Marvel-Musik Teil 2: Iron Man

ironman
Während im Marvel Cinematic Universe in den meisten Aspekten recht genau auf die Kontinuität geachtete wird (ein hier und da ersetzter Schauspieler mal nicht mitgerechnet), ist das Element, in dem es praktisch keine Kontinuität gibt, die Musik. Die bisherigen acht Filme wurden von sechs Komponisten vertont, und nur ein einziges Mal hat es ein Komponist für nötig erachtet, das Thema eines anderen Komponisten auch nur zu zitieren. Gerade innerhalb einer Reihe ist das äußerst ärgerlich; besonders, weil die Filme des MCU wunderbar dazu geeignet wärenq, ein Paradebeispiel für sich entwickelnde Themen zu sein. Was allerdings nicht heißt, dass es unter den MCU-Soundtracks nicht einige ziemlich gute gibt.
Um den Artikel nicht zu überfrachten, werden die drei Iron-Man-Filme hier separat behandelt und die restlichen MCU-Filme im folgenden Artikel.

Ramin Djawadi

„Iron Man“ ist nicht nur der erste Film des MCU, sondern in meinen Augen auch einer der besten – das musste er auch sein, um dem Film-Franchise einen gelungenen Start zu ermöglichen. Leider hat „Iron Man“ auch den schlechtesten Soundtrack des MCU. Regisseur Jon Favreau beauftragte Zimmer-Zögling Ramin Djawadi mit der Musik, und was dieser ablieferte ist leider alles andere als optimal. Seine Musik für „Iron Man“ ist ein wunderbares Beispiel für „Style over Substance“ in der Musik: Djawadi ist vor allem darauf bedacht, dass es cool und rockig klingt. Außer schmetternden E-Gitarren und Remot-Control-Minimalismus hat der Score allerdings kaum etwas zu bieten, er ist schlicht dröge und uninteressant. Themen sind kaum auszumachen, geschweige denn eine narrative Entwicklung. Von den widerkehrenden Elementen sticht noch am deutlichsten die Identität für den Titelhelden hervor, eine extrem simple, vage heroisch klingende Melodie, die zumeist als Reihe gleichbleibender E-Gitarren-Riffs mit auf- oder absteigender Begleitung erklingt und hin und wieder auch mal vom (ohnehin arg an den Rand gedrängten) Orchester wiedergegeben wird. Der Rest funktioniert im Film nach halbwegs, ist aber ansonsten schlicht langweilig und eines Helden wie Iron Man unangemessen.
Immerhin ist bei Ramin Djawadi eine eindeutige Lernkurve feststellbar; waren seine Kompositionen zu „Iron Man“ und „Kampf der Titanen“ noch uninspirierte 0815-Remote-Control-Scores, ist er mit jedem Game-of-Thrones-Soundtrack besser geworden und hat für Guillermo del Toros „Pacific Rim“ das abgeliefert, was „Iron Man“ hätte werden sollen. Dieselben stilistischen Zutaten sind vorhanden, aber das Ergebnis ist um einiges kreativer, komplexer und interessanter.

John Debney

Was Komponisten angeht, ist John Debney eine Allzweckwaffe; der gute Mann hat schon für so ziemlich jedes denkbaren Genre komponiert, seien es Piratenfilm („Die Piratenbraut“), Komödien („Bruce Allmächtig“), Animationsfilme („Himmel und Huhn“) oder historische Bibel-Epen („Die Passion Christi“). Für den zweiten Iron-Man-Film ersetzte er Ramin Djawadi und verschaffte dem zweiten Leinwandausflug des Eisernen (das kurze Cameo in „Der unglaubliche Hulk“ nicht mitgerechnet) eine wenn auch nicht optimale, so doch weitaus gelungenere musikalische Untermalung als Djawadi es tat. Auch wenn Debney keines der „Themen“ seines Vorgängers übernahm (in diesem Fall die richtige Entscheidung), ist sein grundsätzlicher Ansatz derselbe (rockig, viele E-Gitarren), allerdings bezieht Debney das Orchester stärker mit ein und kann auch besser mit ihm umgehen. So wird Debneys Iron-Man-Thema mehr von Blechbläsern dominiert und ist sehr viel brauchbarer als Djawadis Heldenidentität. Das Problem ist allerdings, dass das Thema für meinen Geschmack nicht distinktiv genug ist und im Score zu selten angewendet wird – in all seiner Pracht ist es nur im letzten Track zu hören.
Die Actionmusik ist nach wie vor ziemlich rockig, aber um einiges eleganter und komplexer als Djawadis. Das eigentliche Highlight des Scores ist allerdings die Musik für den Schurken Ivan Vanko/Whiplash, die von tiefen, russisch singen Chören dominiert wird.
Gegenüber dem Soundtrack des ersten Teils eine eindeutige Verbesserung.

