Todd McFarlane’s Spawn

spawntas
Wenn die Spawn-Realverfilmung ein Beispiel dafür ist, wie man eine derartige Comicserie nicht adaptieren sollte, ist HBOs Spawn-Zeichentrickserie mit dem Titel „Todd McFarlane’s Spawn“ eine Fallstudie in Sachen gelungener Adaption.
Bei dieser Serie – sie umfasst drei Staffeln á jeweils sechs Folgen (insgesamt also 18 Episoden – muss man sich erst einmal von dem Gedanken, dass Zeichentrick ausschließlich etwas für Kinder ist, vollständig verabschieden, denn es handelt sich hierbei ohne jeden Zweifel um eine reinrassige HBO-Serie. Und es geht eindeutig nicht zimperlich zu.

Handlung und Umsetzung
Natürlich basiert auch die Zeichentrickserie auf denselben Comics wie die Verfilmung, das Grundgerüst ist dasselbe: Der Soldat Al Simmons (Keith David) stirbt einen gewaltsamen Verbrennungstod und verkauft seine Seele dem Dämonenfürsten Malebolgia, um seine Frau Wanda (Dominique Jennings) noch einmal sehen zu können. Allerdings erwacht er erst fünf Jahre nach seinem Tod, Wande ist mit Als bestem Freund Terry Fitzgerald (Victor Love) verheiratet und hat eine Tochter namens Cyan (Kath Soucie). Al selbst ist nun ein Hellspawn, ein Agent der Hölle, der von einem dämonischen Agenten Malebolgias (Michael Nicolosi als Clown, James Hanes als Violater) ausgebildet werden soll.
Gerade den ersten Ausgaben der Spawn-Serie merkt man sehr stark an, dass sie in den frühen 90ern entstanden sind, vieles war recht plakativ und Figuren wie Cy-Gor (ein Cyborg-Gorilla) machten die Sache auch nicht unbedingt besser. Die Zeichentrickserie zeigt, im Gegensatz zum Film, wie man das Ganze passend adaptieren kann. Die Macher ließen viele der Superheldenelemente der Vorlage fallen und konzentrierten sich stärker auf die Thriller- und Horror-Elemente. Das fängt schon bei der Darstellung Spawns an: Der Titelheld sieht zwar genauso aus wie in der Vorlage, aber man sieht ihn nur sehr selten komplett, da sein Cape (im Gegensatz zum Film hier wunderbar eingesetzt) ihn die meiste Zeit vollständige verhüllt. Kämpfe zwischen Spawn und Gegnern wie Cy-Gor fallen fast vollständig weg, denn den meisten Gegnern ist Spawn grundsätzlich überlegen, die Serie konzentriert sich stärker auf Als psychologische Konflikte. Daneben sind auch Terry, Wanda und die beiden Polizisten Sam Burke (James Keane) und Maximilion Williams (Michael McShane), genannt Twitch durchaus gleichwertige Protagonisten, die manchmal sogar stärker im Fokus stehen als Spawn. Erfreulicherweise gibt es auch kein Handlungskonzept á la „Monster der Woche“, sondern einen durchgehenden Handlungsstrang. Das größte Manko diesbezüglich ist das offene Ende, das eigentlich nach einer Weiterführung schreit – leider ist bis jetzt nichts passiert.
Wirklich exzellent ist auch die Darstellung Malebolgias (sofern man davon sprechen kann) gelungen: Der große Oberschurke taucht nämlich nie auf. Es gibt keine Szene, die seinen Handel mit Al zeigt und keinen endgültigen Showdown. Malebolgia im Film war schlecht animiert und albern, und selbst in den Comics fand ich sein Aussehen nie wirklich berauschend. In der Serie dagegen taucht er zwar nie auf, seine Präsenz ist aber stets zu spüren, nicht zuletzt durch die grandiose Atmosphäre. In dieser ist der Einfluss einiger anderer gelungener Animationsserien der 90er zu spüren, vor allem natürlich „Batman: The Animated Series“ und, stärker noch, Disneys „Gargoyles“. Vor allem stilistisch erinnert „Todd McFarlane’s Spawn“ recht stark an Letztere, bzw. an eine Mischung aus dem Gargoyles-Stil und den Zeichnungen des Spawn-Künstlers Greg Capullo. Die Serie spielt in einer düsteren, heruntergekommenen, gotischen Welt, das Spiel mit den Schatten ist grandios, kurzum: Atmosphärisch ist die Serie beinahe unschlagbar.

