Asterix der Gallier

Asterixdergallier
Asterix, der kleine schnauzbärtige Gallier, der Caesar schlaflose Nächte bereitet, gehört zu jenen fiktionalen Medienikonen, deren Auftritte in den letzten Jahren bestenfalls mittelprächtig („Asterix und die Wikinger“) und schlimmstenfalls absolut unterirdisch („Gallien in Gefahr“, „Asterix bei den Olympischen Spielen“) waren. Dennoch mindert der kreative Ausverkauf seines (Mit-)Schöpfers nicht die Bedeutung dieser Ikone der Comickultur, und er ist auch kein Grund, die vielen grandiosen Abenteuer von Asterix zu vergessen. Aus diesem Grund (und um nach sehr viel Grimmigem und Düsterem auf diesem Blog mal wieder etwas Abwechslung zu bringen) starte ich eine neue Rezensionsreihe, die sich wohl ziemlich lange hinziehen wird und in deren Rahmen ich über alle Asterix-Bände in der korrekten Reihenfolge schreiben werde (nein, „Asterix und Cleopatra“ ist nicht Band 2). Das erste Abenteuer von Asterix, „Asterix der Gallier“, verfasst und gezeichnet vom französischen „Comic-Dream-Team“ René Goscinny und Albert Uderzo, erschien zuerst auf den Seiten des französischen Jugendmagazins Pilote, bevor es in Albenform erhältlich war. Hierzulande mussten wir uns zuerst mit einer entstellenden Übersetzung des Fix-und-Foxi-Schöpfers Rolf Kauka herumschlagen, der aus Asterix und Obelix die Westgermanen Siggi und Babarras machte und das Ganze zur Allegorie auf (West-)Deutschland umarbeitete. Glücklicherweise schritten die Schöpfer ein und verhinderten nach vier Bänden weitere entstellende Übersetzungen, sodass das Magazin MV Comix schließlich eine angemessene deutsche Version drucken konnte.
In „Asterix der Gallier“ werden schon viele wichtige Grundlagen für die gesamte Serie gelegt, fast alle wichtigen Figuren (neben dem Titelhelden u.a. Obelix, Troubadix, Majestix und Miraculix) tauchen bereits auf und der Status Quo („Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein…“), der sich letztendlich nicht ändert, wird festgelegt.
Das eigentliche Abenteuer ist, vor allem im Vergleich mit späteren, noch relativ klein, schlicht und gemütlich. Ich muss zugeben, dass „Asterix der Gallier“ nicht unbedingt mein Lieblingsband der Reihe ist, v.a., da der Grundplot (Miraculix wird entführt oder anderweitig unschädlich gemacht) in späteren Bänden weitaus besser umgesetzt wird. Die Handlung, sie entfernt sich (noch) nicht allzu weit vom gallischen Dorf, es geht nur bis zum nächsten Römerlager und wieder zurück, ist schnell zusammengefasst: Der Zenturio des Lagers Kleinbonum, Gaius Bonus, möchte endlich hinter das Geheimnis der übermenschlichen Kraft des kleinen Dorfes, das sich der römischen Besatzung widersetzt, kommen. Zu diesem Zweck schickt er Caligula Minus als Spion in das nahegelegene Dorf. Dieser wird zwar letztendlich enttarnt, allerdings nicht, ohne vorher vom Zaubertrank zu erfahren und ihn sogar zu kosten. Für Gaius Bonus ist klar: Mithilfe dieses Getränks kann er die Macht im Römischen Reich an sich reißen. Er lässt den Druiden Miraculix entführen, um diesem das Rezept für den Zaubertrank abzupressen. Asterix macht sich auf, den vermissten Druiden zu finden. Gemeinsam müssen die beiden schließlich die Römer überlisten.
Zumindest in einer Hinsicht ist „Asterix der Gallier“ unter allen Asterix-Bänden ein Unikum: Obelix ist während des zentralen Abenteuers abwesend, dieses wird von Asterix und Miraculix allein bestritten. Obelix ist lediglich in der ersten Hälfte, während der Szenen im gallischen Dorf, zugegen.
Ansonsten sind Humor und Geschichte noch relativ schlicht und geradlinig, aber dennoch äußerst treffend. Die meisten Gags sind entweder auf die übermenschliche Kraft der Gallier oder den Haarwuchstrank zurückzuführen, den Miraculix den Römern schließlich vorsetzt. Vor allem Letzterer sorgt auch für die besten Lacher des Albums.
Die Wortspiele, für die die Asterix-Comics so bekannt sind, halten sich dagegen noch etwas stärker zurück und sind in erster Linie bei den Galliern zu finden, während die Römer noch Namen haben, die immerhin lateinisch sind (Gaius Bonus, Caligula Minus), während spätere Zenturionen und Legionäre Spreizfus, Handzumgrus oder Nimmdenbus heißen. Natürlich könnte man auch über historische Ungenauigkeiten mosern, aber das wäre völlig am Thema vorbei, da in Asterix eine „moderne“ Antike geschaffen wird, die sich trotz allem nicht allzu sehr von der Gegenwart (bzw. der Entstehungszeit der jeweiligen Geschichten) unterscheidet – Anachronismen sind da gewollt.
Wie die Handlung sind auch die Zeichnungen noch ein wenig ungeschliffen, man merkt, dass Uderzo an einigen Stellen noch stärker experimentiert. Bei seinem ersten Auftritt trägt Obelix (der noch verhältnismäßig schlank ist) eine Axt am Gürtel und Miraculix geht am Stock (beides kommt später nicht mehr vor). Auch Majestix, Troubadix (der beim Festessen dieses Mal auch teilnehmen darf) und Caesar sehen für jemanden, der die späteren Bände kennt, ein wenig seltsam aus.
Fazit: Asterix in Rohform. Strukturell, inhaltlich und humoristisch legt „Asterix der Gallier“ bereits die Grundlage für alle weiteren Abenteuer, in denen die Formel dann verfeinert und perfektioniert wird. Nicht der beste Asterix-Band, aber der wichtigste, denn der Erfolg von „Asterix der Gallier“ machte alles, was danach kam, erst möglich.

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