Der Hobbit: Smaugs Einöde – Soundtrack

Enthält Spoiler
smaugost
Tracklisting:

CD 1
01. The Quest for Erebor
02. Wilderland
03. A Necromancer**
04. The House of Beorn*
05. Mirkwood*
06. Flies and Spiders*
07. The Woodland Realm*
08. Feast of Starlight
09. Barrels out of Bond
10. The Forest River*
11. Bard, a Man of Lake-town
12. The High Fells*
13. The Nature of Evil
14. Protector of the Common Folk

CD 2
01. Thrice Welcome
02. Girion, Lord of Dale*
03. Durin’s Folk*
04. In the Shadow of the Mountain
05. A Spell of Concealment*
06. On the Doorstep
07. The Courage of Hobbits
08 Inside Information
09. Kingsfoil
10. A Liar and a Thief
11. The Hunters*
12. Smaug*
13. My Armor is Iron
14. I See Fire
15. Beyond the Forest

*Auf der Deluxe-Edition erweitert
**Bonustrack der Deluxe-Edition

Die musikalische Reise durch Mittelerde geht weiter. Nachdem es beim Soundtrack zu „Eine unerwartete Reise“ einige Unstimmigkeiten gab – nicht zuletzt wegen der markanten Unterschiede zwischen der Musik im Film und der auf dem Album, sowie des merkwürdigen Einsatzes einiger Themen und der relativ offensichtlichen Wiederverwendung von HdR-Material – folgten Konsequenzen, die ihrerseits bei Shore-Fans zu Stirnrunzeln führten. Im Verlauf des Jahres wurde angekündigt, dass Howard Shore dieses Mal weder selbst orchestrieren noch dirigieren würde, was er bei allen bisherigen Mittelerde-Soundtracks getan hatte. Stattdessen wurde Conrad Pope verpflichtet. Pope ist ein Hollywood-Veteran, der diese Aufgabe schon für viele bekannte Filmmusikkomponisten übernommen hat, u.a. John Williams, Alexandre Desplat und Danny Elfman, um nur drei zu nennen.
Darüber hinaus ist „Smaugs Einöde“ die erste Mittelerde-Musik von Shore (die Moria-Sequenz in „Die Gefährten“ einmal außen vorgelassen), die nicht in den Abbey Road Studios aufgenommen und vom London Symphony Orchestra eingespielt wurde. Beide Änderungen wurden wahrscheinlich vor allem aus Zeitgründen vorgenommen, allerdings halten sich die Gerüchte, das Verhältnis zwischen Howard Shore und Peter Jackson sei nicht das Beste. Die Wahrheit wird man allerdings wohl erst erfahren, wenn alle drei Hobbit-Filme erschienen sind – wenn überhaupt. Jedenfalls hat weder die Mitarbeit Conrad Popes noch die Verwendung des New Zealand Symphony Orchestra (die Aufnahme fand in Wellington statt) eine allzu große Auswirkung auf den Klang der Musik – und auch nicht auf ihre Qualität, zumindest, soweit ich das sagen kann. An manchen Stellen, etwa in The Forest River, scheint die Orchestrierung, vielleicht dank Pope, ein wenig elaborierter. Davon unabhängig gibt es trotzdem einige starke tonale Unterschiede zu „Eine unerwartete Reise“ und auch zum Rest der Mittelerde-Musik, die allerdings nicht Pope und dem New Zealand Symphony Orchestra geschuldet sind, sondern dem Film und Shores leicht veränderter Herangehensweise. Die Musik zu „Smaugs Einöde“ ist sehr viel düsterer und weniger leicht zugänglich als der Soundtrack des ersten Hobbit-Films, der viele sehr melodische und angenehme Passagen hatte (zugegebenermaßen stammen viele der Themen ja bereits aus der HdR-Trilogie, aber sei’s drum).
