Repo! The Genetic Opera

repo
Story: Nachdem eine weltweite Epidemie einen großen Teil der Menschheit ausgerottet hat, hat die Firma GeneCo, unter Leitung von Rotti Largo (Paul Sorvino), es geschafft, dem Sterben durch Organaustausch Einhalt zu gebieten. GeneCo bietet Organe „auf Pump“ – doch wehe dem, der nicht bezahlen kann! Denn Schuldnern schickt Largo die Repo Men auf den Hals, gnadenlose Kopfgeldjäger, die die Organe wieder entfernen, und zwar ohne Rücksicht oder Betäubung. Nathan Wallace (Anthony Head) ist so ein Repo Man, was er allerdings vor seiner siebzehnjährigen Tochter Shilo (Alexa Vega) verheimlicht. Shilo leidet an einer ominösen Krankheit und wird von Rotti Largo persönlich kontaktiert, der ihr eine Heilung anbietet, die aber sicher nicht umsonst ist. In der Tat möchte er, dass Shilo die Erbin seines Konzerns wird, da seine eigenen Kinder Pavi Largo (Kevin Graham Ogilvie), Luigi Largo (Bill Moseley) und Amber Sweat (Paris Hilton) ihm nicht geeignet scheinen. Und darüber hinaus ist Shilo die Tochter von Rottis ehemaliger großer Liebe, die schließlich jedoch Nathan heiratete und deshalb von Rotti vergiftet wurde. Und als ob das noch nicht genug wäre, mischen auch noch der Drogendeale Grave Robber (Terrance Zdunich) und die Diva Blind Mag (Sarah Brightman) mit…

Kritik: „Repo! The Genetic Opera“ ist eine seltsame Monstrosität von einem Film. Wir haben hier ein Metal/Goth-Rock-Musical, für das Darren Lynn Bousman, der Regisseur der Saw-Filme II bis IV verantwortlich ist und bei dem zu allem Überfluss auch noch Paris Hilton mitspielt. Wenn man sich die Reaktionen ansieht, scheint es nur zwei Alternativen zu geben: Entweder man liebt das Teil, oder man hasst es. Und es hat mich ehrlich überrascht, aber auch mich trifft Ersteres zu. Überraschend ist es vor allem, weil ich mich für die genannten Musikrichtungen eigentlich nicht wirklich erwärmen kann – aus diesem Grund habe ich mich bis vor Kurzem auch nicht mit dem Film beschäftigt, bis ich eher zufällig ein paar Ausschnitte im Internet gesehen habe, wobei mich das Ganze irgendwie angesprochen hat. Und zum Glück ist die Musik von „Repo!“, in Anbetracht der Richtung, zumindest für meine Ohren, recht angenehm und lässt vieles von dem vermissen, was mir sonst auf die Nerven geht. Meine absoluten Lieblingslieder werden die Repo!-Songs sicher nicht, aber es ist nicht zu leugnen, dass sie zum Ambiente des Films sehr gut passen. „Repo!“ ist insofern eine Oper, als dass es kaum gesprochenen Dialog gibt. Der Film wirkt sehr durchkomponiert, was auch zur Folge hat, dass viele Songs sehr kurz und wenig einprägsam sind. In der Tat hält „Repo!“ den Rekord für das Musical, für das die meisten Lieder komponiert wurden (74 ingesamt, 38 davon sind im Film gelandet). Dennoch, das Konzept funktioniert.
Außerdem ist der Film sehr comichaft gestaltet. Normalerweise mag ich dieses Wort überhaupt nicht, weil es ähnlich aussagekräftig ist wie „romanhaft“, aber hier passt es, da das wohl auch eindeutig die Intention war – warum sonst würde man die Hintergründe in Form von Comicpanels erzählen? Auch sonst ist „Repo!“ atmosphärisch sehr gut gelungen, obwohl man dem Film anmerkt, dass er ein eher niedriges Budget hatte. Die Kamerafahrten über die dystopische Stadtlandschaft sind zwar schön anzusehen, stammen aber eindeutig aus dem Computer, während die Sets alle sehr kulissenhaft wirken und so teilweise den Eindruck einer Bühnenproduktion erwecken. Dies wird im Finale sogar noch verstärkt, das wie bei einem gewissen anderen Musical komplett in einem Theater spielt.
In der Tat halte ich den Vergleich zur „Rocky Horror Picture Show“, der oftmals gezogen wird, durchaus für gerechtfertigt (und das nicht nur, weil Paris Hilton in einer Szene ein Frank-N.-Furter-Gedächtnisoutfit trägt). Wie die RHPS ist auch „Repo!“ einfach „anders“, schert sich nicht sonderlich um Konventionen und hat seine Wurzeln sowohl im Sci-Fi- als auch im Horror-Genre, ist aber nicht wirklich gruselig (im Gegensatz zur RHPS fließt allerdings mehr Blut und mehr Organe werden entfernt).
Dem Film haftet etwas Schund-, bzw. Exploitationhaftes an, was sich schon an der unnötig komplizierten Story zeigt, die in sich nicht wirklich logisch ist und in der sich die meisten Charaktere nicht wirklich nachvollziehbar oder gar nicht entwickeln. Manche Figuren sind eigentlich ziemlich überflüssig und tragen nicht wirklich etwas bei. Aber „Repo!“ gehört zu den Filmen, denen dies alles nicht schadet, sondern ihren herrlich verschrobenen Charakter nur unterstreicht. Die Figuren sind derartig abgedreht und kreativ, das man keine davon im Film missen möchte. Darüber hinaus sind die meisten Darsteller sowohl gesanglich als auch darstellerisch ziemlich gut. Vor allem Alexa Vega („Spy Kids“) und Sarah Brightman (Christine in der Uraufführung von Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“) wissen stimmlich wie schauspielerisch zu überzeugen. Paris Hilton kann natürlich nicht gut singen, aber das passt, denn ihre Figur kann es auch nicht. Darüber hinaus ist Amber Sweet praktisch eine überdrehte Version ihrer Schauspielerin, insofern wurde sie sogar ideal besetzt. Kevin Graham Ogilvie und Bill Moseley sind als Rotti Largos Söhne herrlich verschroben, während Anthony Head Nathan als wunderbar gespaltene Figur darstellt und Paul Sorvino sich in seinen Gemeinheiten suhlt. Meine Lieblingsfigur ist aber eindeutig der charismatische Erzähler Grave Robber (gespielt von Terrance Zdunich, der zusammen mit Darren Smith auch die Musik komponiert hat), der mich irgendwie an eine düstere Version von Clopin aus Disneys „Der Glöckner von Notre-Dame“ erinnert.
Und welche der Songs haben mir nun am besten gefallen? Wie gesagt sind viele sehr kurz oder haben eher den Charakter eines Recitativs, aber es gibt auch einige längere Nummern. Von diesen gefallen mir Chromaggia (aus offensichtlichen Gründen) und Zydrate Anatomy (verdammter Ohrwurm) am besten.
Fazit: Völlig abgedrehte Rock-Oper, die man entweder liebt oder hasst, die man aber gesehen haben sollte und die wunderbar als geistiger Nachfolger zur „Rocky Horror Picture Show“ funktioniert.

Trailer

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