Der Hobbit: Eine erwartete Rezension – Teil 1

THE HOBBIT: AN UNEXPECTED JOURNEY
Die Filmadaption eines Romans (oder Comics oder Computerspiels etc.) ist immer eine schwierige Angelegenheit. Eine Geschichte kann nur in ganz seltenen Fällen eins-zu-eins auf ein anderes Medium übertragen werden. Selbst bei Filmen wie „Sin City“, die sich wirklich extrem eng an die Vorlage halten, gibt es kleine Änderungen. Und während eine Comicverfilmung sich noch besser direkt abbilden lässt – unter anderem, weil sich die Dramaturgie bei Film und Comic oft ähnelt, zusätzlich ist es möglich, die Panels als Storyboard zu verwenden – ist die Angelegenheit beim Roman schwieriger. Es gibt andere dramaturgische Anforderungen, innere Monologe müssen meistens wegfallen und grundsätzlich gilt die Regel: „Show, don’t tell!“ Auch sollten Regisseur, Drehbuchautor und sonstige Beteiligte durchaus die eigene künstlerische Vision erlaubt sein, dabei sollten sie aber wiederrum den „Geist“ oder „Kern“ der Vorlage nicht aus den Augen verlieren. Und darüber hinaus ist in den letzten 20 Jahren noch das Internet dazu gekommen; die Stimmen der Fans sind dadurch sehr viel lauter geworden und entscheiden heutzutage über Erfolg oder Misserfolg in viel größerem Ausmaß, als das früher der Fall war.
Die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Kinderbuch „Der Hobbit“ ist diesbezüglich natürlich recht schwierig und stellte Regisseur und Drehbuchautor Peter Jackson sowie seine Kollaborateure Fran Walsh und Philippa Boyens vor eine gewaltige Aufgabe in Form eines schwierigen Drahtseilaktes: Einerseits will man dem Roman treu bleiben, der nun einmal um einiges kindlicher, leichter und harmloser ist als der „Herr der Ringe“. Andererseits will man aber auch das Filmpublikum ansprechen, das erst durch die HdR-Verfilmung auf Mittelerde aufmerksam wurde, nun mehr von epischen Gefechten zwischen Gut und Böse sehen möchte und von sprechenden Troll-Geldbeuteln und ähnlichem wohl eher irritiert wäre. Im Großen und Ganzen wurde diese Aufgabe in meinen Augen mit Bravour bewältigt (auch wenn es einige Schnitzer gibt), aber es lohnt sich sicherlich, „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ diesbezüglich einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.
Ursprünglich hätte es ein Artikel werden sollen, aber das Ganze ist schon etwas ausgeufert und würde sonst auch zu lange dauern, weshalb ich mich entschlossen habe, mir an Peter Jackson ein Beispiel zu nehmen und die ausführliche Hobbit-Rezension in zwei bis drei Teile zu teilen.