Bereits in „Eine unerwartete Reise“ waren die neuen Themen (mit einer Ausnahme) subtiler, schwerer auszumachen und weniger eindeutig als in der HdR-Trilogie, und diese Tendenz verstärkt sich im zweiten Hobbit-Film. Es sind in der Tat weniger Themen als viel mehr Leitmotive im eigentlichen Sinn des Wortes. Dennoch wäre „Smaugs Einöde“ in der Tat ein wirklich grandioser Soundtrack, wären da nicht zwei kleine Details, die das Gesamtbild zwar nicht ruinieren, aber doch merklich trüben. Über das erste habe ich mich ja bereits geäußert: Der Abspannsong I See Fire stammt dieses Mal von Ed Sheeran, und in meinen Augen passt er absolut gar nicht nach Mittelerde und ist das mit Abstand schlechteste der bisher fünf Lieder. Er ist nicht nur langweilig und unpassend, er reißt mich auch völlig aus der Stimmung, die die restliche Musik erzeugt hat. Nach der Filmsichtung ist es sogar schlimmer als vorher: Da fliegt Smaug dem Cliffhanger entgegen, und dann kommt diese uninspirierte Folk-Pop-Schnulze, die eine völlig konträre Atmosphäre vermittelt.
Interessanterweise ist das allerdings das kleinere Übel. Das größere Übel: Das Misty-Mountains-Thema (bzw. das Kompanie-Thema) kommt nicht vor! Zugegebenermaßen gibt es in „Smaugs Einöde“ auch kaum Gelegenheiten für einen Einsatz. Die Zwerge stürmen nicht in die Schlacht und wandern auch nicht über Bergrücken. Und in den Action-Szenen, in die sie involviert sind, wäre es ebenfalls nicht unbedingt die passendste Wahl gewesen. Dennoch sieht es Shore überhaupt nicht ähnlich, ein im Vorgänger derart prominentes Thema einfach fallen zu lassen, und der Soundtrack-Liebhaber kommt nicht umhin, sich nach den Gründen zu fragen. Immerhin hätte man es auch in einer ruhigeren Variation einbauen können (diese gab es ja in „Eine unerwartete Reise“ ebenfalls, da das Misty-Mountains-Thema auch als Thema für das Sehnen der Zwerge nach ihrer Heimat fungierte). Es gibt nicht einmal eine Andeutung, es sei denn man rechnet Durin’s Folk mit, wo man meinen könnte, dass es bei 1:15 ansetzt, allerdings denke ich, dass es sich dabei um eine Erweiterung von Thorins Thema handelt, das zuvor zu hören ist.
Waren es in der Tat die oben genannten Gründe, die Shore dazu bewogen, das Misty-Mountains-Thema außen vorzulassen? Sah er es nur als spezifisches Thema für den ersten Hobbit-Film, so ähnlich, wie auch das von Enya komponiert Aníron (in der Aragorn/Arwen-Szene in „Die Gefährten“) oder die in Gollum‘s Song zu findende Weiterentwicklung von Gollums Thema in den folgenden Filmen keinen Nachhall hatten? Oder sind die Gründe anderswo zu suchen? Die Melodie wurde ja immerhin nicht von Shore komponiert, sondern von der Band Plan 9. Wollte Shore diese Melodie überhaupt nicht im Soundtrack von „Eine unerwartete Reise“ haben und wurde von Peter Jackson quasi gezwungen? Oder gibt es rechtliche Probleme, immerhin ist Plan 9 an „Smaugs Einöde“ meines Wissens nach nicht beteiligt? Fragen über Fragen, die einer Antwort harren.
Wenden wir uns nun aber dem eigentlichen Soundtrack zu, der unter Filmmusik-Fans viel Anklang gefunden hat, während der Rest nicht allzu begeistert war. Shores Musik zu „Smaugs Einöde“ ist höchst vielschichtig und komplex, allerdings fehlt ein „Crowd Pleaser“. Jeder der bisherigen vier Mittelerde-Filme besaß so etwas wie ein inoffizielles Hauptthema. Gefährten-, Rohan-, Gondor- und Misty Mountains-Thema waren alle sehr eingängig, in den jeweiligen Filmen ziemlich dominant und gut summbar. In „Smaugs Einöde“ gibt es nichts dergleichen. Wenn es hier ein inoffizielles Hauptthema gibt, ist es Smaugs Thema (dieses wird jedenfalls bei der Titeleinblendung gespielt, Wilderland, 1:11), doch es ist sehr viel weniger eingängig als die oben genannten, und schon gar nicht in irgendeiner Form heroisch oder angenehm (wäre auch daneben, immerhin ist es ein Schurkenthema).
