Batman Adventures 22

Nostalgiereview
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Normalerweise rezensiere ich sehr ungern Einzelhefte (das „normale“ deutsche Einzelheft enthält zwei US-Ausgaben einer Serie), da sie doch vergleichsweise wenig Inhalt haben und oft nur Teil einer größeren Story sind, die man am besten am Stück bewertet. Warum mache ich also ausgerechnet für ein doch ziemlich obskures Heft wie Batman Adventures 22 eine Ausnahme? Ganze einfach: Es ist nicht nur mein erster Batman- oder Superheldencomic, es ist mein erster, eigener Comic überhaupt; er ist gewissermaßen mein Äquivalent zu Dagobert Ducks erstem Zehner.
Als ich ein Junge von sieben Jahren war (das war 1997, falls jemanden mein Alter interessiert), kam gerade Tim Burtons erster Batman-Film im Fernsehen, den ich zusammen mit meinen Eltern anschauen durfte und, was soll man sagen, ich war sofort begeistert. Irgendwann kurz darauf entdeckte mein Vater das Sujet dieses Reviews bei einem Zeitschriftenhändler und kaufte es mir. Dieses, mein erstes Superheldenheft, hinterließ einen mindestens ebenso bleibenden Eindruck wie „Batman“ und ich habe es als Kind heiß und innig geliebt (entsprechend sieht es inzwischen auch aus).
In der Tat war 1997 ein ziemlich gutes Jahr, um mit dem Comicsammeln anzufangen. Der Dino-Verlag hatte 1995 damit begonnen, die Heftserie The Batman Adventures, die Begleitcomics zu „Batman: The Animated Series“ herauszugeben. Diese lief sehr erfolgreich, weshalb Dino schon bald anfing, das Programm zu erweitern. Zuerst brachte der Verlag die Superman-Serien, dann die „normalen“ Batman-Serien, Justice League, DC vs. Marvel usw. Zuvor waren DC-Comics in Deutschland entweder in überteuerten Alben oder Paperbacks und oft auch nur mit eher zweifelhafter Druck- und Übersetzungsqualität erschienen (wer erinnert sich noch an so toll eingedeutschte Namen wie „Blitzschwalbe“ für Black Canary?).
Aber nun zum eigentlichen Heft: Batman Adventures 22 enthält US-The Batman Adventures Annual 1, also eine Spezialausgabe, die den doppelten Umfang eines US-Hefts besitzt. Es handelt sich dabei um eine Anthologie verschiedener kürzerer Geschichten, eingebettet in eine Rahmenhandlung, verfasst von Paul Dini, einem der beiden B:TAS-Serienschöpfer persönlich, und illustriert von mehreren Zeichnern. Die Illustrationen der Rahmenhandlung stammen von Bruce Timm, Serienschöpfer Nummer 2.
Am Anfang erinnert sich Batman, da im Fernsehen gerade über ihre Entlassung berichtet wird, an die Verhaftung der zur Diebin gewordenen, ehemaligen Stuntfrau Roxy Rocket, die extra für dieses Heft erfunden wurde und später ihren Weg in die Zeichentrickserie fand. Jede der folgenden drei kurzen Geschichten besteht aus einer Erinnerung Batmans an einen scheinbar rehabilitierten Schurken, der wieder auf die schiefe Bahn gerät.
„Puppenshow“ (illustriert von Mike Parobeck und Matt Wagner) ist dabei die längste. Im Mittelpunkt steht Arnold Wesker, der Bauchredner, der von einem rachedurstigen Fernsehstar dazu verleitet wird, mit seiner Puppe Scarface neue Verbrechen zu begehen.
„24 Stunden“ (Bruce Timme und Dan De Carlo) ist eher humoristischer Natur und kommt, bis auf einen einleitenden Kommentar von Alfred, nur mit den Worten „Och Menno“ aus. Auf vier Seiten wird Harley Quinn aus Arkham entlassen, vom Joker zu neuen Verbrechen angestiftet und schließlich Batman „geopfert“, damit er entkommen kann. Die Geschichte endet für Harley dort, wo sie begann: In Arkham.
