GoT: Breaker of Chains

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Nach den intensiven Ereignissen der letzten Episode dient „Breaker of Chains“ vor allem der Nachbearbeitung der Violetten Hochzeit und der Vorbereitung zukünftiger Ereignisse. Die dritte Folge der vierten Staffel fällt damit um einiges schwächer aus als die ersten beiden, gerade weil man merkt, dass es sich um eine „Übergangsfolge“ handelt. Hauptschauplatz ist nach wie vor King’s Landing, die anderen Handlungsstränge werden eigentlich nur kurz angerissen (gottseidank aber nicht alle). Bis auf eine Ausnahme ist das Hauptstadtmaterial auch der gelungenste Teil dieser Episode, die restlichen Figuren treten irgendwie auf der Stelle.

King’s Landing
„Breaker of Chains“ beginnt genau dort, wo „The Lion and the Rose” aufgehört hat: Joffrey ist soeben in den Armen seiner Mutter gestorben, Tyrion wurde festgenommen und Ser Dontos flüchtet mit Sansa, während die Glocken vom Tod des Königs künden. Der ehemalige Ritter bringt Sansa zu einem Schiff, das im Nebel stark an die Black Pearl erinnert. Littlefinger, der hier sein Staffel-4-Debüt gibt, wartet dort bereits auf sie und belohnt nebenbei gleich Ser Dontos; statt Gold gibt es allerdings Armbrustbolzen.
Diese Szene hat leider nicht auch nur Ansatzweise dieselbe Wirkung wie die ähnlich gearteten Ereignisse im Roman, weil die ganze Vorarbeit fehlt. Bei Martin verspricht Ser Dontos Sansa, in Littlefingers Auftrag, wie sie allerdings nicht weiß, ihr bei der Flucht zu helfen. Er „inszeniert“ das Ganze nach dem Vorbild eines romantischen Liedes, das Sansa sehr gefällt, in dem der Narr Florian zum Ritter wird und seine geliebte Jonquil rettet. Nach der gelungenen Rettung erfährt sie allerdings, dass Ser Dontos nicht aus Ritterlichkeit, sondern des Goldes wegen gehandelt hat, was ihr Weltbild abermals erschüttert. Da Ser Dontos allerdings erst zwei Folgen zuvor wieder eingeführt wurde, und das Lied von Florian und Jonquil nicht einmal erwähnt wird, fehlt dieser Aspekt leider vollkommen.
Littlefinger selbst hält vom Wohlfühlabstand weniger denn je – leider fehlt mir im deutschen das Äquivalent, denn das Wort „creepy“ beschreibt ihn hier sehr gut. Da Lord Baelish bereits sehr genau über die Details der Violetten Hochzeit bescheid weiß, kann man wohl davon ausgehen, dass er auch in der Serie seine Finger im Spiel hatte – mehr noch, er muss seine Finger im Spiel gehabt haben, damit die Rettung Sansas und die Hochzeit so funktionieren konnten, wie sie es taten.
Margaery dagegen scheint keine Beteiligung am Tod ihres Ehemannes zu haben, ihre Reaktion in der vorangegangenen Episode wirkte authentisch, und das Gespräch mit ihrer Großmutter bestätigt das. Während Margaery die aktuelle Situation eher kritisch sieht, legt Olenna ihrer Enkelin dar, weshalb der Tod Joffreys gut für sie und das Haus Tyrell ist – das Ganze kommt fast schon einem Geständnis gleich: „The next one should be easier.“
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Cersei (Lena Headey) trauert um Joffrey (Jack Gleeson)

