Only Lovers Left Alive

Halloween 2014
onlylovers
Story: Die Vampire Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton), seit Jahrhunderten ein Paar, sind gerade getrennt unterwegs, doch als Adam immer mehr in Depressionen versinkt, verlässt Eve Tanger und kommt nach Detroit. Unglücklicherweise stößt auch Eves unkontrollierbare Schwester Ava (Mia Wasikowska) zu ihnen und stiftet nicht nur Chaos, sondern sorgt auch für eine Leiche…

Kritik: „Only Lovers Left Alive“ ist ein Vampirfilm der etwas anderen Art, wie es bei einem Regisseur wie Jim Jarmusch wohl auch nicht anders zu erwarten ist. Weder handelt es sich hier um einen wirklichen Horror-Film, noch macht Jarmusch Zugeständnisse an die aktuelle Welle von Vampirfilmen, die zumeist eher den Genres Romanze oder Action zuzuordnen sind. Ebenso gibt es keine traditionelle Handlungskonstruktion (oder besonders viel Handlung im Allgemeinen). Darum geht es Jarmusch allerdings auch nicht. Viel wichtiger sind die Figuren an sich und die Atmosphäre. Statt eines traditionellen Konflikts (Vampir vs. Vampir, Vampir vs. Werwolf, Vampir vs. Menschen etc.) spielen hier im Grunde nur innere Konflikte eine Rolle. Es gibt kaum Antagonismus zwischen Figuren, die Figuren hadern stattdessen vor allem mit ihrem Schicksal. „Only Lovers Left Alive“ zeigt uns die Welt des Films ausschließlich aus der Perspektive der Vampire und will dem Zuschauer vermitteln, wie es für diese ist, auf ewig in der Welt gefangen zu sein. Jarmusch vermittelt dies ziemlich gut, einerseits durch die Stimmung, die er mit seinen Bildern einer nächtlichen, kaputten Welt, durchsetzt mit faszinierender Symbolik (etwa der Farbgegensatz der beiden Hauptfiguren), erzeugt, und andererseits durch viele kleine Details. So bezeichnen Adam und Eve die Menschen als Zombies, weil diese für sie fast durchweg geistlos und blind sind. Wenn man sich erst einmal von der Konzeption des Vampirs als Geschöpf des Horrors verabschiedet, funktioniert auch Jarmuschs Darstellung des alltnächtlichen Vampiralltags ziemlich gut (Stichwort verseuchtes Blut). Auch die Figurenkonzeption und -dynamik stimmt, was gerade hier von besonderer Bedeutung ist. Letztendlich steht und fällt ein Film wie dieser mit seinen Darstellern, Jarmusch hat jedoch beim Casting gute Arbeit geleistet, sowohl Tom Hiddleston als auch Tilda Swinton funktionieren perfekt in ihren Rollen. Und obwohl Adam und Eve hier nicht primär als gefährlich Figuren dargestellt werden, ist da immer noch dieses unterschwellige, schwer zu beschreibende und ganz subtil Gefahr andeutende Element in ihrem Spiel, das einen guten Leinwandvampir ausmacht und das so gut wie allen Twilight-Vampiren völlig abgeht.
Trotz allem ist der Film, mit dem „Only Lovers Left Alive“ am meisten gemeinsam hat, Neil Jordans Klassiker „Interview mit einem Vampir“. Einerseits gibt es gewisse thematische Überschneidungen (auch wenn „Interview“ das Ganze anders angeht), aber vor allem gleicht die Dynamik zwischen Adam und Eve der zwischen Louis und Lestat. In der Tat ist diese Dynamik keine Seltenheit und findet sich, mit kleineren oder größeren Variationen, in vielen verschiedenen Werken, sei es der eher misslungene deutsche Vampirfilm „Wir sind die Nacht“, HBOs „True Blood“ oder Neil Jordans zweitem Vampirfilm „Byzantium“ (der qualitativ von „Interview“ allerdings ziemlich weit entfernt ist).
In „Only Lovers Left Alive“ ist es Eve, die, zumindest ein Stück weit, als Pendant zu Lestat fungiert, während Adam gewisse Gemeinsamkeiten mit Louis hat. Eve ist von beiden diejenige, die man eher als „lebensfroh“ bezeichnen könnte, sie ist die Aktivere, während Adam, wie Louis, ziemlich melancholisch ist und sehr viel stärker als Eve mit seiner Existenz hadert. Sogar die farbliche Kennzeichnung stimmt überein (was freilich auch Zufall sein könnte): Lestat und Eve sind hell, Louis und Adam dunkel. Dieses farbliche Element ist bei Jarmusch allerdings sehr viel stärker als bei Jordan. Auch fehlt bei Jarmusch die Hassliebe zwischen den beiden gegensätzlichen Figuren, denn trotz ihrer unterschiedlichen Einstellung haben beide im Großen und Ganzen dieselben Ansichten, während Lestat und Louis letztendlich mehrfach versuchen, den anderen umzubringen.
Wenn man noch weitergeht, könnte man Ava als entferntes Gegenstück zu Claudia und den von John Hurt verkörperten Christopher Marlow als Pendant zu Armand verstehen, aber das wäre dann doch vielleicht ein wenig zu viel.
Fazit: „Only Lovers Left Alive“ besticht vor allem durch Atmsophäre, Darsteller Figurendynamik und den gelungenen Versuch, das Gefühl des Vampirseins in der modernen Welt zu vermitteln. Obwohl Horror-Elemente fast vollständig fehlen, sollte man sich diesen Film als Vampirfan nicht entgehen lassen, da er sich einerseits vom Rest des Genres auf angenehme Weise unterscheidet, andererseits aber durchaus Themen behandelt, die für Vampirfiktion essentiell sind, aber zum Teil seit „Interview mit einem Vampir“ nicht mehr angemessen umgesetzt wurden.

Trailer

Siehe auch:
Wir sind die Nacht

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2 Kommentare zu “Only Lovers Left Alive

  1. Das war das erste Mal, dass ich mich in ein Paar verliebt habe.

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