Die fantastische Welt von Oz

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Story: Der Bühnenzauberer Oscar Diggs (James Franco), genannt Oz, wird von einem Wirbelsturm in das gleichnamige magische Land geweht. Dort begegnet er der Hexe Theodora (Mila Kunis) und dem geflügelten Affen Finley (Zach Braff), die Oscar erzählen, dass der ursprüngliche Herrscher von Oz von seiner Tochter, der Hexe Glinda (Michelle Williams) ermordet wurde. Theodora und Evanora (Rachel Weisz), ebenfalls Töchter des Herrschers, bekämpfen Glinda und versuchen Oscar, den sie für einen durch eine Prophezeiung angekündigten Zauberer halten, für ihre Sache zu gewinnen. Oscar macht sich schließlich auf, Glinda zu töten, begegnet unterwegs einem Porzellanmädchen (Joey King) und lernt schließlich, wer die eigentliche böse Hexe ist…

Kritik: L. Frank Baums Oz-Romane, und besonders die Verfilmung von „Der Zauberer von Oz“ aus dem Jahr 1939, sind so etwas wie ein amerikanische Nationalheiligtum. In Deutschland dagegen sind sie zwar ebenfalls bekannt (abermals vor allem die Verfilmung), aber bei weitem nicht so populär oder präsent. Zugegebenermaßen habe ich mich nie wirklich mit ihnen beschäftig und auch vom Film nur ein paar Ausschnitte gesehen, ich bin also nicht in der Lage festzustellen, inwiefern „Die fantastische Welt von Oz“ dem Geist der bisherigen Oz-Werke, welcher Natur auch immer, treu bleibt.
Viele Kritiker zogen Parallelen zwischen Sam Raimis Oz-Prequel und Tim Burtons „Alice im Wunderland“, und das nicht ganz zu Unrecht, vor allem, was visuellen Stil und Modernisierung eines Klassikers der Kinderliteratur (bzw. eines Klassikers des Kinderfilms) angeht. Raimi erweist sich dabei im Großen und Ganzen als etwas geschickter als Burton; „Die fantastische Welt von Oz“ wirkt runder und durchdachter als der Burton-Film, und er folgt erfreulicherweise auch nicht dem Trend, in jedem Fantasy-/Märchenfilm die Endschlacht von „Der König von Narnia“ zu imitieren. Das Finale des Oz-Prequels dagegen wirkt angemessen und zum Film passend. Gerade was Struktur und Plot angeht weiß „Die fantastische Welt von Oz“ zu überzeugen, auch wenn es kaum Überraschungen gibt. Selbst jemand, der den „Zauberer von Oz“ nicht kennt, wird sehr schnell erraten können, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt.
Besonders der schwarzweiße Prolog, in dem viele der Figuren bereits auf gewisse Weise vorgestellt werden weiß zu überzeugen, ebenso wie die visuelle Entwicklung, die mit einem grauen Kansas beginnt und sich im Verlauf des Films immer weiter steigert. Natürlich ist das Ganze gewürzt mit vielen Anspielungen an das Original, unter anderem durch das Auftauchen eines verängstigten Löwen, der Vogelscheuche oder der geflügelten Paviane. Auch auf einige andere Filme wird angespielt: Die Rauchschwaden, die ein gewisser Hexenbesen ausstößt, erinnern an die Todesser und Evanoras Blitze könnten von Darth Sidious stammen, wären sie nicht grün.
Ein wenig enttäuschend sind dagegen die Schauspieler, es fehlt gewissermaßen das schauspielerische Schwergewicht. James Franco, Rachel Weisz und Michelle Williams sind alle zwar annehmbar bis gut, aber nicht überragend. Mila Kunis spielt zwar überzeugend die junge, naive Theodora, aber der Wandel, den ihre Figur durchmacht, wirkt nicht wirklich glaubhaft, ebenso wie alles, was danach folgt. Dies ist allerdings nicht allein Kunis‘ Schuld, da das Make-up, mit dem sie in der zweiten Hälfte des Films herumläuft, irgendwie merkwürdig aussieht. Die beste darstellerische Leistung liefert Michelle Williams als namenloses, aber wunderschön animiertes Porzellanmädchen. Ihre Figur ist eindeutig die liebenswerteste und quasi das Herzstück des Films.
Fazit: Visuell beeindruckendes, amüsantes, unterhaltendes, aber schauspielerisch nicht immer einwandfreies Prequel zu „Der Zauberer von Oz“.

Trailer