Die Figuren und ihre Sprecher
Die Umsetzung der Figuren ist ein weiterer, großer Pluspunkt dieser Serie.
Wie oben bereits erwähnt wird vor allem Spawn selbst sehr unsuperheldentypisch dargestellt. Die meiste Zeit sieht man ihn als schwarz-rote Silhouette mit grün glühenden Augen – er kämpft nicht viel, greift nicht auf großkalibrige Waffen zurück und nur sehr selten sieht man, dass er unter seinem Umhang in der Tat ein hautenges Kostüm trägt. Wie in den Comics grübelt er sehr viel über sein Schicksal und seinen Verlust und zugegebenermaßen geht er einem dabei hin und wieder ziemlich auf die Nerven – das gehört allerdings zur Figur. Gesprochen wird Al Simmons vom grandiosen Keith David (Goliath in „Gargoyles“ und Dr. Facilier in „Küss den Frosch“), der mit seiner tiefen, sonoren Stimme mal wieder dafür sorgt, dass das Ganze Konzept funktioniert.
Auch alle anderen sind wunderbar umgesetzt. An erster Stelle wäre hier vor allem Spawns Lieblingswidersacher, der Clown zu nennen. Im Gegensatz zur Filmversion ist dieser Clown weitaus ekliger und unheimlicher. Wie nicht anders zu erwarten hängt dies auch stark mit dem Sprecher zusammen; Michael Nicolosi spricht ihn mit einer sehr hohen und gleichzeitig enorm bösartigen Stimme, die einfach vorzüglich passt.
Ebenfalls in krassem Kontrast zur Verfilmung steht Jason Wynn, in selber dargestellt von Martin Sheen, der ihn als ziemlich stereotypen Schurken mit Welteroberungsplänen darstellte. In der Serie wird er von John Rafter Lee gesprochen und kommt als Geheimdienstleiter mit großen Ambitionen und schmutzigen Geheimnissen weitaus authentischer rüber. Mich persönlich erinnert dieser Jason Wynn stark an David Xanatos aus „Gargoyles“, was grundsätzlich positiv ist. Eigentlich wurde so ziemlich jede Figur passend besetzt.
Ein erwähnenswertes Element ist die himmlische Jägerin Jade. Eine in den Comics vorkommende und bei den Fans sehr beliebte Figur ist der Engel Angela. Angela taucht in der Tat in der Serie auf, allerdings nur in einer Episode, in der der Grundstein für einen Handlungsstrang gelegt wurde, der jedoch im Nichts endet. Den Grund dafür ist Folgender: Angela wurde von Neil Gaiman erfunden, der für Spawn einige Ausgaben schrieb, was allerdings später zu einem Rechtsstreit mit Todd McFarlane führte, der sich über viele Jahre hinzog. Ich persönlich vermute, dass das Fehlen Angelas in späteren folgen damit zusammenhängt und dass als Ersatz die von Ming Na gesprochene Spawn-Jägerin Jade aktiv wird und Angelas Plot „übernimmt“.

Erhältlichkeit
Das große Problem bei dieser Serie ist, dass sie es niemals nach Deutschland geschafft hat – Spawn war hier nie wirklich populär, und das Vorurteil Zeichentrick=Kinderkram hält sich hier ebenfalls sehr stark. Glücklicherweise gibt es die gesamte Serie auf youtube in recht annehmbarer Qualität. Und da man die Serie nicht anschauen kann ohne aufwendiges und sehr kostspieliges Importieren, möglicherweise ist sogar ein Code-1-DVD-Player vonnöten, habe ich auch überhaupt kein schlechtes Gewissen, wenn ich hier gleich die entsprechenden Links anbringe:
Staffel 1.1
Staffel 1.2
Staffel 2.1
Staffel 2.2
Staffel 3.1
Staffel 3.2

Fazit: Die bislang einzige wirklich gelungene Umsetzung von Spawn und darüber hinaus eine der besten und erwachsensten Zeichentrickserien überhaupt. Warum gibt es in unseren Gestaden nicht mehr von dieser Sorte?

Brut-Monat:
Prämisse
Spawn
David Hines Spawn-Run Teil 1
David Hines Spawn-Run Teil 2

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