Allgemeine Beobachtungen
Zuerst einmal ist festzustellen, welches Publikum durch die Hobbit-Verfilmung angesprochen wird. Für Buchpuristen, die ständig aufschreien: „Das steht so aber nicht im Buch“ ist er nämlich mit Sicherheit nichts. Zwar wird eigentlich verhältnismäßig wenig wirklich geändert, aber so einiges wird doch erweitert und umgedeutet. Wer mit der Verfilmung der HdR-Trilogie schon nichts anfangen konnte, wird wohl auch mit „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ und den kommenden beiden Filmen nichts anfangen können. Wer nur epische Schlachten sucht, wird ebenfalls enttäuscht werden, da, trotz aller Bemühungen, den „Hobbit“ ein wenig mehr wie den „Herrn der Ringe“ wirken zu lassen, doch noch sehr viele der kindlicheren Elemente erhalten geblieben sind (und ja, manchmal wirkt der Wechsel zwischen „episch“ und „kindlich“ ein wenig holprig). Wer (wie ich) ein Fan der „größeren“ Mittelerde und der Verbindungen ist, und darüber hinaus nicht der Meinung ist, dass jedes Wort genauso umgesetzt werden muss, wie es niedergeschrieben wurde, der wird wahrscheinlich Gefallen an der Hobbit-Adaption finden, ebenso wie alle, die einfach mehr aus Mittelerde wollen. Man sollte sich vor Augen halten, dass es nun einmal Peter Jacksons Interpretation von Tolkiens Werk(en) ist.
Atmosphärisch ist „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ zwischen dem Roman und der HdR-Trilogie angesiedelt. Die Adaption ist deutlich düsterer als Tolkiens Roman, aber dennoch leichter und weniger grimmig als die alte Trilogie. Das Mittelerde, das Jackson uns hier präsentiert, ist sauberer, die Farben sind kräftiger und es wirkt allgemein fantastischer – im Vergleich dazu erinnert die HdR-Trilogie mitunter eher an ein Historienepos denn an Fantasy. Dass „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ sauberer wirkt, könnte auch mit dem stärkeren Einsatz von CGI gegenüber den Modellen und klassischen Effekten der Trilogie zusammenhängen. Mit 3D und den 48 fps würden Modelle und praktische Effekte nicht überzeugen, was ich sehr schade finde, da mir die HdR-Kombination von Computer- und altmodischen Effekten sehr gut gefallen hat. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ wirkt digitaler, was den oben beschriebenen Effekt noch verstärkt. Es nimmt jedoch in meinen Augen kein störendes Ausmaß an, ich kann mich auch mit dem ersten Hobbit-Film in Mittelerde verlieren.
Durch diese atmosphärische Wandlung wirkt das Ganze in der Tat „kindgerechter“ – so fließt in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ beispielsweise auch kein Blut und die Schwerter sind nach der Schlacht sauber (besonders auffällig, als Bilbo Stich aus dem Kopf des Warges zieht). Im Gegensatz dazu spritzte im HdR schon mal gern das Orkblut und die Kämpfe waren allgemein sehr viel dreckiger. Möglicherweise tut sich diesbezüglich allerdings noch etwas in der Special Extended Edition des ersten Hobbit-Films.
Sehr auffällig ist auch, dass Peter Jackson versucht, den Film weniger episodenhaft aufzubauen. Die ersten beiden Drittel von Tolkiens Romans bestehen aus Abenteuern, die wenig bis gar nicht miteinander verknüpft sind. Auch im Film entsteht dieser Eindruck zuweilen, allerdings wurden einige Bemühungen unternommen, die einzelnen Stationen der Reise besser miteinander zu verknüpfen.
Lobend erwähnt werden müssen noch die vielen Details, auf die geachtet wurde, und die oft auftretenden Anspielungen für Fans – Radagast bezeichnet die Spinnen beispielsweise als „Brut von Ungoliant“ und Stich hat noch keine Beschriftung – diese wird erst später auf Bilbos Geheiß hinzugefügt (auf dem Schwert steht in Elbenrunen „Stich ist mein Name – ich bin der Spinne Tod“).

„My dear Frodo…“ – Der Prolog
Der Film beginnt, wie man das erwarten würde: In Beutelsend und mit den vertrauten Klängen des Auenlandthemas, sodass man sich fühlt, als würde man nach langer Abwesenheit wieder nachhause kommen. In bester Herr-der-Ringe-Manier startet auch kurz darauf ein epischer Prolog, der wie in „Die Gefährten“ den unbedarften Zuschauer mit der Vorgeschichte vertraut macht, die im Roman nur erzählt wird. Auch das war zu erwarten und ist schlichtweg großartig geworden. Das Design des Erebor erinnert mit den vielen eckigen Säulen und dem zwergischen Gigantismus stark an Moria – natürlich ist alles lebendiger und bunter. Auch die Stadt Thal ist sehr gelungen, das Design ähnelt den mediterranen Städten des Mittelmeers und erinnert mich persönlich ein wenig an King’s Landing in „Game of Thrones“, welches von Malta „dargestellt“ wurde.
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Die Stadt Thal

