dem alten EU nach Jedi soll ja gewesen sein, dass immer wieder urplötzlich noch ein neuer Jedi oder Sith kam. Und noch einer, und noch einer… Und in den alten Filme wird groß geprahlt, dass darin wirklich die letzten vorkommen. Obi-Wan meint, dass die Jedis so gut wie ausgerottet sind und Yoda, dass Luke nach ihm der letzte sein wird. Und wenn jetzt doch wieder welche kommen, werden diese Aussagen ungültig.

        „Das Universum ist groß“

        Und wieso geht es dann bei jedem scheiß nach Tatooine?

        „Genauso hat Palpatine dort mehrer Dunkelseiter unter seinem Kommando, die Hände des Imperators, die Inquisition“

        Wenn der die also schon während der alten Filme hatte, wieso werden die nicht ebenfalls auf Luke gehetzt?

      • hemator sagt:

        Ich bestreite überhaupt nicht, dass es Vieles gibt, das noch in die Filme gehört hätte. Aber letztendlich ist das Material da und wie „Rebels“ beweist ist man durchaus auch gewillt, sich daraus zu bedienen, sei es bei kleinen, eher strukturellen Details wie dem ISB oder COMPNOR oder bei der Erschaffung des Schurken.

        „Und in den alten Filme wird groß geprahlt, dass darin wirklich die letzten vorkommen. Obi-Wan meint, dass die Jedis so gut wie ausgerottet sind und Yoda, dass Luke nach ihm der letzte sein wird.“

        Das Problem daran ist, dass die Aussagen von Figuren getätigt werden und Figuren innerhalb der fiktionalen Welt nun einmal nicht allwissend sind. Und gerade Obi-Wan ist auch bekannt dafür, die Wahrheit hin und wieder mal zu verdrehen.

        „Und wieso geht es dann bei jedem scheiß nach Tatooine?“

        Weil die Verantwortlichen meinen, dass das Publikum Tatooine sehen will.

        „Wenn der die also schon während der alten Filme hatte, wieso werden die nicht ebenfalls auf Luke gehetzt?“

        Weil Vader ein persönliches Interesse an Luke hat.

      • Illuminat sagt:

        In den Filmen wird trotzdem nie was über Zeug gelabert, was später in Büchern eingeführt wurde und ein Film muss auch für sich allein ohne Zusatzmaterial funktionieren. Zwar ist es der Masse mittlerweile scheiß egal, aber insgeheim werden die sich wohl selbst heute fragen, wo die in den vorigen Teilen abgeblieben sind.

        „Und gerade Obi-Wan ist auch bekannt dafür, die Wahrheit hin und wieder mal zu verdrehen.“

        Und das auch erst im Nachhinein. Denn zu dem Zeitpunkt waren Anakin und Vader noch zwei eigene Figuren.

        „Weil die Verantwortlichen meinen, dass das Publikum Tatooine sehen will.“

        Ich weis, dass die bekloppten Fans auf ihn abfahren, weil laut ihrer Meinung da am meisten echte Star Wars Atmosphäre aufkommen soll. Und ich weis auch, dass Lucas schon ein bisschen bei Jedi und erst recht ab den Special Editions und Episode 1 ebenfalls einen Narren an dem Planeten gefressen hat. Aber haben die neben Lucas das wirklich mal gesagt? Wenn ja, dann gib mir die Quelle!

        „Weil Vader ein persönliches Interesse an Luke hat.“

        Hätten ja in einem Nebensatz erwähnt werden können. Aber zu der Zeit gab es die ja noch nicht…

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