GoT: The Bear and the Maiden Fair

season 3
In jeder GoT-Staffel gibt es eine Episode, die von George R. R. Martin selbst verfasst wurde. Vor allem nach Staffel 2 – Martin war hier für die Folge „Blackwater“ verantwortlich, in meinen Augen nach wie vor die beste Einzelepisode – waren die Erwartungen die Martin-Episode in Staffel 3 relativ hoch. Man hätte erwarten können, dass Martin abermals den (voraussichtlichen) Staffelhöhpunkt verfassen würde, angesichts der Aussagen, die Martin über das Schreiben des Rote-Hochzeits-Kapitels gemacht hat, ist es allerdings nachvollziehbar, dass er sich stattdessen für eine andere Episode entschieden hat. Allerdings ist anzumerken, dass einige Szenen noch kurzfristig umverteilt wurden, es ist also schwierig zu sagen, wie viel Martin wirklich selbst geschrieben hat.

Südlich der Mauer
Die Wildlinge und Jon befinden sich nun südlich der Mauer, es geht allerdings in etwa so weiter wie vor dem Aufstieg: Ygritte macht sich über Jon und die Gebräuche südlich der Mauer lustig, um damit ihre Unwissenheit zu überspielen (von wegen „You know nothing, Jon Snow“) und die Feindschaft zu Orell (der, nebenbei bemerkt, in den Romanen zu diesem Zeitpunkt schon relativ lange tot ist) wächst weiter. Jon nimmt es ihm selbstverständlich übel, dass er ihn während des Aufstiegs abschneiden wollte, während wir nun, in einem Dialog zwischen Orell und Ygritte, erfahren, dass der Warg es auf sie abgesehen hat.
Derweil schleicht der Bran-Handlungstrang ebenfalls relativ langsam weiter, im Gegensatz zu Theon (siehe unten) ist hier die Schuld allerdings bei der Vorlage zu suchen. Oshas Abneigung gegenüber den Reeds wächst weiter und sie erläutert ihren Hintergrund, der wohl direkt von Martin kommt. In einem Interview gab Martin einmal zu Protokoll, dass ihm die von Natalia Tena dargestellte Osha weitaus besser gefällt als die ursprüngliche Romanfigur, weshalb er wohl ihren Hintergrund erweitert hat.

Auf dem Weg zu den Twins
Robb zieht samt Gefolge zu den Twins, um Walder Frey seine Entschuldigung zu überbringen und der Hochzeit seines Onkels beizuwohnen. Dabei überrascht die Anwesenheit des Blackfishs und Talisas – im Roman bleiben beide (bzw. der Blackfish und Talisas Gegenstück Jeyne Westerling) zurück und sind deshalb von der Roten Hochzeit nicht betroffen. Nachdem Catelyn, Brynden und Edmure das Zelt des Königs des Nordens verlassen haben, geben sich König und Königin ihrer Zweisamkeit hin. Wirklich interessant ist allerdings das Gespräch danach, das viele Rätsel aufgibt. Talisa verkündet, sie sei schwanger (im Buch gibt es lediglich sehr vage Andeutungen und Fanspekulationen), schreibt einen Brief an ihre Mutter (nach eigener Aussage) und verhält sich allgemein ein wenig merkwürdig. Das lädt zu vielen weiteren Spekulationen ein. Wird Talisa bei der Roten Hochzeit anwesend sein und wird sie dasselbe Schicksal ereilen wie ihren hohen Gemahl, wodurch die Tragödie noch größer wird? Oder spielt sie ein doppeltes Spiel – in den Romanen wird angedeutet, dass bei Robbs Hochzeit keineswegs alles so zugegangen ist, wie es schien? Schreibt Talisa wirklich an ihre Mutter? Die Person, die in Staffel 3 bisher die meisten Briefe geschrieben hat, war Tywin Lannister…

King’s Landing
Im Gespräch mit Margaery setzt sich Sansa mit der neuen Situation auseinander, wobei sich unweigerlich die Frage stellt, ob Sansas Selbsteinschätzung, sie sei ein dummes Mädchen zutrifft, denn alles, was Margaery ihr in dieser Szene erzählt, müsste sie eigentlich selbst wissen. Spielt Sansa nur die naive oder dient dieses Gespräch lediglich dazu, Exposition unterzubringen und den Zuschauer noch einmal daran zu erinnern, in welcher Situation sie sich befindet? Jedenfalls erscheint das Ganze recht überflüssig. Auch Tyrion setzt sich mit seinem Schicksal auseinander und berät sich mit Bronn, allerdings wird auch hier lediglich Bekanntes wiederholt. Ebenso gibt es im Dialog mit Shae es kaum etwas Neues.
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Tywin (Charles Dance) berät seinen Enkel (Jack Gleeson)