„Hörsaal“ (gezeichnet von Klaus Janson) handelt von Scarecrow, der sich in seine Zeit als Dozent zurückversetzt, einem entführten Studenten von seinem Versuch, zur Normalität zurückzukehren erzählt und an ihm gleichzeitig experimentiert, bis Batman die Vorlesung beendet.
Schließlich kehren wir zurück zur Rahmenhandlung: Roxy Rocket scheint bereits rückfällig geworden zu sein, doch es stellt sich heraus, dass die Verbrechen, die Roxy angehängt werden, in Wahrheit von Selina Kyle alias Catwoman begangen wurden: Es kommt zur Konfrontation zwischen ihr, Batman und Roxy…
Batman Adventures 22 mag zwar nicht zu den großen Klassikern unter den Batman-Comics gehören, bietet aber eigentlich einen ziemlich guten Einstieg in die Welt des Dunklen Ritters, vor allem für einen Siebenjährigen, der mit anderen guten Einstiegspunkten oder Klassikern wie „Batman: Year One“ oder „The Killing Joke“ wohl geringfügig überfordert wäre. Durch den Anthologiecharakter des Heftes bekommt man einen guten Überblick über viele der wichtigen Schurken. Nebenbei wird auch gleich die gesamte Bandbreite der Zeichentrickserie abgearbeitet. „24 Stunden“ ist beispielhaft für die eher humoristischen Episoden („Harleys Holidays“ hat sogar eine ähnliche Thematik), die Rahmenhandlung ist ziemlich actionhaft, während „Hörsaal“ ziemlich düster ist. Und dann wäre da noch „Puppenshow“ – als Kind mochte ich diese Geschichte am wenigsten, während der Showdown zwischen Roxy, Catwoman und Batman mein Lieblingsteil des Heftes war, heute allerdings denke ich, dass „Puppenshow“ in der Tat der beste Teil des Heftes ist, da gerade diese Geschichte sehr schön in der Tradition von TAS-Folgen wie „Heart of Ice“ oder „Two-Face“ steht und die tragische Seite des Schurken betont. Wie auch die Serie insgesamt wandelt dieses spezielle Heft auf dem schmalen Grad zwischen noch kindgerecht auf der einen Seite und trotzdem ziemlich düster und erwachsen auf der anderen.
Zeichnerisch orientiert sich das Heft natürlich vor allem am B:TAS-Stil – kein Wunder, wurde ein Großteil davon ja von Bruce Timm, dem Erfinder dieses Stils, illustriert. Mike Parobeck und Matt Wagner (Letzterer schrieb und zeichnete später die gelungenen Batman Miniserien „Batman und die Monstermänner“ und „Batman und der rote Mönch“) imitieren den TAS-Stil ziemlich genau, während Klaus Jansons Zeichnungen zwar ebenfalls angepasst sind, sich aber zugleich ein wenig von Timm entfernen und detailreicher und düsterer sind.
Fazit: Kein „offizieller“ Meilenstein der Batman-Comic-Geschichte, aber ein privater. Auch nach all den Jahren ist Batman Adventures 22 nach wie vor ein äußerst solides Heft, das einen optimalen Einstieg in die Welt des Dunklen Ritters ermöglicht und nach wie vor einen besonderen Platz in meinem Herzen einnimmt.

Siehe auch:
Batman 2

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2 Kommentare zu “Batman Adventures 22

  1. Robin Urban sagt:

    Batman Adventures habe ich tatsächlich nie gelesen. Aber ich glaube fast, mein erstes Comic fiel auch in das Jahr 1997. Nur war ich da fünf Jahre älter als du -.-

    Ich glaube, ich werde zuhause, wo leider der Großteil meiner Sammlung rumfliegt, mal danach stöbern. Dann werde ich meinem ersten Comic auch mal einen Beitrag widmen. Du inspirierst 🙂

    • hemator sagt:

      Ich werde auf jeden Fall noch das eine oder andere meiner ganz frühen Hefte reviewen, vielleicht finden wir da ein gemeinsames.
      Freut mich auf jeden Fall, dass ich inspiriere 🙂 In guten alten Zeiten kann man nie genug schwelgen.

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