Breaking Dawn

Breaking_Dawn_Part_2_Poster
Story: Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) heiraten nach ewigem Hin und Her endlich und gehen in die Flitterwochen. Doch die äußerst zerstörerische Hochzeitsnacht hat Folgen: Bella ist schwanger. Und da Edward ein Vampir ist (wird zumindest behauptet), zehrt das Ungeborene von der Lebenskraft seiner Mutter und droht sie zu töten. Die Cullens und Werwolffreund Jacob (Taylor Lautner) tun alles, um die werdende Mutter zu retten und sind natürlich erfolgreich. Das Kind wird gerettet, Bella im letzten Moment in einen Vampir verwandelt und eigentlich könnte jetzt alles herrlich sein. Allerdings ist besagtes Kind (Mackenzie Foy), das den dämlichen Namen Renesmee trägt, ein Mensch-Vampir-Hybrid und als solcher erweckt es die Aufmerksamkeit von Aro (Michael Sheen) und den Volturi, weshalb die Cullens munter andere Vampire rekrutieren, um den Volturi entgegen treten zu können…

Kritik: Das letzte Kapitel der Twilight-Saga ist nun, da „Breaking Dawn Teil 2“ auf DVD erschienen ist, nun endlich abgeschlossen, und ich hoffe inständig, dass es auch dabei bleibt und die Fortsetzungs- und Spin-off-Gerüchte sich als falsch herausstellen. Der Komplettheit halber werde ich nun beide Teile von „Breaking Dawn“ zusammen rezensieren und hoffe, dass ich mich danach nie wieder mit Stephenie Meyers „Magnum Opus“ beschäftigen muss.
Da die Twilight-Saga nicht hinter der Harry-Potter-Reihe herhinken sollte, beschlossen die Verantwortlichen, auch diese Verfilmung zweizuteilen. Während dies im Fall von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ allerdings durchaus Vorteile brachte, sorgt diese Entscheidung bei „Breaking Dawn“ dafür, dass die ganze Angelegenheit noch öder ist, als sie es ohnehin schon gewesen wäre. Vor allem Teil 1 ist unglaublich zäh und hätte problemlos auf eine halbe Stunde eingedampft werden können. Alles ist so, wie man es erwarten würde: Viel Kitsch, ein paar schöne Landschaftsaufnahmen und die Geburt des Hybridkindes als Höhepunkt. Zugegebenermaßen ist diese Szene für Fans des Franchise vielleicht sogar ein wenig zu viel und besitzt, obwohl eigentlich recht wenig gezeigt wird, eine nicht zu leugnende Intensität. Aber ansonsten ist „Breaking Dawn Teil 1“ zusammen mit „New Moon“ wahrscheinlich der langweiligste Film der Reihe.
„Breaking Dawn Teil 2“ ist dagegen in der Tat interessant. Nicht gut, aber interessant. Denn während bei der Adaption der ersten Hälfte des Buches relativ klar ist, auf was das Ganze hinauslaufen muss und was als dramatischer Höhepunkt fungiert, könnte ich mir vorstellen, dass Regisseur und Drehbuchautor bei Teil 2 vor einer ziemlichen Herausforderung standen. Denn so etwas wie eine Endschlacht, ein Finale oder auch nur einen emotionalen Höhepunkt besitzt der vierte Twilight-Roman schlicht nicht. Viele Vampire versammeln sich, reden und ziehen dann wieder ab. Es steht praktisch nichts auf dem Spiel, die Konflikte lösen sich alle von selbst durch eine von Alice herbeigezauberte Deus ex Machina. Und was schon in einem Roman grenzwertig ist, ist in einem Film, der möglichst ein breites Publikum erreichen soll, ziemlich undenkbar. Wenn man aber freier adaptiert, steigen einem die Fans aufs Dach. Die Lösung, die Regisseur Bill Condon und Team gefunden haben, ist ebenso gewitzt wie dämlich. Im Roman baut Meyer quasi eine Schlacht auf, beide Seiten rekrutieren ihre Krieger, man trainiert, Bella lernt sogar kämpfen, aber die Schlacht, auf die alles hinauszulaufen scheint, bleibt aus. Im Film findet die Schlacht statt, ist aber letztendlich nur eine Vision, die Alice hat