Sehr geschickt wurde es vermieden, Smaug schon vollständig zu zeigen: Man sieht nur einen geflügelten Schatten, Füße, man hört ihn, sieht seine Zerstörung, der Drache selbst wird aber noch nicht enthüllt.
Darüber hinaus werden bereits erste Hinweise auf die Drachenkrankheit gestreut, die später noch eine große Rolle spielt, und es gibt einen ersten Blick auf Thranduil (Lee Pace), den König der Waldelben und Vater von Legolas. Dabei kommt unweigerlich die Frage auf, ob Thranduils Design noch auf Guillermo del Toro zurückzuführen ist, denn sein Aussehen (und die Tatsache, dass er auf einem Hirsch reitet) würden irgendwie mehr zu del Toro als zu Jackson passen. Ob man der Feindschaft zwischen Zwergen und Elben, die ja bereits in der HdR-Trilogie etabliert wurde, noch ein weiteres Element hinzufügen muss, ist fraglich – andererseits dürfte die hier dargestellte Situation allerdings für Nichtbuchleser die Fehde ein wenig logischer machen.
Unweigerlich wird hier bereits Thorin (Richard Armitage) als wichtige, tragische und getriebene Hauptfigur etabliert; er ist der zentrale Charakter des Prologs, das Ganze wird zwar vom alten Bilbo (Ian Holm) geschildert, aber dennoch quasi aus Thorins Perspektive.
Im ganzen Film gibt es viele Elemente (Handlungen von Figuren, Einsatz von Musik, Cameos bekannter Figuren, Szenenanordnung etc.), die den „Hobbit“ mit dem „Herrn der Ringe“ verbinden sollen – manche davon sind besser gelungen, andere weniger. Das, was mich diesbezüglich am meisten stört, ist das Auftauchen von Frodo (Elijah Wood) und die kurze Szene zwischen Zwergenrückblick und Beginn der eigentlichen Handlung, da sie die Hobbit-Filme in meinen Augen zu sehr an den „Herrn der Ringe“ kettet und dadurch sie dadurch fast wie ein Spin-off wirken lässt. Auch finde ich Frodos Auftreten ziemlich unnötig. Der alte Bilbo als Rahmen ist eine schöne Idee, aber diesen Rahmen direkt am Tag von Bilbos einundelfzigstem Geburtstag zu platzieren finde ich unnötig.

„There’s far too many dwarves in my dining room.” – Das unerwartete Fest
Die Entscheidung, den „Hobbit“ als Dreiteiler zu verfilmen, sorgt dafür, dass vor allem die erste Hälfte, speziell besagtes unerwartetes Fest, enorm buchgetreu ist. Viele der Dialoge sind direkt und ohne Änderung aus dem Roman übernommen und sogar einige Phrasen des Erzählers tauchen auf, die entweder vom alten Bilbo kommen („In a hole in the ground there lived a hobbit…“) oder Gandalf in den Mund gelegt wurden (die Geschichte mit Stierbrüller-Tuk und der Erfindung des Golfspiels). Gerade diese Szenen in Beutelsend dürften Unkundigen mitunter als etwas langatmig vorkommen, während Liebhaber der Vorlage diese oft als die gelungensten angeben.
Schon der erste Blick auf Martin Freeman macht deutlich, dass es in der Tat niemand anderen gibt, der den jungen Bilbo Beutlin so gut hätte darstellen können, ein Eindruck, der sich mit jeder weiteren Szene bestätigt, insbesondere, da es ihm sehr gut gelingt, Stimme und Gestik an Ian Holm anzugleichen, ohne das es erzwungen wirkt. Währenddessen zeigt Sir Ian McKellen, dass er einfach Gandalf IST. Ganz allgemein bietet „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ fast noch gelungenere schauspielerische Leistungen als die HdR-Trilogie.
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Bilbo Beutlin (Martin Freeman) will keine Abenteuer

Der größte Unterschied zum Roman ist wohl, dass Thorin Eichenschild nicht zusammen mit den anderen Zwergen durch Bilbos Haustür purzelt und auch an der heiteren Mahlzeit nicht teilnimmt. Jackson lässt ihn verspätet eintreffen (wobei er gleich noch die erste Erwähnung von Dáin Eisenfuß einarbeitet), um ihn noch stärker von den anderen abzuheben. Auch seine Angewohnheit, prätentiöse Reden zu schwingen, hat er im Film abgelegt, dafür ist er ein wenig grüblerischer. In der Tat nimmt er ein wenig die Rolle ein, die Aragorn in den HdR-Filmen hatte (immerhin sind auch beide Könige im Exil), aber, vor allem Dank Richard Armitages hervorragendem Spiel funktioniert es, da er sowohl glaubhaft die Fürsorge für sein Volk als auch die Arroganz, die die Figur ausmacht, verkörpert. Dass Thorin die komischen Elemente dabei abhandengekommen sind, ist sogar hilfreich.
Die anderen Zwerge sind dagegen charakterlich noch nicht so gut ausgearbeitet. Zwar ist das jeweilige Design schon sehr individuell, man bemühte sich, nicht alle wie Gimli aussehen zu lassen (mit Ausnahme seines Vaters Glóin (Peter Hambleton) selbstverständlich), aber davon abgesehen fehlen bei vielen noch Charaktereigenschaften. Es ist allerdings bei weitem nicht so schlimm, wie manche Kritiker behaupten, nur wird hier eben nicht mit dem Holzhammer charakterisiert. Von Thorin einmal abgesehen sind Fíli (Dean O’Gorman), Kíli (Aidan Turner), Bofur (James Nesbitt) und natürlich Balin (Ken Stott) die Zwerge, die hin und wieder ein wenig im Rampenlicht stehen dürfen – interessanterweise sind sie auch die Zwerge, die Bilbo am meisten zu mögen scheinen.
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13 Zwerge. Von links nach rechts: Nori (Jed Brophy), Fíli (Dean O’Gorman), Dori (Mark Hadlow), Bofur (James Nesbitt), Glóin (Peter Hambleton), Dwalin (Graham McTavish), Thorin (Richard Armitage), Balin (Ken Stott), Óin (John Callen), Bombur (Stephen Hunter), Bifur (William Kircher), Ori (Adam Brown) und Kíli (Aidan Turner)