Diese Ansicht teilt Lord Tywin, der keine Zeit verliert. Joffrey ist noch nicht einmal begraben, als Tywin bereits damit beginnt, Tommen zu bearbeiten – im Beisein seines toten Bruders und seiner trauernden Mutter. Diese Szene gehört eindeutig mit zu den besten dieser doch eher durchwachsenen Folge, sowohl Dean-Charles Chapman als auch Charles Dance und Lena Heady spielen hier exzellent. Lord Tywin gibt den gelassenen Lehrer und entreißt somit seinen Enkel Cerseis Klauen. Die Intention ist eindeutig: Joffrey war ein verdorbener und schwer zu kontrollierender König, Tommen dagegen wird „weise“ sein und auf seine Ratgeber (sprich: Tywin) hören. Cersei muss das alles (inklusive der unbeschönigten Aussage, dass Joffrey kein guter König war) mitanhören und zusehen, wie ihr Vater ihren Sohn unter seine Fittiche nimmt. Diese wie die folgende Szene sind spezifisch darauf ausgelegt, Cerseis Leid zu zeigen bzw. es zu vergrößern – genau das ist allerdings bei Jaimes und Cerseis kleinem Intermezzo in Baelors Septe der Fehler. Im Grunde genommen ist das Problem ein ähnliches wie bei Ser Dontos: Umfeld und Aufbau der Vorlage fehlen. Zwei kleine Details sind hier signifikant: Im Roman kommt Jaime erst zu diesem Zeitpunkt in King’s Landing an, findet Cersei in der Septe vor und die beiden schlafen miteinander. In der Serie dagegen ist Jaime bereits seit mehren Wochen wieder in der Stadt (wodurch die Situation eine völlig andere ist, es wurde explizit gesagt, dass Cersei Jaime praktisch seit seiner Rückkehr ausgewichen ist) und mehr noch, die Szene wurde eindeutig als Vergewaltigung inszeniert – was bereits einige sehr negative Reaktionen im Fandom nach sich gezogen hat. Während das natürlich Cerseis Leiden in der Tat noch verstärkt (und wohl vor allem in Hinblick auf ihre Charakterisierung geschehen ist), ist es für Jaimes Entwicklung ziemlich kontraproduktiv. Möglicherweise wollten Benioff und Weiss damit zeigen, dass Jaime trotz seiner Wandlung noch immer kein „Guter“ ist, aber dennoch wirkt es irgendwie erzwungen und unpassend. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob dieses Ereignis in Zukunft noch Bedeutung haben wird oder ob man sich entschließt, es einfach zu ignorieren, denn etwas derartiges ist natürlich, sowohl für Jaime und Cersei als auch für deren Verhältnis, enorm einschneidend.
Bald darauf besucht Lord Tywin persönlich Littelfingers Bordell (wie ich sagte, das inoffizielle Zentrum von King’s Landing) und unterbricht Prinz Oberyns kleine Orgie. Charles Dance läuft in dieser Folge wieder zu absoluter Hochform auf, nach der Belehrung Tommens folgt nun dieses Gespräch mit Oberyn, in dem auch Pedro Pascal zeigen darf, dass er der Hand des Königs durchaus das Wasser reichen kann. Wir erfahren nebenbei gleich etwas über Oberyns Vergangenheit und seine Affinität zu Giften, auch wenn sein Spitzname immer noch nicht fällt, und schließlich wird er in den Kleinen Rat und als Richter zu Tyrions Verhandlung berufen. Außerdem zeigt sich, dass Tywin Daenerys und ihre Drachen inzwischen miteinkalkuliert und deshalb die Einigkeit aller Sieben Königslande sucht.
Für Tyrion hat sich die Situation leider nicht verbessert. Nach Shae schickt er nun auch Podrick davon, und das in einer fast schon berührenden Szene. Man kann sich schon ausrechnen, dass dies Podrick dazu veranlassen, sich mit Brienne in der nächsten Folge auf den Weg zu machen.
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Tywin (Charles Dance) und Oberyn (Pedro Pascal) schließen ein wackeliges Bündnis

Auf dem Weg zur Eyrie
Gehörte die letzte Arya/Sandor-Szene zu den Highlights der entsprechenden Folge, ist diese hier eher redundant (vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass dieses Mal die Hähnchen fehlen). Jedenfalls bringt die Szene mit dem Bauern und seiner Tochter das ungleiche Duo nicht wirklich weiter, die inhaltliche Aussage gab es in ähnlicher Weise schon öfter, obwohl es ganz amüsant ist, wie Arya sich immer für ihren „Vater“ entschuldigt. In „A Storm of Swords“ liegt Sandor zu diesem Zeitpunkt bereits im Sterben. Man fragt sich unweigerlich, wie es hier weitergeht – ich meine, in einem der Trailer den Titanen von Braavos gesehen zu haben. Möglicherweise gelangt Arya allerdings erst gegen Ende der Staffel (vielleicht in der letzten Folge) nach Essos, weshalb es nun nötig ist, diesen Handlungsstrang auszudehnen. Leider fühlt er sich in dieser Folge auch genau so an.