Viel interessanter ist da die erste Konfrontation zwischen Joffrey und Tywin, die sich realtiv interessant gestaltet, nicht zuletzt durch die Kameraperspektiven und die Körpersprache der beiden Schauspieler. Durch beides wird eindeutig, wer eigentlich der mächtigere Mann ist. Bemerkenswerterweise ist Joffrey dieses Mal sogar relativ vernünftig und seine Argumente haben durchaus Gewicht: Als guter König sollte er an den Ratssitzungen teilnehmen und Daenerys ist durchaus ein Faktor, den zu bedenken es gilt. Dennoch ist es einfach schön anzusehen, wir Tywin seinen Enkel subtil niedermacht.

Yunkai
Gemeinsam mit ihren Unbefleckten und ihren ritterlichen Ratgebern erreicht Daenerys die nächste Stadt der Slaver’s Bay: Yunkai. Inzwischen hat die Mutter der Drachen, als Resultat ihres eigenen „Verkaufs“ an Khal Drogo und der Dinge, die sie in Astapor erlebt hat, eine absolute Abneigung gegen Sklaverei entwickelt und gedenkt, auch Yunkai einzunehmen.
Anders als im Buch empfängt Daenerys nicht zuerst die Söldner, die von den Yunkaii zur Verteidigung der Stadt angeheuert wurden, sondern einen Vertreter der Weisen Meister, der Herren von Yunkai. Der Vertreter besagter Herrscher, Razdal mo Eraz (George Georgiou, in der Serie wurde die Figur umbenannt, im Roman heißt sie Grazdan mo Eraz) ist weit höflicher als Kraznys mo Naklos, wenn auch auf andere Weise herablassend. Was folgt, ist eine der besten Daenerys-Szenen. Nachdem sie Staffel 2 damit zugebracht hat, ihre Drachen zu suchen, bekommt sie in Staffel 3 einen königlichen Moment nach dem anderen. Die Szene ist äußerst gelungen gestaltet, die Drachen sehen besser aus denn je und werden von Daenerys, die sich nun absolut nichts mehr gefallen lässt, während der Verhandlungen sehr geschickt eingesetzt.
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Daenerys (Emilia Clarke) und Drogon empfangen den Botschafter aus Yunkai

Auf dem Weg nach Dragonstone
Melisandre und Gendry befinden sich auf dem Weg zu Stannis und segeln dabei an King’s Landing vorbei (ist das wirklich die logischste Route?). Diese Szene könnte ebenfalls den Eindruck erwecken, es handle sich nur um Expositionsdialog, um den unbedarften Zuschauer noch einmal daran zu erinnern, wer Gendry eigentlich ist. Dennoch mag ich sie äußerst gern, was vor allem an der Musik liegt: Als Melisandre Gendry erklärt, wer sein Vater erklingt, zum ersten Mal in dieser Staffel, eine gänsehauterregende Variation des Baratheon-Themas. Herrlich! Nebenbei erzählt Melisandre etwas aus ihrer Vergangenheit, das in den Romanen erst in ihren POV-Kapiteln in „A Dance with Dragons“ enthüllt wird.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Arya ist immer noch wütend darüber, dass Beric und Thoros Gendry verkauft haben, flieht bei einem bevorstehenden Lannisterangriff und wird von Sandor Clegane aufgegriffen. Abermals wird deutlich, wie stark der Arya-Handlungsstrang reduziert wurde, u.a. fehlt der Geist von High Heart, ebenso wie die Tapferen Kameraden, die bei Aryas Flucht eine Rolle spielen. In der Episode wirkt besagte Flucht geradezu schlampig inszeniert: Arya rennt aus dem Lager und läuft Sandor in die Arme – anscheinend stellt die Bruderschaft nicht allzu viele Wachen auf.

