Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Live in Concert

liveconcert
Nachdem ich schon die Gelegenheit verpasst hatte, die „Lord of the Rings Symphony“ anzusehen und zu -hören, als diese in Stuttgart war (und ich weiß nicht einmal mehr, weshalb), war es natürlich absolut undenkbar, diese spezifische Veranstaltung auszulassen. Das Format „Live to Projection“, bei dem ein Film gezeigt wird, zu dem ein Orchester, wie der Name schon sagt, live die Filmmusik spielt, wird immer beliebter. Mit seinem üppigen, epischen, bewegenden und vielschichtigen Soundtrack, komponiert von Howard Shore, bietet sich die Herr-der-Ringe-Trilogie natürlich besonders für diese Art der Aufführung an. Die Live-to-Projection-Aufführung der HdR-Filme wandert bereits seit einigen Jahren durch verschiedene Städte rund um die Welt und ist 2013 erfreulicherweise auch nach Stuttgart in die Liederhalle gekommen. Aufgeführt wurde dabei „Die Gefährten“ in der Kinofassung und im O-Ton, während die Münchner Symphoniker, der MünchenChor und der Wolfratshauser Kinderchor die Aufgabe übernahmen, Shores Musik zum Film live zu spielen. Es ist natürlich eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, genau passend zum Film zu spielen (speziell die Stellen, in denen das Underscoring genau den Bildern folgt, stelle ich mir äußerst schwierig vor), Chöre und Orchester erledigten dies allerdings mit Bravour.
Shores großartige Musik in diesem Rahmen live zu erleben und den Künstlern beim Spielen und Singen zusehen zu können ist natürlich noch einmal etwas ganz Besonderes. Zwar gibt es ein paar kleine Kritikpunkte, u.a. hätte ich mir den ersten Einsatz des Isengart-Themas und das Paradestatement des Gefährten-Themas (die Gefährten überqueren die Nebelberge) noch ein wenig voluminöser gewünscht, der Knabensopran brauchte ein wenig, um „rein“ zu kommen (was sich vor allem beim Einsatz des Rückforderung-der-Natur-Themas ein wenig negativ auswirkte, bis zu In Dreams war es dann allerdings zufriedenstellend) und in den Minen von Moria ging zwischendurch das Licht an (wofür das Orchester selbstverständlich nichts kann), aber letztendlich sind das winzige Kleinigkeiten, die das enorm positive Gesamtbild in keiner Weise trüben.
Da natürlich jede Aufführung eines Musikstücks ein wenig anders ist (und sich diese Live-Aufführung natürlich auch von den Soundtrackaufnahmen unterscheidet), fallen mitunter kleine Details auf, die selbst jemandem, der die HdR-Musik schon äußerst oft gehört hat, sonst nicht aufgefallen sind. Zum Beispiel wurden an manchen Stellen die Begleitfiguren (v.a. das Fünftacktschema, welches zum Beispiel das Isengard-Thema unterlegt, oder auch die absteigende Terz, die meistens mit den Mordor-Themen auftaucht) stärker betont. Ebenso steht bei einer Live-to-Projection-Aufführung die Musik stärker im Vordergrund, was der Intensität ungemein zuträglich. Oder, um es salopp zu formulieren: Ich hatte, verteilt über drei Stunden, schon lange nicht mehr so viel Gänsehaut. Zu den absoluten Highlights des Abends gehörten, unter anderem, sämtliche Einsätze des Nazgûl-Themas – ein voller gemischter Chor, der in der Sprache Númenors singt, ist einfach etwas Herrliches – sowie die beiden Einsätze des Gefährten-Themas in Moria und das komplette The Road Goes Ever On (bzw. In Dreams). Unbedingt erwähnenswert ist noch die Sopranistin Kaitlyn Lusk, die Enya und Elizabeth Fraser mehr als würdig vertritt.
Fazit: Wunderbares Orchester, wunderbarerer Chöre, wunderbare Aufführung einer wunderbaren Musik. Ich freue mich schon auf März 2014, wenn „Die zwei Türme“ kommen.

Siehe auch:
Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – Live in Concert
The Music of the Lord of the Rings Films
Stück der Woche: For Frodo
Rückforderung der Natur

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2 Kommentare zu “Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Live in Concert

  1. Oh ja, du warst also in der Vorführung, in der das Licht anging. Ja, das war so richtig doof. Interessant, was dann doch so beim – interessierten – Publikum ankommt, dass auch dort die kleinen Unterschiede wahrgenommen werden. Der Knabensopran war immer so eine Sache – wobei ich da nicht mehr genau weiß, wie das bei welcher Aufführung war. Lies doch selbst nach: http://singendelehrerin.wordpress.com/2013/04/02/herr-der-ringe-live-die-gefahrten-die-konzerte-4/

    Ach, klasse, mal so eine ausführliche Besprechung von einem Fan aus dem Publikum zu lesen!

    • hemator sagt:

      „Ach, klasse, mal so eine ausführliche Besprechung von einem Fan aus dem Publikum zu lesen!“

      Das kann ich nur zurückgeben, der Hinter-den-Kulissen-Einblick, bzw. die Meinung einer Mitwirkenden ist höchst interessant.

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