Man of Steel – Soundtrack

Man-of-Steel-OST-Cover
Tracklisting:

01. Look to the Stars
02. Oil Rig
03. Sent Here for a Reason
04. DNA
05. Goodbye My Son
06. If You Love These People
07. Krypton’s Last
08. Terraforming
09. Tornado
10. You Die or I Do
11. Launch
12. Ignition
13. I Will Find Him
14. This is Clark Kent
15. I Have So Many Questions
16. Flight
17. What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World?

Kein Komponist polarisiert so sehr wie Hans Zimmer. Angesichts der Anzahl an negativen Reviews zu Zimmer-Scores könnte der Eindruck entstehen, dass ich zu denjenigen zähle, die ihn rundheraus ablehnen und der Meinung sind, dass er das schlimmste ist, was der Filmmusik jemals passieren konnte. Dem ist allerdings keinesfalls so, denn viele seiner Arbeiten schätze ich wirklich sehr, u.a. „Der König der Löwen“, „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“, „Gladiator“, „King Arthur“ oder „Sherlock Holmes“, und „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ gehört sogar zu meinen absoluten Lieblingssoundtracks. Allerdings bin ich der Meinung, dass ihm seit „Sherlock Holmes“ nichts mehr gelungen ist. Sowohl „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ als auch „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ waren herbe Enttäuschungen, um nur zwei zu nennen.
Als angekündigt wurde, dass Zimmer die Musik zu „Man of Steel“ schreiben würde, war ich zwar enttäuscht, aber keinesfalls überrascht, denn irgendwie war es abzusehen, ist Zimmer doch seit „Batman Begins“ Chris Nolans Lieblingskollaborateur und, da gibt es kein Leugnen, nun einmal der Bekannteste und bei „normalen“ Kinogängern beliebteste seiner Zunft. Vom Man-of-Steel-Soundtrack habe ich schließlich eine dröge, minimalistische Mischung aus „Inception“ und „The Dark Knight“ erwartet, und traurigerweise ist genau das auch dabei herausgekommen. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass ich Zimmer nicht die Alleinschuld gebe (auch wenn es der Einfachheit im Folgenden so klingen mag), denn Nolan und Snyder sind beide dafür bekannt, eher Ambience-Scores, die in Richtung Sounddesign gehen, zu bevorzugen. Vor „Man of Steel“ schrieb Tyler Bates die Musik für Snyders Filme, und dessen Musik ist bestenfalls langweilig und schlimmstenfalls plagiiert.
Bevor ich mich nun dem eigentlichen Soundtrack widme, möchte ich eines noch gleich von vornherein klarstellen. Es geht nicht darum, dass Zimmer das Williams-Superman-Thema hätte verwenden sollen, denn von übereifrigen Verteidigern des Soundtracks wird einem zumeist zuerst vorgeworfen, man sei nur stinkig, weil Zimmer nicht das klassische Leitmotiv verwendet habe.
Unweigerlich drängt sich bei „Man of Steel“ (und auch bei Zimmers-Batman-Scores) die Frage auf, ob Zimmer keine Melodien mehr schreiben kann, will oder ob es ihm verboten wurde. Als Fan der Leitmotivik bin ich generell kein Freund von Ambience-Scores, und selbst für einen solchen ist „Man of Steel“ extrem minimalistisch. Dominiert wird das Ganze von Soundwällen á la „Inception“ und einer übermäßigen Verwendung von Percussions, beides sehr gut in Oil Rigs zu hören. Ebenso zu hören sind enorm tiefe Bässe und der übermäßige Einsatz von Synth-Elementen. Prinzipiell habe ich nichts gegen solche, allerdings setzt Zimmer sie in „Man of Steel“ derart exzessiv und unnötig ein, dass es zumindest mich ziemlich stört. Das geht soweit, dass er es schafft, dass der „echte“ Orchestereinsatz verdammt künstlich klingt. Man vergleiche nur die etwa dreißigminütige Suite Man of Steel (Hans‘ Original Sketchbook), die auf der Special Edition enthalten (und auf YouTube anhörbar) ist. Bei dieser handelt es sich um eine gesamplte Mock-up-Ideensammlung. Unglücklicherweise klingt das schon fast wie das fertige Produkt.
In Interviews gab Zimmer zu Protokoll, mit seiner Musik den amerikanischen mittleren Westen (speziell natürlich Kansas) darstellen zu wollen, allerdings höre zumindest ich absolut nichts davon heraus. Stattdessen vernimmt man in erster Linie Versatzstücke anderer Zimmer-Scores, v.a. „Inception“, die Dark-Knight-Trilogie und, in If You Love These People, merkwürdigerweise auch „Der König der Löwen“.
Thematisch gibt es zwar Material, dieses ist aber noch dröger und minimalistischer als in der Dark-Knight-Trilogie. Das Superman-Thema ist bereits in Look to the Stars zu hören und besteht zwar nicht nur aus zwei Noten, aber aus mehreren Zwei-Noten-Figuren – irgendwie scheint dieses Konzept es Zimmer angetan zu haben. Variation gibt es in jedem Fall kaum, wenn man davon absieht, dass das Thema hin und wieder vom Klavier gespielt wird und mich dabei irgendwie an Chariots of Fire erinnert (Sent Here for a Reason). Es gibt zwei ausführliche Statements des Themas in Flight und What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World?, die letztendlich an das heroische Bat-Zweitthema aus “The Dark Knight” erinnern (Like an Dog Chasing Cars). Allerdings besitzten diese Stücke nicht einmal dessen Qualitäten.
Es gibt möglicherweise auch noch weitere Themen, diese sind aber kaum als solche zu erkennen. Sie sind bedrohlichen Bläserfiguren am Ende von Krypton’s Last oder die Streichereinsätze in der Mitte von Terraforming Zods Thema? Man weiß es nicht. So etwas wie eine musikalische Narration gibt es praktisch nicht, und mehr noch als bei der Dark-Knight-Trilogie wird die emotionale Verbindung kaum ermöglicht (denn zu was ist Musik sonst da, wenn nicht, um Emotionen zu wecken). Und gerade „Man of Steel“ hätte das bitter nötig gehabt.
Fazit: Obwohl es zu erwarten war ist die Musik zu „Man of Steel“ eine gewaltige Enttäuschung, eine unausgegorene, minimalistische Mischung aus „The Dark Knight“ und „Inception“ und ein weiterer Tiefpunkt in Hans Zimmers Schaffen.

Siehe auch:
Man of Steel

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2 Kommentare zu “Man of Steel – Soundtrack

  1. Einfach so sagt:

    „The soundtrack can make or break a movie.“ – Vielleicht ist der Soundtrack ja einer der Gründe, warum MOS nicht so gut war, wie viele es gehofft hatten 😉

    • hemator sagt:

      In meinen Augen durchaus, ein guter Soundtrack kann einen Film besser machen und ein schlechter kann ihn runterziehen – wobei das natürlich in Bezug auf Musik immer etwas sehr subjektives ist. Dass der MoS-Soundtrack sehr simpel und minimalistisch ist, lässt sich nicht bestreiten, aber die Wirkung wird durchaus diskutiert. Die Musik zu „Man of Steel“ (und Zimmers Schaffen in den letzten paar Jahren) scheint vor allem den „normalen“ Kinogängern sehr zuzusagen (MoS ist da keine Ausnahme), während diejenigen, die sich intensiver mit Filmusik, Leitmotivtechnik etc. beschäftigen, mit ihr ziemliche Probleme haben.

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