Ehrlich gesagt gibt es nicht einmal so viele neue Themen, weil viele der Themen, die dominant sind, bereits in „Eine unerwartete Reise“ ihren Einstand feierten – nur dass man dort zum Teil einfach noch nicht wusste, dass es sich um Themen handelte oder wie sie sich entwickeln würden.
Smaugs Thema etwa kam im ersten Hobbit-Film ein paar Mal vor (zum Beispiel in My Dear Frodo, 4:16-4:34), entwickelt sich in „Smaugs Einöde“ aber in eine neue, unerwartete Richtung. In der ersten Hälfte des Films ist es nur selten zu hören und klingt nach den Einsätzen in „Eine unerwartete Reise“, sobald die zugehörige Figur allerdings auftaucht, bekommt das Thema einen neuen instrumentalen Klang. Bisher hatte es eine eindeutige Verwandtschaft zum Mordor-Material. Diese ist zwar nach wie vor vorhanden, tritt aber in den Hintergrund. Durch chinesische und japanische Holzbläser und Percussions bekommt es eine individuelle kulturelle Färbung, die kein anderes Thema in Mittelerde besitzt. Diese Entwicklung ist wirklich eine grandiose Idee, da sie perfekt zu Smaug passt: Er ist (nach allem, was man weiß) wohl der letzte der Drachen, und somit sollte sein Thema etwas Einzigartiges haben, gleichzeitig aber wurden die Drachen von Morgoth, Saurons vernichtetem Herrn erschaffen, und somit ist auch musikalische Nähe zum Dunklen Herrscher vonnöten. In Inside Information (praktisch von Anfang an) hört man zum ersten Mal eine dieser speziellen Ausprägungen von Smaugs Thema, das von nun an den restlichen Score dominiert. Diese Variation spiegelt die manipulative Seite des Drachen wieder. Von einer anderen Seite zeigt er sich in The Hunters (1:10), Smaug (ab 5:02) und My Armor Is Iron (ab 1:19), dort hört man den Zorn der Bestie.
Ein weiteres Thema, das bereits in „Eine unerwartete Reise“ zu hören war, ist das Waldlandreichthema. Dort untermalte es Thranduils Auftritt im Prolog (My Dear Frodo, 3:23-3:32). Hier wird es nun weiter ausgebaut und dient, wie könnte es anders sein, als Thema für die Waldelben. Am dominantesten ist es selbstverständlich im namensgebenden The Woodland Realm, das ganze Stück besteht praktisch nur aus Variationen. Eine gewisse Verwandtschaft zum Lórien-Thema lässt sich nicht leugnen, aber das Waldlandthema klingt noch eine wenig mystischer und gefährlicher. Von diesem Thema existiert auch eine spezielle Action-Variation für Legolas, die vor allem in The Forest River (zum Beispiel 1:26-1:29 und 3:56-4:16) und The Hunters (zum Beispiel 4:49-4:55 und 8:28-8:38) mehrfach auftauchen.
Viele weitere Themen aus „Eine unerwartete Reise“ und der HdR-Trilogie werden natürlich ebenfalls weiterverwendet. War der erste Hobbit-Film noch stark vom Auenland- und Bilbo-Material geprägt (beides musikalisch eng miteinander verwandt), werden diese Themen in „Smaugs Einöde“ eher spärlich eingesetzt. Das klassische Auenland-Thema ist in The Quest for Erebor (0:49) und The Courage of Hobbits (gleich zu Beginn) zu hören, und Bilbo-Material gibt es in The Quest for Erebor (2:30), Barrels out of Bond (Anfang) und Thrice Welcome (ab 2:43). Man muss allerdings schon sagen, für einen Film, der den Titel „Der Hobbit“ trägt, gibt es schon ziemlich wenig musikalisches Hobbit-Material. Ähnlich ergeht es noch einigen anderen musikalischen Identitäten aus dem ersten Hobbit-Film. Gandalfs Thema etwa taucht nur fragmentarisch in der ersten Hälfte von A Spell of Concealment auf, und Radagasts Thema überhaupt nicht.