Castle Black
Auch auf Castle Black verhält es sich ähnlich: Sowohl bei Sam und Gilly als auch bei Jon Snow und dem Rest der Wache bereiten sich Benioff und Weiss auf Dehnungen vor. Die Schlacht um Castle Black kommt den offiziellen Ankündigungen zufolge erst in den letzten beiden Folgen der Staffel, was bedeutet, dass man die betroffenen Figuren irgendwie beschäftigen muss. Aus diesem Grund fürchtet Sam um Gillys Sicherheit (zu viele Vergewaltiger in der Gegend) und bringt Gilly… ausgerechnet ins Bordell nach Molestown. Obwohl Sam darauf besteht, dass es keine zusätzlichen Aufgaben für Gilly neben putzen und kochen gibt, wirkt das Ganze doch ziemlich widersinnig. Ich an Gillys Stelle wäre da auch eher eingeschnappt.
Interessanterweise zeigt sich Alisser Thorne in der folgenden Versammlung dieses Mal beinahe als Stimme der Vernunft. Auch hier bahnen sich Dehnungen an: Edd und Grenn, die Überlebenden vom Gemetzel bei Crasters Keep, kehren zurück (im Buch treffen sie bereits vor Jon Snow, Sam und Gilly ein) und erzählen, dass die Meuterer sich dort eingenistet haben. Da sie Mance Rayder verraten könnten, dass Castle Black völlig unterbesetzt ist, was diesen zum sofortigen Angriff veranlassen könnte, muss man sie möglichst schnell zum Schweigen bringen. Hier bahnt sich eine Beschäftigungstherapie für Jon Snow an – er wird vermutlich nicht längere Zeit in einer Eiszelle verbringen. Es stellt sich die Frage, ob das wirklich nötig ist.

Dragonstone
Auf Dragonstone geht es immerhin ein wenig voran, auch wenn es Stannis viel zu lange dauert, weshalb er ziemlich biestig wird. Die folgende Konversation zwischen Shireen und Davos ist dagegen allerliebst, hier haben wir wieder einmal zwei Figuren, zwischen denen die Chemie einfach stimmt. Wie schon in ihrer Unterhaltung mit Melisandre beweist Stannis‘ Tochter erneut, dass sie eine sehr scharfe Zunge hat. Abermals wird die Eiserne Bank von Braavos erwähnt, und dieses Mal sogar plotrelevant. Die Bank ist dafür bekannt, die Feinde mächtiger Schuldner, die ihr Geld nicht zurückzahlen können, zu finanzieren. Tycho Nestoris taucht eigentlich erst in „A Dance with Dragons“ auf – es ist Cersei und nicht Tywin, die sich weigert, die Schulden des Reiches bei der Eisernen Bank zu bezahlen – und interagiert mit Jon Snow. Aus einem der veröffentlichten Kapitel aus „The Winds of Winter“ ist allerdings bekannt, dass er auch mit Stannis eine Abmachung trifft; vielleicht wird dies vorgezogen.

Auf dem Weg nach Castle Black
Auch bei den Wildlingen gibt es nicht Neues: Die Thenns sind garstig, und selbst Ygritte gibt sich heute ziemlich grimmig und erschießt einfach wehrlose Väter. Es scheint gerade so, als versuche diese Folge, die Zuschauerympathie für Jaime und Ygritte zu zerstören. Nebenbei: Bin ich der einzige, den Styr an Eric Banas Nero aus „Star Trek“ erinnert?

