Batman: Gotham Knight – Hörspiel

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Der Dunkle Ritter erobert in deutschen Landen neues Terrain (bzw. er erobert es zurück): Die Hörspiellandschaft. Vor einigen Monaten erwarb das Label Highscore Music von Warner die Lizenz zur Produktion von Batman-Hörspielen und kündigte gleich eine ganze Reihe an. Die erste, dreiteilige Geschichte (die einzelnen Teile tragen die Titel „Der Mann in Schwarz“, „Krieg“ und „Monster“) ist inzwischen bereits komplett erhältlich, und somit ist es an der Zeit, sich das Ganze einmal näher anzuschauen.
Ich persönlich bin ja ein Hörspielfan, ich hab schon als Kind gerne Hörspiele gehört, und auch im Erwachsenenbereich gibt es einiges an qualitativ hochwertigem Material – Oliver Dörings Star-Wars-Hörspiele beispielsweise, oder die Gruselkabinett-Serie von Titania Medien. Highscores erstes Batman-Hörspiel kommt zwar an die beiden Erstgenannten nicht ganz heran, ist aber durchaus als gelungen zu bezeichnen.
Was ein wenig merkwürdig anmutet, ist die Wahl der Vorlage: Es handelt sich hierbei nämliche um die Hörspieladaption der Romanadaption eines Direct-to-DVD-Batman-Animes, der im Zuge von „The Dark Knight“ herauskam und als Brückenfilm zwischen „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ fungieren sollte. Bei diesem Film handelte es sich um ein Stilexperiment, er bestand aus sechs nur lose miteinander verbundenen Kurzfilmen, die von sechs verschiedenen, bekannten Anime-Regisseuren in verschiedenen Zeichenstilen umgesetzt wurden. Die Comicautorin Louise Simmons wurde damit beauftragt, eine Romanadaption zu verfassen, die ich leider nicht gelesen habe, weshalb ich mich im Folgenden, neben der eigentlichen Vertonung, auf die Diskrepanz zwischen Film und Hörspiel konzentrieren werde. Dabie gehe ich einfach davon aus, dass das Hörspiel dem Roman recht genau folgt.
Bei der Umsetzung wählte Simmons den schwierigeren Weg: Anstatt einfach sechs Kurzgeschichten mit dem Inhalt der sechs Kurzfilme zu schreiben, versuchte sie, aus „Gotham Knight“ einen wirklichen Roman mit durchgehender Narration zu machen. Das erste Segment des Films (in welchem sich drei Kinder von ihren Begegnungen mit Batman erzählen und den Dunklen Ritter dabei jeweils völlig unterschiedlich beschreiben) beispielsweise wurde fast vollständig fallen gelassen und auf Batmans Begegnung mit dem „Mann in Schwarz“ auf den Aparo-Towers reduziert. Für viele der Vorkommnisse in „Gotham Knight“ gibt es kaum Hintergründe; auch hier schafft Simmons Abhilfe, indem sie alles miteinander verbindet, an passenden Stellen kürzt und an anderen Details und weiterführende Plotelemente einbaut. Dennoch ist das Ergebnis nicht unbedingt die komplexeste aller Batman-Geschichten. Im Grunde muss sich der Dunkle Ritter (Sascha Rotermund) mit Schurken an allen Fronten auseinandersetzen: Der Industrielle Ronald Marshall (Rüdiger Schulzki) verfolgt mithilfe des Killers Deadshot (Uve Teschner) seine illegalen Interessen, in den Straßen Gothams bekriegen sich zwei Gansterbosse, Salvatore Maroni (Mario Grete) und der Russe (Jürgen Holdorf), und in der Kanalisation treiben sich Scarecrow (Martin Sabel) und Killer Croc (Holger Löwenberg) herum. Trotz Simmons‘ Bemühung die einzelnen Segmente miteinander zu verknüpfen, wirkt die Geschichte als Ganzes betrachtet ein wenig zerfasert, die einzelnen Handlungsstränge agieren oft nicht wirklich miteinander, sondern laufen nebeneinander her.
Man mag sich fragen, weshalb Highscore aus dem schier unerschöpflichen Fundus der Batman-Geschichte gerade „Gotham Knight“ als Vorlage für das erste Hörspiel wählte, wo es doch durchaus naheliegende Alternativen gegeben hätte: „Batman: Year One“, „The Killing Joke“, oder, um ganz aktuell zu sein, einen Storybogen aus den New-52-Batman-Serien, etwa „Der Rat der Eulen“. Bei näherer Betrachtung bleibt die Wahl ein wenig merkwürdig, erscheint aber recht logisch: „Gotham Knight“ erzählt nicht noch einmal die Entstehungsgeschichte (die ja inzwischen hinlänglich bekannt sein dürfte), spielt aber in der Anfangszeit des Dunklen Ritters, sodass es noch nicht allzu viel Ballast gibt. Ein wenig merkwürdig ist auch das Verhältnis zu den Nolan-Filmen. Es wäre recht einfach gewesen, Christian-Bale-Sprecher David Nathan als Batman zu besetzen (wie in der deutschen Fassung des Films „Gotham Knight“ auch geschehen), laut eigener Aussage wollten sich die Macher aber durchaus von Nolans Version von Gotham City distanzieren und besetzen die Figuren nicht mit den deutschen Synchronsprechern aus der Dark-Knight-Trilogie. Es gibt nur eine Ausnahme: Jürgen Thormann, der Stammsprecher von Michael Caine, spielt auch hier Alfred.