Im Gegensatz dazu nimmt die Präsenz des Zwergenmaterials und der Mordor/Sauron-Themen stark zu. Besonders Thorins Thema, in „Eine unerwartete Reise“ noch sehr zurückhaltend verwendet, rückt nun stark in den Mittelpunkt und erhält in The Forest River (ab 3:28) und Durin’s Folk (ab 2:08) eine bisher noch nicht gehörte, heroische Ausprägung. Ähnlich ergeht es dem Erebor-Thema, das zwar nicht so sehr heraussticht, aber doch äußerst präsent ist und oftmals in Begleitung von Thorins Thema auftritt, etwa in On the Doorstep (5:20).
Das thematische Material des Bösen (Smaug hierbei einmal ausgeklammert) ist neben den oben genannten Themen, vielleicht sogar in noch größerem Ausmaß, am dominantesten. Ohne das Geschichte-des-Rings-Thema geht es freilich nicht, auch wenn es verhältnismäßig selten auftaucht. Über den Verlauf von Mirkwood wird es immer wieder angedeutet, bis es in Flies and Spiders ein volles Statement erhält (6:43), als sich Bilbo zum ersten Mal wirklich mit der Suchtwirkung des Ringes auseinandersetzen muss. Ein weiterer Einsatz findet sich in Feast of Starlight (2:29). Und apropos Flies and Spiders: Passenderweise gibt es in diesem Stück auch immer wieder Anspielungen auf das Kankra-Material aus „Die Rückkehr des Königs“.
Das mit dem Geschichte-des-Rings-Thema eng verwandte Leitmotiv des Dunklen Herrschers (beide Themen fangen mit demselben Halbtonschritt an) wurde bereits in „Eine unerwartete Reise“ mehrfach angedeutet und kehrt nun mit aller Macht in A Spell of Concealment (ab 2:24) zurück, in einer Variation, die an Grausamkeit und Dissonanz kaum zu überbieten ist und stark an die Verwendung in „Die Rückkehr des Königs“ (Standard Edition: Minas Morgul, CR: A Coronal of Silver and Gold) erinnert. Auch in A Necormancer ist es zu hören, und in diesem Stück finden sich auch viele der Mordor-Begleitfiguren wieder.
Ebenso kehren Schurkenthemen aus „Eine unerwartete Reise“ zurück, vornehmlich die Themen von Azog und den Wargreitern. Ersteres taucht u.a. am Ende von The Forest River und in A Necromancer auf, Letzteres ist in Wilderland immer wieder zu hören.
Betrachten wir nun noch die Themen, die in „Smaugs Einöde“ zum ersten Mal erklingen. Da hätten wir zuerst Beorns Thema. Da der Pelzwechsler nur am Anfang des Films relativ kurz vorkommt, ist sein Thema, das nicht besonders einprägsam ist, auch nur in Wilderland und The House of Beorn zu hören (in letztgenanntem Track füllt es die gesamte erste Minute). Markanter und wichtiger ist Tauriels Thema, das zum ersten Mal in seiner Action-Version am Ende von Flies and Spiders (7:51) auftaucht. In der ruhigeren Variation (u.a. in The Woodland Realm bei 4:31 und Beyond the Forest bei 2:36) klingt es interessanterweise nach den Main Titles von Shores „Das Schweigen der Lämmer“. Für die Beziehung zwischen Tauriel und Kili gibt es ebenfalls ein eigenes Thema, das in A Feast of Starlight ab 1:26 vollständig erklingt.
Ab der zweiten Hälfte des Filmes kommt noch ein weiteres Zwergenthema hinzu, das laut Doug Adams „Durins Haus“ heißt und für die noble Abstammung der Zwerge steht. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass es sowohl mit Thorins Thema als auch dem Erebor-Thema verwandt ist. Einsätze finden sich unter anderem in Girion, Lord of Dale (ab 3:07) und In the Shadow of the Mountain (gleich zu Anfang). Diese frühen Variationen klingen sehr ehrfürchtig, als die Zwerge dann allerdings gegen Smaug kämpfen, bekommt das Durins-Haus-Thema eine heroische Färbung (My Armor Is Iron, 0:54).