Meereen
Bei Daenerys wird es langsam Zeit für einen Wandel, zum Glück ist Meereen die letzte Stadt, die ihr im Weg steht. Wie Robert Baratheon wird auch Daenerys bald lernen, dass erobern und regieren nicht dasselbe sind.
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Oznak zo Pahl (Daniel Naprous)

Die Armee der Unberührten nimmt Aufstellung, die Meereener sind aber nicht bereit, einfach aufzugeben und wollen, dass die Champions der verfeindeten Fraktionen miteinander kämpfen – sie schicken Oznak zo Pahl (Daniel Naprous), der gleich mal einen guten ersten Eindruck macht, in dem er Daenerys beleidigt und vor ihr pinkelt. Im Buch ist der starke Belwas Daenerys‘ Champion, da dieser in der Serie allerdings nicht vorkommt, übernimmt Daario dieses Aufgabe.
Danys Ansprache stammt ebenfalls nicht von Martin, in „A Storm of Swords“ wird Meereen auf ähnliche Weise erobert wie Yunkai in der Serie, die Stadt wird durch einen Schleichweg infiltriert. Zu diesem Zeitpunkt ist Ser Jorah bereits in Ungnade gefallen und wird nach erfolgreicher Eroberung der Stadt verbannt. In der Serie dagegen gibt es noch kein Anzeichen dafür.
Der Cliffhanger, mit dem diese Episode endet, funktioniert alles in allem ziemlich gut; ich halte es für unwahrscheinlich, dass die eigentliche Eroberung wie im Buch verläuft. Die Sklaven Meereens werden Daenerys wahrscheinlich die Tore öffnen, sodass nicht zwei Städte auf dieselbe Art erobert werden.

Fazit: „Breaker of Chains“ ist eine eher durchwachsene Episode, vor allem wegen der Misscharakterisierung Jaimes und weil die Handlungsstränge, die nicht in King’s Landing spielen, einfach nicht so recht vorankommen. Die bisher schwächste Folge der vierten Staffel.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

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2 Kommentare zu “GoT: Breaker of Chains

  1. Robin Urban sagt:

    Die Szene zwischen Cersei und Jaime war so furchtbar!!! /o\

    Es geht das Gerücht, dass die Regisseure selbst meinten, Cersei würde zwischendrin Gefallen an Jaimes Aufdringlichkeit finden und mitmachen. Sorry, aber ich sehe das absolut nicht so!! Dafür gibt es mMn keinerlei Anzeichen. Und du nennst es ja auch „eindeutig“.

    Ich finde, damit ist Jaimes Charakter mal eben völlig zerstört worden. Seine gesamte Entwicklung wurde über den Haufen geworfen. Und wenn die Regisseure wirklich der Meinung sind, ja ganz eindeutig dargestellt zu haben, dass es eigentlich keine Vergewaltigung ist, dann habe ich auch keinerlei Hoffnung, dass noch irgendetwas kommen wird, was diese Sache (zumindest für Jaimes Charakter) wieder gerade rücken kann (ehrliche Reue zum Beispiel).

    Die Folge hat mir so einen richtigen Dämpfer verpasst. Ich verstehe nicht, warum die sowas machen!

    • hemator sagt:

      „Es geht das Gerücht, dass die Regisseure selbst meinten, Cersei würde zwischendrin Gefallen an Jaimes Aufdringlichkeit finden und mitmachen.“

      Im Inside-the-Episode-Video gehen die Kommentare nicht in diese Richtung, aber der Grund für diese Entscheidung fehlt dort leider auch: http://www.youtube.com/watch?v=lUScAGHJHR4
      Man kann nur spekulieren. Wie ich oben geschrieben habe, befürchte ich, dass die Szene mehr oder weniger ignoriert werden wird. Ein bereuender Jaime wäre wohl die beste Lösung.
      Von GRRM gibt es auch einen Kommentar, der zwar nicht wirklich negativ wirkt (das geht ja aus Marketing-Gründen nicht), aber doch auch nicht ganz positiv, wenn man zwischen den Zeilen liest: http://winteriscoming.net/2014/04/21/george-r-r-martin-responds-fans-concern-breaker-chains/
      Nach der in meinen Augen aber wirklich hervorragenden letzten Folge ist das in der Tat enttäuschend.

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