und die sie Aro zeigt, was diesen zusätzlich zur Deus ex Machina in Form eines anderen Halbvampirs davon überzeugt, wieder abzuziehen. Gewitzt ist diese Änderung, weil das Ganze so ein Finale bekommt; die Schlacht, auf die hingearbeitet wird, findet statt, aber letztendlich wird der Schluss nicht wirklich geändert. Dämlich ist sie, weil das Kernstück des Films, der emotionale Höhepunkt, etwas ist, was nicht wirklich passiert und darüber hinaus nur von zwei Personen überhaupt wahrgenommen wird. Die Reaktionen der Leute, die nur die Filme gesehen, aber nicht die Bücher gelesen haben, spricht diesbezüglich Bände.
Zugegebenermaßen ist die Schlacht selbst allerdings wirklich nicht von schlechten Eltern. Zwar ist sie irgendwie dämlich und völlig übertrieben, aber dafür eindeutig die amüsanteste und unterhaltsamste Szene der gesamten Reihe und, zumindest für Twilight-Verhältnisse, ziemlich intensiv und grausam. Zwar gibt es natürlich nach wie vor kein Blut, aber es werden Köpfe abgerissen, Leichen verbrannt, die Choreographie ist sehr ansehnlich und die Action durchaus innovativ. Michael Sheen untermauert das Ganze noch, in dem er völlig in seinem Overacting aufgeht (offenbar nimmt er weder seine Figur noch die Filmereihe an sich in irgendeiner Form ernst; und eine willkommene Abwechslung zum Minimalspiel von Stewart und Pattinson ist es allemal) und Geräusche von sich gibt, gegen die Voldemorts Lachen in „Die Heiligtümer des Todes Teil 2“ dezent und normal wirkt.
Mit Vampiren oder gar Horror hat das Ganze freilich praktisch überhaupt nichts mehr zu tun. Mehr noch als im Roman erinnert die Rekrutierung der Verbündeten der Cullens (jeder Vampir verfügt über eine spezielle Gabe) viel eher an die X-Men als an Vampire. Allgemein scheint die Springerei, Fliegerei und mit Supergeschwindigkeit Rennerei eher zu einem Supermanfilm zu passen. Und über den Umstand, dass Bellas spezielle Gabe quasi das gesamte Konzept des Vampirs als Protagonist ad absurdum führt, habe ich ja an anderer Stelle bereits geschrieben.
Der Rest ist eigentlich typisch Meyer’sche Handlungskonstruktion und Twilight-Saga im Allgemeinen: Es tauchen haufenweise neue Figuren auf, die letztendlich keinen Zweck haben und am Ende gibt es ein absolutes Happy-End, das derartig kitschig ist, dass der Epilog aus „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ dagegen fast schon akzeptabel ist – letztendlich musste niemand irgendetwas opfern (mit Ausnahme einer Vampirfamilie, die ein Mitglied verliert – waren diese blonden Vampire in einem von den Vorgängern?), die Figuren haben sich trotz allem auch nicht weiterentwickelt und jeder kriegt praktisch was er will; außer den Volturi, versteht sich. Die Animationen sind meistens eher mäßig, der Werwölfe sehen nach wie vor ziemlich bescheiden aus und Rennesmee als Baby in höchstem Maße merkwürdig.
Erwähnenswert ist noch, dass Carter Burwell dieses Mal alle Register zieht und „Breaking Dawn Teil 2“ einen wirklich guten Soundtrack verpasst.
Fazit: Während der erste Teil der Adaption von „Breaking Dawn“ so öder wie nur vorstellbar ist, ist Teil 2 zwar weit davon entfernt, ein guter Film zu sein, allerdings ist er der beste und unterhaltendste der Serie. Dennoch kommt er mir wie eine Verschwendung vor, eine Verschwendung von Michael Sheen, eines guten Soundtracks und einer guten Action-Szene. Bill Condon ist nun wirklich kein schlechter Regisseur, aber bei dieser Vorlage gibt es kaum etwas zu retten. Ich denke, wir wären letztendlich alle glücklicher, wenn man Bill Condon einen Superheldenfilm inszenieren lassen würde, dafür scheint er Talent zu haben.