Die Menschen von Esgaroth als neue Bevölkerungsgruppe werden ebenfalls leitmotivisch behandelt. Das Thema für Seestadt erinnert an eine Mischung aus einem barocken Tanz und einem Seemannslied (Protector of the Common Folk 1:50, Thrice Welcome am Anfang). Der Meister von Seestadt und seine rechte Hand Alfrid haben ihre eigene, intrigant klingende Ausprägung dieses Themas, die in Bard, a Man of Lake-town (2:56) zum ersten Mal zu vernehmen ist und in Thrice Welcome (ab 0:28) weiter ausgebaut wird. Das Gegenstück hierzu sind die Themen für Bard und seinen Vorfahren Girion (Ersteres u.a. in Bard, am Man of Lake-town und Protector of the Common People am Anfang und The Hunters bei 1:32, Letzteres in Girion, Lord of Dale am Anfang). Man kann wohl davon ausgehen, dass sich diese beiden Themen im dritten Hobbit Film zu einem heroischen Thema für Bard vereinen werden, wenn er Smaug tötet.
Obwohl die Länge dieses Artikels möglicherweise anderes suggeriert handelt es sich hierbei lediglich um eine oberflächliche Analyse, die thematischen Verknüpfungen und Feinheiten gehen noch weit tiefer, würden allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Betrachten wir zum Schluss noch die Albensituation und die Verwendung des Scores im Film. Bei beidem gab es bei „Eine unerwartete Reise“ einige Diskrepanzen. Abermals gibt es eine Standard-Edition und eine Deluxe-Edition. Diese Vermarktungsstrategie ist mir immer noch ein wenig rätselhaft, da wieder beide Versionen zwei CDs haben, die Deluxe-Edition besitzt lediglich ein Bonusstück (A Necormancer) und einige verlängerte Tracks – insgesamt hat sie etwa 13 Minuten an Material, die nicht auf der Standard-Version zu finden sind. Zusätzlich dazu gibt es noch ein Booklet mit einem Begleittext von Doug Adams, in welchem er bedeutende alte und neue Themen bespricht, und eine Noten-Skizze von Howard Shore.
Glücklicherweise finden sich dieses Mal auf der Deluxe-Edition keine unterlegenen Alternativtracks, wie es bei „Eine unerwartete Reise“ der Fall war, weshalb ich dieses Mal problemlos die Deluxe-Edition empfehlen kann. Die zusätzlichen 13 Minuten sind zwar nicht essentiell, runden das Hörerlebnis allerdings ab, da es auf der normalen Version einige störende Schnitte gibt. Der Bonustrack ist vor allem für Fans des Mordor-Materials interessant.
Die Präsentation im Film ist dagegen leider abermals nicht optimal. Dieses Mal gibt es zwar keine merkwürdigen Ersetzungen mit fragwürdigem thematischem Material, es wurde aber viel geschnitten. Gerade für einen Mittelerde-Film gibt es in „Smaugs Einöde“ ungewöhnlich viele Passagen, die vollkommen ohne Musik auskommen. Das geniale Action-Stück The Forest River, nicht nur ein Highlight dieses Scores, sondern der gesamten Mittelerde-Musik, etwa wurde im Film völlig verhackstückt und das grandiose Statement von Thorins Thema fehlt. Ähnlich ergeht es auch mehreren Einsätzen von Smaugs Thema im letzten Drittel des Films. Das hat zur Folge, dass die Musik im Film sehr viel anonymer und unbefriedigender daherkommt, als sie eigentlich ist. Der Vorteil dabei ist, dass es dieses Mal kaum Musik gibt, die im Film, nicht aber auf dem Album zu finden ist. Lediglich ein, zwei weitere Einsätze von Gandalfs Thema sind hier betroffen, ansonsten gibt es auf dem Album mehr Musik als im Film.
Fazit: Grandioser und hochkomplexer Hobbit-Soundtrack, der allerdings unter dem Fehlen alter oder neuer Ohrwurmthemen, einem unpassenden Abspannsong und einer schlechten Präsentation im Film leidet. Dennoch: Der Soundtrack des Jahres.