Dieser Intention wiederspricht die Wahl von „Gotham Knight“ dann allerdings doch wieder, denn, wie oben bereits erwähnt, ist der Film so konzipiert, dass er als Brücke zwischen „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ fungieren kann. Im Roman (und damit im Hörspiel) wird dies sogar noch deutlicher, da es einige direkte Referenzen auf „Batman Begins“ gibt. Im Film werden die Narrows, Arkham als Teil der Narrows und ein Massenausbruch aus der Anstalt erwähnt, ebenso wie Jonathan Crane (Scarecrow) als ehemaliger Leiter des Asylums. Darüber hinaus ist Lucius Fox auch hier Batmans Waffenmeister und weiß, das Bruce Wayne sich unter der Maske verbirgt. Und, dies allerdings nur im Roman/Hörspiel, es wird explizit auf Batmans Ausbildung bei Ra’s al Ghul hingewiesen.
Ebenso gibt es einige Vorausdeutungen auf „The Dark Knight“, die zum Teil aber recht schwer zu erkennen sind. Die deutlichste ist wohl Salvatore Maroni, der in „The Dark Knight“ eine wichtige Rolle spielt. Maronis Rivale, der Russe, könnte aus einer frühen Drehbuchversion von TDK stammen, bei Nolan ist der zweitmächtigste Gangster der Tschetschene (vielleicht war Nolan und Goyer ein russischer Gangster zu gewöhnlich); und es wird angedeutet, dass es einen Bandenkrieg gab, dieser aber beendet wurde, da Batman den Gangstern schon genug Probleme bereitet.
Und schließlich wäre da noch Renee Montoya. Diese, ursprünglich aus „Batman: The Animated Series“ stammende, bei den Fans sehr beliebte Polizistin sollte ursprünglich in „The Dark Knight“ vorkommen, allerdings befürchtete man, dass es den Fans nicht gefallen würde, wenn Montoya als korrupter Cop dargestellt würde, weshalb man sie durch Anna Ramirez ersetzt. Auch in „Gotham Knight“ kam Ramirez vor und wirkte, mehr noch als in „The Dark Knight“, wie Montoya mit anderem Namen (nicht zuletzt, weil ihr Partner, wie in den Comics zu dieser Zeit, Crispus Allen war). Im Roman/Hörspiel ist sie jetzt ganz einfach wieder Renee Montoya.
Kommen wir nun zur eigentlichen Hörspielumsetzung. Gerade im Vergleich zu Oliver Dörings Star-Wars-Hörspielen fällt auf, dass vom Erzähler ausgiebig Gebrauch gemacht wird, für meinen Geschmack zu ausgiebig. Leider ist Gordon Piedesack als Erzähler auch nicht unbedingt die Idealbesetzung, er klingt irgendwie gelangweilt und unpassend. Sehr zufrieden bin ich dagegen mit Sascha Rotermund als Bruce Wayne/Batman. Am Anfang ist er zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber er findet sich schnell in die Rolle ein. Zwischen Bruce Wayne und Batman macht er einen deutlichen Unterschied, ohne es allerdings derartig zu übertreiben wie Christian Bale. Vielleicht wäre er sogar als Synchronsprecher für Ben Affleck im kommenden Batman/Superman-Film keine schlechte Wahl. Nichts gegen Peter Flechtner, Afflecks Stammsprecher, aber ich habe ziemliche Schwierigkeiten, ihn mir als Batman vorzustellen.
Die meisten anderen Sprecher sind eher funktional denn herausragend, wobei ich finde, dass Eva Michaelis nicht so recht zu Renee Montoya passt. Sehr gut gefallen hat mir dagegen Reent Reins als Comissioner Gordon. Jürgen Thormann schließlich akzeptiert man aus naheliegenden Gründen (und nach drei Filmen) problemlos sofort als Alfred.
Leider sind die Dialoge manchmal ein wenig hölzern geraten, dies macht das Hörspiel allerdings mit seiner sehr gelungenen Atmosphäre wieder wett. Alles in allem ist das Hörspiel wunderbar düster und ganz eindeutig nicht für Kinder geeignet – dafür sorgt schon allein, neben der Atmosphäre, die Anwesenheit von Killer Croc.
Fazit: Gelungener Auftakt der Batman-Hörspielreihe von Highscore mit kleinen Mankos – es ist also noch Steigerungspotential vorhanden.

Siehe auch:
Batman: Gotham Knight
Homepage des Labels Highscore

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