Trailer Teil 1
Trailer Teil 2

Siehe auch:
Twilight – Bi(s) zum Erbrechen
New Moon
Eclipse

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9 Kommentare zu “Breaking Dawn

  1. Robin Urban sagt:

    Es ist ein Genuss, einen solchen Verriss von dir zu lesen :mrgreen:

  2. nerdbarbie sagt:

    „…und Rennesmee als Baby in höchstem Maße merkwürdig.“ <- meine mit Mutterglück vollgepumpte Freundin fand das Baby süß. So gruselig können Hormone sein. xP

    Ansonste habe ich deiner Rezension nichts hinzuzufügen, ich empfand das alles exakt genau so.
    Ach doch, eins noch: Ich hoffe auch, dass nie wieder ein neuer Twilight-Film die Leinwand beschmutzt. Oder besser…Meyer-Verfilmungen generell.

    • hemator sagt:

      Nicht nur du. Ich hoffe ja, dass die Kinoadaption von Meyers Anschlag auf das Sci-Fi-Genre (den ich mir weder in Buch- noch in Filmform antun werde), gnadenlos floppt.

  3. Lasse Vogt sagt:

    Ich hab den Film sogar im Kino gesehen – und mich köstlich amüsiert. Ich kaufe mir den sowas von auf DVD. Der Film ist so dämlich, doof und furchtbar, dass man einfach nur lachen kann, dazu noch so größenwahnsinnig, aber Michael Sheen ist so der Hammer! Wie es schon Noah Antwiler sagte: He does not give a Fuck! Er ist so wunderbar, wie er das alles überhaupt nicht ernst nimmt und einfach tut, was er will. Er macht diesen Film erst sehenswert. Aber auch bei Soundtrack und Action stimme ich dir zu (die grauenvollen Songs zählen da natürlich nicht). Du deckst alles erwähnenswerte im Film ab, stimme dir soweit zu. Ich werde jedenfalls noch viel Spaß mit diesem dummen Film haben, er ist – wie fast die gesamte Reihe – ein Paradebeispiel für einen schlechten Film, an dem man verzweifeln, mit dem man aber auch Freude haben kann.

    • hemator sagt:

      Dem ist eigentlich kaum noch etwas hinzuzufügen 🙂

      • Lasse Vogt sagt:

        Vielen Dank. Und was ich schon lange sagen wollte: Tolle Seite, ich bin ein großer Fan und finde, du schreibst echt gute Reviews, sowohl für Soundtracks als auch für Filme. Ich verstehe nicht, wie du dich als „Laie“ im Bereich Musik bezeichnen kannst, deine Texte klingen so professionell! Ich schreibe ebenfalls Soundtrack-Kritiken (aber öfter Film-Review, auch in der Form von Videos) und finde es echt knifflig. Aber deine lesen sich echt gut. Weiter so, ich kann auch den dritten Teil deines Hobbit-Textes nicht erwarten!

  4. hemator sagt:

    Das liest man natürlich außerordentlich gerne (und das ist noch untertrieben).
    Ein Laie im Bereich Musik bin ich, weil ich weder Noten lesen kann noch ein wirklich musikalisches Gehör habe (mir fällt es zum Beispiel meistens sehr schwer herauszuhören, ob etwas Moll oder Dur ist). Deswegen habe ich mich auf Leitmotive spezialisiert (die kann ich nämlich ziemlich gut heraushören) und alles andere…nun, wenn man sich jahrelang intensiv mit Fillmusik beschäftigt, sammelt man schon Erfahrungen 😉
    Der dritte Teil vom Hobbit kommt auf jeden Fall, bevor die DVD/BD erscheint. Und da noch eine Special Extended Edition ansteht, gibt’s auch noch einen vierten.

    • Lasse Vogt sagt:

      Cool. Alles klar. Jetzt verstehe ich deine eigene Einstufung besser. Viel Glück weiterhin mit deinen Texten, ich freue mich, bald wieder etwas neues zu lesen.

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