Siehe auch:
Der Hobbit: Smaugs Einöde
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – Soundtrack
The Music of the Lord of the Rings Films

4 Gedanken zu “Der Hobbit: Smaugs Einöde – Soundtrack

  1. Nachdem ich aus dem Kino gegangen war, fiel mir nachträglich auf, dass „Misty Mountains“ gar nicht zu hören gewesen war. Ich hielt das dann aber für einen Irrtum meinerseits, denn so sehr achte ich nicht auf die Musik. Ich bin froh jetzt zu lesen, dass ich mich nicht geirrt habe 🙂

    In der Rückblende würde ich sagen, dass das Thema eindeutig fehlt.

    1. Ja, finde ich auch. Ich hege ja die Hoffnung, dass es im dritten Teil wieder vorkommt, immerhin kommt das Lied auch wieder prominent im Roman vor – die Zwerge singen es nach Smaugs Tod, als sie belagert werden noch einmal, mit alter Melodie, aber neuem, angepasstem Text. Und mir schwebt dann so eine Szene in der Schlacht der Fünf Heere vor, in der die Zwerge zu einer grandiosen Variation des Themas aus dem Erebor hervorkommen, um Orks zu verdreschen. Vor allem: Es kommt im so vor Roman, und die Szene würde das geradezu provozieren. Hoffentlich teilen Shore und PJ da meine Ansicht.

  2. Eine wirklich sehr schöne Analyse. Auch wenn ich sagen muss, dass ich an manchen Stellen finde, dass aus Mittelerde etwas mehr gemacht wird, als es ist. Wenn ich zum Beispiel in D. Adams‘ Buch drei Variationen des Eowyn-Themas präsentiert bekomme, dann habe ich schon das Gefühl, dass das Buch vollwerden musste. Auch die Aussage, dass im Herr der Ringe gern 9 Töne für ein Motiv genutzt werden, was mir anhand der aufgeführten Beispiele nicht wirklich einleuchtet, dazu mit dem Vergleich zu Beethoven, kommt mir doch ein bisschen hochtrabend daher. Der Herr der Ringe und auch die bisherigen Hobbit-Teile beinhalten wirklich schöne Musik, aber ich denke, man sollte die Kirche schon im Dorf lassen…

    1. Vielen Dank!
      Bei Eowyn stimme ich dir zu, das sind für mich letztendlich situationsspezifische Variationen desselben Themas, die man besser als „Settings“ gelistet hat, wie Doug Adams das beim Auenland-Thema gemacht hat. Auch in Bezug auf den Hobbit finde ich zum Beispiel, dass das, was er als „Politicans of Lake-town“ bezeichnet und als eigenes Thema behandelt, eher eine spezielle Abwandlung/Weiterführung des Esgaroth-Themas ist. Er neigt dazu, Dinge als Themen bezeichnen, die eigentlich nur Variationen sind.
      Trotzdem fand ich das Buch sehr gut und hilfreich dabei, viele der kleinen Details zu erfassen – und hätte sehr gerne noch ein weiteres zu den Hobbit-Filmen.
      Da der Soundtrack zur HdR-Trilogie (wie die Hobbit-Soundtracks dazu und allgemein im Verhältnis stehen, überlege ich mir erst nach dem dritten) eigentlich meine absolute Lieblingsmusik ist, fällt es zumindest mir verhältnismäßig schwer, „die Kirche im Dorf zu lassen.“ 😉 Alles eine Frage der persönlichen Präferenz.

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