Brian Tyler

Als ich mir „Iron Man 3“ anschaute, hatte ich erwartet, dass der musikalische Stil der beiden Vorgänger weitergeführt wird, nicht zuletzt, weil ich mit dem Namen „Brian Tyler“ bis zu diesem Zeitpunkt zu meiner Schande noch nichts anfangen konnte. Ich war dann auch ziemlich überrascht, dass die Musik zu „Iron Man 3“ um einiges orchestraler ist als die der beiden Vorgänger und genau das hat, was diesen fehlt: Ein einprägsames, heroisches Thema, das sich beim ersten Hören sofort festsetzt und im Film angemessen oft, aber nicht erschöpfend verwendet wird. Zwar ignoriert Tyler abermals die Motive seiner Vorgänger, aber in Anbetracht dessen, was er als Heldenthema für „Iron Man 3“ geschrieben hat, bin ich ausnahmsweise sogar froh darüber.
In gewissem Sinne ist Brian Tyler in meinen Augen Hans Zimmer, wie er sein sollte: Obwohl er kein RCP-Komponist ist, gehört er, wie Patrick Doyle, James Newton Howard oder Javier Navarette, zu den vielen Komponisten, die die Zimmer-Techniken in kleinerem oder größerem Ausmaß in ihr Repertoire integriert haben – in Tylers Fall sogar in größerem Ausmaß. Er komponiert heute ähnliche „Episch-auf-Teufel-komm-raus-Hymnen“ wie es Zimmer früher getan hat, bevor er dem Minimalismus anheim gefallen ist, allerdings sind Tylers Kompositionen besser orchestriert und komplexer. Und im Gegensatz zu Zimmers aktuellem Output machen sie mir verdammt viel Spaß. Dies trifft auch auf die Action-Szenen zu, speziell wenn das Iron-Man-Thema auftaucht. Die Musik für die ruhigeren Szenen und für den Mandarin dagegen ist weniger amüsant, Debneys Schurkenthema war da überzeugender. Wegen des vollauf gelungenen, vielseitig variierten und gut integrierten Titelthemas sind das allerdings Schwächen, über die man großzügig hinwegsehen.

Fazit: Iron Mans musikalische Reise startete suboptimal, allerdings wurde es von Film zu Film besser. Ausnahmsweise hat der Komponistenwechsel innerhalb der Filmreihe einmal positive Folgen – nach drei Filmen hat Iron Man endlich zu der thematischen Identität gefunden, die er verdient, und ich hoffe, dass sie uns erhalten bleibt.

Siehe auch:
Marvel-Musik Teil 1: X-Men
Iron Man
Iron Man 2
Iron Man 3

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2 Kommentare zu “Marvel-Musik Teil 2: Iron Man

  1. rucksack1 sagt:

    Driving with the top down und das Main Thema von Pacific Rim ist aber eine Suppe….schade. Ich schaute Iron Man 1 und während des Abspanns musste ich direkt nochmal hinschauen, ob Pacific Rim anfängt (Videos von Platte). Nachdem ich geguckt hatte, wer denn da der Komponist der OSTs ist, war alles „klar“.

    • hemator sagt:

      An „Dracula Untold“ hat sich ja leider auch wieder gezeigt, dass Ramin Djawadis kompositorische Vielseitigkeit eher beschränkt ist – wobei „Pacific Rim“ in meinen Augen immer noch eines seiner besseren Werke ist.

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