Das Manko der mangelhaft charakterisierten Zwerge ist allerdings eines, das es schon in der Romanvorlage gab; man nahm einfach an, dass sich dies bei einer derartig „ausgewalzten“ Adaption ändern würde. Natürlich sollte man den Tag aber noch nicht vor dem Abend loben (bzw. verfluchen), denn immerhin kommen ja noch zwei weitere Filme sowie die Special Extendes Edition des ersten Hobbit-Streifen, die hier Abhilfe verschaffen könnten.
Erwähnenswert sind natürlich noch die beiden extrem gelungenen Zwergenlieder (Misty Mountains hätte gerne noch länger sein dürfen, aber wer weiß, vielleicht kommen in den anderen beiden Filmen ja noch weitere Strophen) und die Tatsache, dass Bilbo sich nicht schon am Abend entschließt, mitzugehen und dann am Morgen von Gandalf zu Tür raus geschubst wird, sondern dass der Entschluss alleine und am Morgen gefällt wird. Warum der plötzliche Sinneswandel? Für mich war das ziemlich eindeutig: Bilbo hat kurz vor dem Schlafengehen Misty Mountains gehört, das Lied hatte dieselbe Wirkung wie im Buch und hat sich über Nacht festgesetzt und den Hunger nach Abenteuern geweckt. Absolut nachvollziehbar.

„The Defiler“ – Azog und die Schlacht von Azanulbizar
In Tolkiens Roman selbst wird vieles nur angedeutet. Der Krieg der Zwerge mit den Orks gehört dazu, der Leser erfährt ein wenig aus einem Wortwechsel zwischen Gandalf und Thorin. In der ursprünglichen Version steht lediglich, dass Thorins Großvater Thrór von einem Ork in den Minen von Moria ermordet wurde. In späteren Ausgaben findet sich bereits Azogs Name an dieser Stelle, und die Anhänge des HdR geben weiter Auskunft über diese Vorkommnisse. Wie zu erwarten war wurde dieser Teil der Anhänge auch in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ eingebaut. Kurz nach dem die Zwerge, Gandalf und Bilbo Beutelsend verlassen haben, erzählt Balin von der Schlacht von Azanulbizar (Schattenbachtal, dort haben die Gefährten im ersten HdR-Film Moria verlassen). Im Vergleich zu Tolkiens Schilderung dieser Schlacht gibt es im Film einige kleinere Unterschiede, die alle dramaturgische Gründe haben. Während Thorin in den Anhängen nur ein oder zwei Mal erwähnt wird (die Herkunft seines Beinamens taucht nur in einer Fußnote auf), dient der Rückblick im Film vor allem dazu, Thorins Charakter stärker zu prägen; wie im Prolog steht er im Fokus.
Bei Tolkien ist es Dáin Eisenfuß, der Azog (im Film gespielt von Manu Bennett, bekannt als Crixus in „Spartacus“) bekämpft und tötet, während der Film Azog als Thorins Nemesis etabliert.
Azog
Azog (Manu Bennett) kämpft in der Schlacht von Azanulbizar