In der Folterkammer
Vermutlich denkt Theon beim Erwachen, dass er sich im falschen Film befindet: Zwei schöne Frauen machen ihn los und nehmen sich seiner an. Das erinnert sehr an den Anfang eines Pornos, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, da Ramsays Tröte ertönt. Nachdem er Theon gezeigt hat, was er nie wieder genießen wird, macht er sich an die Kastration.
Die Folter, der Theon unterzogen wird, erreicht nun ihren Höhepunkt und gibt Anlass, noch einmal wenig über diesen Handlungsstrang nachzudenken. Wie bereits mehrfach erwähnt taucht das Ganze im Buch nur in Form von Erinnerungen auf, über zwei Folgen hinweg ist der Leser über Theons Schicksal völlig im Unklaren, bis er in „A Dance with Dragons“ wieder auftaucht, bereits als völlig gebrochener Mann, der aussieht wie ein Greis. In der Serie dagegen wird Theons Leidensweg gezeigt, und in jeder Episode steigert sich die Folter. Zuerst erfolgt sie vor allem psychologisch: Ramsay erlaubt seinem Opfer die Flucht, tut, als käme er von Yara, nur um Theon dann wieder einzusperren und so seine Hoffnung zunichte zu machen. Dann wird er (vor allem) körperlich gefoltert, Ramsay zieht ihm die Haut vom Finger ab, bis er darum bettelt, Ramsay möge ihm den Finger abschneiden. In dieser Folge wird auf beide Arten gefoltert, damit Theon endgültig bricht. Die Kastration wird im Buch, ähnlich wie Renlys Sexualität, nur angedeutet (wenn auch recht eindeutig).
Wenn man die Rezeption der Theon-Handlung von Nichtbuchlesern verfolgt, findet man heraus, dass diese in der Tat nicht so recht wissen, was sie aus dem Ganzen machen sollen und wo es hinführt. Ich sehe ebenfalls einige Probleme, da sich Theons Folter, ausgehend von den Romanen, noch etwa eine bis eineinhalb Staffeln weiterziehen würde. Bereits jetzt ist das Ganze zu ausgedehnt, über eine weitere Staffel lässt sich die Folter oder das Rätsel um die Identität des Folterers nicht strecken – immerhin soll jeder Handlungsstrang bis zum Ende der Staffel so etwas wie eine Auflösung erfahren (in diesem Fall wohl die Identität Ramsays). Meine Theorie bezüglich der Weiterführung dieses Handlungsstrangs: Handlungsteile von „A Dance with Dragons“ werden wahrscheinlich bereits in der vierten Staffel zu sehen sein. Da die Rote Hochzeit in Folge 9 dieser Staffel stattfindet, kann Roose Bolton bereits im Anschluss nach Norden reisen; die Theon-Handlung des fünften Bandes lässt sich weitaus besser ausdehnen als die Off-Screen-Folter.

Harrenhal
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gewndoline Christie) in der Bärengrube

Jaime und Brienne verabschieden sich voneinander, beide in dem Wissen, was Locke mit Brienne machen wird, sobald Jaime und Roose Bolton nicht mehr da sind. Was Brienne allerdings am meisten zu schaffen macht, ist die Frage, ob ihr Schwur eingehalten wird. An diesem Abschied zeigt sich auch sehr schön, dass sie den Königsmörder inzwischen respektiert, da sie ihn mit Namen und Titel anspricht.
Jaime macht sich, in Begleitung einiger Bolton-Männer und des abtrünnigen Maesters Qyburn auf den Weg nach King’s Landing. Sowohl Anton Lesser in der Rolle von Qyburn als auch der Austausch zwischen ihm und Jaime, bei dem wir bereits einiges über die Hintergründe des Ex-Maesters erfahren, empfinde ich als äußerst gelungen. Ein weiteres Mal ist der Jaime/Brienne-Handlungsstrang das Highlight einer Folge.
Qyburn teilt Jaime mit, dass seine Saphirlüge Brienne zwar vor der Vergewaltigung gerettet haben mag, sie aber nun teuer zu stehen kommt, was Jaime wiederrum dazu veranlasst, nach Harrenhal zurückzukehren. Da Locke das Lösegeldangebot ihres Vaters als zu niedrig erachtet, spielt er mit ihr stattdessen lieber The Bear and the Maiden Fair nach und stellt sie einem wilden Bären gegenüber. Die Szene ist äußerst intensiv gestaltet, die Rettung Briennes extrem gut gelungen. Der Höhepunkt sind zweifelsohne Jaimes Abschiedworte an Locke und das was darauf folgt: Eine epische Variation des Rains-of-Castamere-Themas, das hier zum ersten Mal für Jaime erklingt (bisher galt es entweder Tywin, Tyrion oder Cersei) – schon das zweite Mal, dass eine Version von The Rains of Castamere als Abspannmusik für eine Martin-Episode verwendet wird.

Fazit: Unter Anbetracht der Tatsache, dass Martin selbst für diese Episode verantwortlich ist, ist „The Bear and the Maiden Fair“ fast eine Enttäuschung, vor allem nach der genialen Blackwater-Episode. Sie ist nicht wirklich schlecht, hat aber einige Probeleme, vor allem die unnötig erscheinenden Füllszenen. Allerdings versöhnt der vollauf gelungene Schluss wieder mit der Folge.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3