Evil Dead

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Story: Die kokainsüchtige Mia (Jane Levy) möchte einen finalen Entzug machen und wird deshalb von ihren Freunden Eric (Lou Taylor Pucci) und Olivia (Jessica Lucas), ihrem Bruder David (Shiloh Fernandez) und dessen Freundin Natalie (Elizabeth Blackmore) in eine alte Hütte in den Wald begleitet. Im Keller finden die Freunde das Naturom Demonto, ein seltsames, in Menschenhaut gebundenes Buch, aus dem Eric unglücklicherweise laut vorliest. Kurz darauf rennt Mia, scheinbar wegen des Entzugs, in den Wald und wird angegriffen. Zwar schafft sie es, in die Hütte zurückzukehren, doch schon bald wird klar: Etwas abgrundtief Böses treibt sein Unwesen und es hat von Mia Besitz ergriffen…

Kritik:
Bei „Evil Dead“ handelt es sich um ein Quasi-Remake von Sam Raimis Kultfilm „The Evil Dead“ (deutscher Titel: „Tanz der Teufel“, bis heute hierzulande nach wie vor indiziert), der heutzutage zu den Klassikern des Genres gehört und den ich kurz nach dem Kinobesuch erstmals angeschaut habe, um diesen Artikel schreiben zu können.
Remakes von bekannten Horrorfilmen sind dieser Tage nun wahrlich keine Seltenheit, und in den meisten Fällen können sie nicht nur mit dem Original nicht mithalten, sondern sind schnell und billig gemacht und enttäuschen auf ganzer Linie. Bei „Evil Dead“ sieht es allerdings ein wenig anders aus: Zwar stand Raimi nicht selbst hinter der Kamera (diese Aufgabe übernahm der Newcomer Fede Alvarez), allerdings arbeitete er am Drehbuch mit und produzierte das Remake zusammen mit Bruce Campbell (Hauptdarsteller des Originals) und Robert Tapert (Produzent des Originals). In der Tat ist „Evil Dead“ nicht nur ein Remake, sondern in gewissem Sinne auch eine Fortsetzung und ein Reboot. Die Handlung des Films folgt im Großen und Ganzen der des Originals: Teenager in einer Waldhütte erwecken versehentlich einen Dämonen, der nach und nach Besitz von ihnen ergreift, bis nur noch einer übrig ist. Ebenso sind viele inszenatorische, dramaturgische und stilistische Elemente nach wie vor vorhanden: Das Naturom Demento (in den Sequels des Originals später, in Anlehnung an H. P. Lovecraft, Necronomicon ex Mortis genannt), die Baumvergewaltigung, das vom Dämon besessene Mädchen, das unter dem Fußboden gefangen ist, die Kamerafahrten aus der Sicht des Bösen, die Kettensäge etc.
Allerdings sind die Teenager, die in die Hütte fahren, völlig neue Figuren (wohl auch, weil man sich davor fürchtete, eine Kultfigur wie Ash neu zu casten) und es gibt einige Verweise darauf, dass die Ereignisse von „The Evil Dead“ dreißig Jahre vor der Filmhandlung stattgefunden haben. Wenn man den Produzenten glauben darf, gibt es Pläne, beide Evil-Dead-Filme (bzw. Filmreihen) miteinander zu verschmelzen.
Trotz aller Gemeinsamkeiten gibt es allerdings auch viele Unterschiede zum Original. Von der klassischen Evil-Dead-Trilogie ist „The Evil Dead“ zwar noch der eindeutigste Horrorfilm, die anderen beiden arbeiten stärker mit Humor und werden immer absurder, aber dennoch ist schon der erste Film mitunter reichlich albern und, um mal ehrlich zu sein, nicht besonders gut gealtert. 1981 mag er wegen seiner für damalige Verhältnisse äußerst expliziten Szenen schockierend gewesen sein, heute wirkt er ziemlich altbacken und ungruselig (anders als zum Beispiel „Alien“ oder „Der Exorzist“, die beide nichts von ihrer Schockwirkung eingebüßt haben). Für „Evil Dead“ entledigte man sich vieler der eher albernen Einlagen und erschuf eine völlig neue Atmosphäre: Das Remake ist sehr intensiv, sehr dreckig und selbst für heutige Verhältnisse äußerst hart (man wundert sich schon gelegentlich, dass die FSK ihm ungeschnitten die Ab-18-Freigabe verliehen hat). Gerade die Atmosphäre ist die größte Stärke des Films, Ambiente, Make-up und Effekte (alles ohne CGI) sind rechtschaffen grauenerregend. Gerade weil alles ohne Computereffekte auskommt, sind die entsprechenden Szenen äußerst schmerzhaft. Die Besessenen sind eklig und furchteinflößend – man entfernte sich von den eher Romero-Zombieartigen „Deadites“ des Originals und orientierte sich ein wenig an „Der Exorzist“ (zusätzlich zu den für Sith-Lords typischen rot-gelben Augen). Hinzu kommen einige wirklich fiese Jump Scares, unangenehme Verstümmelungen und anderweitig widerliche Einlagen. Auf gewisse Weise sind Teile des abgedrehten Humors nach wir vor vorhanden, allerdings in extrem schwarzer und makaberer Form. Vor allem das Finale ist derartig überzogen, dass man es kaum ernst nehmen kann.
Der Anlass der ganzen Ereignisse hat sich ebenfalls verändert: Während die Teenager im Original praktisch einfach so die Hütte besuchten, ist mit Mias Entzug dieses Mal ein handfester Grund gegeben. Mia ist auch die mit Abstand interessanteste Figur, und Jane Levy (v.a. bekannt aus der Sitcom „Suburgatory“) liefert auch die beste schauspielerische Leistung. Die restlichen Charaktere sind zwar dreidimensionaler als die des ursprünglichen Films, aber im Großen und Ganzen doch recht langweilig. Natalie beispielsweise hat praktisch keinerlei Eigenschaften, sagt kaum zwei Sätze und ist eigentlich nur dazu da, eines äußerst unschönen Todes zu sterben – eben genretypisch. Allgemein sind die Klischees ein weiteres Manko des Films; den Twist darum, wer nun der eigentliche Protagonist des Films ist einmal ausgenommen hält sich „Evil Dead“ sehr eng an die Genrevorgaben, die erst letztes Jahr in „The Cabin in the Woods“ auf amüsante Weise hinterfragt wurden. Man fragt sich schon hin und wieder, wie blöd die Protagonisten eigentlich sind. In diesem Genre muss man damit wohl allerdings leben. Als äußerst harter Horrorfilm, bei dem was „Wie“ und nicht das „Was“ wichtig ist, weiß „Evil Dead“ dann durchaus auch zu überzeugen, allerdings trotz und nicht wegen der Klischees – unweigerlich drängt sich der Gedanke auf, dass da noch mehr drin gewesen wäre.
Fazit: Äußerst intensiver und blutiger Schocker, der eindeutig nichts für schwache Nerven oder Mägen ist (der Autor dieses Artikels warnt schon vor dem Trailer). „Evil Dead“ schafft es nicht, mit Genrekonventionen zu brechen und bedient viele Klischees, ist aber dennoch ein gelungener Albtraumtrip.

Trailer

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