Der größte Unterschied zwischen Vorlage und Adaption besteht natürlich darin, dass Azog die Schlacht von Azanulbizar überlebt und in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ quasi als Hauptschurke dieses Films auftritt. Die Intention dahinter ist verständlich, denn dem „Hobbit“ fehlt es an durchgängigen Schurken, was an seiner episodischen Struktur liegt – die drei Trolle und der große Ork tauchen viel zu kurz auf, um eine akzeptable Präsenz der Bedrohung zu etablieren. In „Die Gefährten“ war das Problem ebenfalls vorhanden, wenn auch nicht so stark. Mit den Nazgûl verfügt die erste Hälfte über mehr als akzeptable Widersacher für die Helden, die Bedrohung durch die Ringgeister wächst stetig an, sodass sich auch Spannung und Tempo erhöhen. Die zweite Hälfte des Romans ist dagegen, wie der „Hobbit“ eher episodenhaft, die Bedrohung durch die Orks und den Balrog in Moria sowie durch Sarumans Uruk-hai sind unzusammenhängend. Peter Jacksons Lösung, um die Erzählstruktur des Films ein wenig zu straffen und die Spannung zu erhöhen, empfinde ich hier als äußerst gelungen: Saruman wird bereits frühzeitig als strippenziehender Schurke etabliert (was auch gleichzeitig für Sauron kompensiert). Zwar steckt er nicht direkt hinter den Vorkomnissen in Moria, hat jedoch seine Finger Spiel. Mit dem Urku-hai Lurtz wird gleichzeitig noch ein direkter Antagonist geschaffen, der Boromir töten und seinerseits von Aragorn geköpft werden kann. Dies hängt vornehmlich auch damit zusammen, dass sowohl Lurtz als auch Saruman (Letzterer wird natürlich von dem großartigen Christopher Lee verkörpert, was prinzipiell hilfreich ist) das nötige Charisma mitbringen.
In „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ versuchte Peter Jackson nun etwas ähnliches, allerdings mit weit weniger Erfolg. Man kann wohl davon ausgehen, dass etwas Derartiges von Beginn an geplant war, die Gemeinschaft sollte wohl nicht einfach von einem Abenteuer ins nächste stolpern, sondern gejagt werden. Allerdings ist anzunehmen, dass Azog diese Rolle nicht von Anfang an innehatte. Wie viele denke ich, dass Azog in der ursprünglichen Version („Hobbit“ in zwei statt drei Filmen) lediglich im oben beschriebenen Rückblick hätte auftauchen sollen und diesen, wie in der Vorlage auch, nicht überlebt hätte. Stattdessen wäre wohl Azogs Sohn Bolg Hauptschurke des ersten Hobbit-Films gewesen, der möglicherweise eine zusätzliche Bedrohung im Düsterwald dargestellt hätte.
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Azogs Sohn Bolg (Conan Stevens)

Ein Ork namens Yazneg (der im fertigen Film von Azog wegen Versagens ermordet wird), wohl eine Art Unteroffizier von Bolg, hätte dann wahrscheinlich die Jagd auf Thorin und Kompanie übernommen. Dafür gibt es einige Indizien: Von Azog gibt es kaum Bilder, kein Promomaterial, keine Actionfigur (von Yazneg existiert eine) und er taucht in Hintergrundbüchern zum Film schlicht nicht auf; statt seiner ist auf frühen Filmpostern Bolg zu sehen. Und im Lego-Set, das das Finale des ersten Hobbit-Films nachstellt, ist eine Minifigur von Yazneg enthalten, aber nicht von Azog.
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Actionfigur von Yazneg

Leider muss ich vielen Kritikern darin zustimmen, dass Azog eines der schwächsten Elemente des Films ist. Sein Aussehen wirkt unausgereift, nicht wirklich bedrohlich und es mangelt ihm an Präsenz und Charisma. Am besten funktioniert er noch im Azanulbizar-Rückblick, einer Szene, die ich außerordentlich genossen habe. Sie ist wohl die Entschädigung dafür, dass es in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ keine richtige Schlacht gibt. Dennoch ist die Schlacht von Azanulbizar kurz genug, um nicht störend zu wirken und hilft, Thorins Charakter weiter zu erforschen. Das Funktionieren der Szene ist nicht zuletzt Howard Shore zu verdanken, der durch den gelungenen Einsatz von Thorins Thema, Azogs Thema und der düsteren Chöre, die an die Moria-Musik gemahnen, den nötigen emotionalen Effekt hervorruft.

Siehe auch:
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
Der Hobbit: Eine erwartete Rezension – Teil 2
Der Hobbit: Eine erwartete Rezension – Teil 3
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – Soundtrack

Ein Kommentar zu “Der Hobbit: Eine erwartete Rezension – Teil 1

  1. Uwe Brandt sagt:

    Ganz super gemacht! Danke. Sehr erhellend.

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