Historischer Atlas von Mittelerde

Hobbit-Countdown

Tolkiens Werke fanden und finden unter Akademikern und Wissenschaftlern oft großen Anklang, und das nicht nur bei Sprachwissenschaftlern. Liebhaber Mittelerdes findet man in sämtlichen Disziplinen. Besonders auffällig ist dies etwa in der Biologie; man betrachte nur einmal die Liste der Tiere und Organismen, die nach einer Figur oder eine Kreatur aus dem „Herrn der Ringe“, dem „Hobbit“ oder dem „Silmarillion“ benannt sind. Auch Geograhen finden sich oftmals unter den Anhängern Tolkiens. Eine davon ist Karen Wynn Fonstad, die für eines der gelungensten Sekundärwerke zu Mittelerde verantwortlich ist. Anhand von bereits bestehenden Karten und Tolkiens oftmals akribischen Beschreibungen (inklusive Meilenangaben etc.) verfasste sie das Sujet dieser Rezension: Den „Historischen Atlas von Mittelerde“. Manch einer wird den Zweck dieses Buches wohl kaum verstehen, aber all jene, die es lieben, sich in fiktive Welten zu vertiefen und beim Lesen des „Herrn der Ringe“ oder des „Hobbit“ stets die beiliegende Karte griffbereit haben, um den Weg der Helden dort verfolgen zu können, werden dieses Buch lieben. Als Referenzwerke dienten in erster Linie „Der Herr der Ringe“, „Der Hobbit“, „Die Nachrichten aus Mittelerde“ und „Das Silmarillion“. Die ersten acht Bände der „History of Middle-Earth“ wurden ebenfalls miteinbezogen, allerdings nur zur Komplettierung und Hilfestellung.
Die Akribie, mit der Karen Wynn Fonstad, die an der University of Wisconsin Geographie und Kartographie lehrte und leider 2005 verstarb, dieses Projekt umsetzte, ist äußerst bewundernswert. Der Atlas teilt sich in sieben Kapitel auf: Zuerst wird Mittelerde chronologisch „abgearbeitet“: Jedes der drei Zeitalter erhält sein eigenes Kapitel. Zusätzlich zu den jeweiligen Karten findet sich auch stets ein höchst informativer Begleittext, der die Karten und ihre Entstehung erläutert und auf die entsprechenden Stellen in Tolkiens Werken verweist. Los geht es im ersten Zeitalter mit einer Weltkarte, einer ausführlichen Karte Valinors, einer zweiteiligen Karte Beleriands, des Haupthandlungsortes des „Silmarillion“ und diverser ergänzender Karten. So finden sich zum Beispiel Karten, die sich spezifisch mit Reisen und Schlachten beschäftigen, eine politische Karte, welche genau die verschiedenen Königreiche Beleriands zeigt, sowie kartographische Abbildungen der wichtigen Festungen (Menegroth, Nargothrond, Gondolin und Angband). Gerade beim „Silmarillion“, in welchem sich doch sehr viele Namen und Aufzählungen befinden, kann der „Historische Atlas“ eine unschätzbare Hilfe sein.
Das Kapitel zum Zweiten Zeitalter ist relativ kurz, da dieses weniger ausführlich beschrieben wird als das Erste. Abermals findet sich eine Weltkarte, politische Karten und, besonders interessant, auch eine Karte der Insel Númenor.
Das dritte Zeitalter wird schließlich am ausführlichsten behandelt. Mit ihm setzt sich nicht nur das gleichnamige Kapitel, sondern auch die meisten darauffolgenden auseinander. Besagtes Kapitel gibt eher groben Überblick über die historischen Abläufe des Dritten Zeitalters und behandelt primär Dinge, die in den Ahängen des „Herrn der Ringe“ zu finden sind (Angmar, die Wagenfahrer, die große Pest etc.).
Das nächste Kapitel beinhaltet Regionalkarten aller wichtigen Gebiete, u.a. des Auenlands, Eriador, der Wilderlande, des Nebegebirges, Gondors und Mordors.
Darauf folgen zwei Kapitel, die sich spezifisch mit den Reisen aus dem „Hobbit“ und dem „Herrn der Ringe“ beschäftigen und keine Wünsche offen lassen; von schematischen Karten der Orkstollen und Morias über Gebäudedarstellungen (Beorns Haus, das Tänzelnde Pony, Thranduils Halle, die Hornburg und, und, und…) bis hin zu Reise- und Schlachtenkarten ist alles zu finden, was man sich nur wünschen könnte. Verständlicherweise ist das Kapitel, das den „Herrn der Ringe“ behandelt, das ausführlichste, da dieser Roman mit Abstand die meisten Details enthält.
Den Abschluss bilden schließlich einige thematische Karten, die sich u.a. mit Sprachen, Klima oder Bevölkerung auseinandersetzen.
Noch kurz ein Wort zu den Karten selbst: Diese sind eher wissenschaftlicher bzw. funktionaler Natur – kein Wunder, ist Karen Wynn Fonstad doch Geographin und keine Künstlerin. Wer nur eine schöne aufbereitete Karte Mittelerdes sucht, sollte lieber zu der von John Howe illustrierten Version greifen. Dieses Buch ist allerdings ungleich informativer und interessanter.
Fazit: Karen Wynn Fonstads „Historischer Atlas von Mittelerde“ ist eines der gelungensten Sekundärwerke zu Mittelerde, ein mit viel Liebe und Akribie verfasstes Begleitwerk, das sich kein Fan Tolkiens entgehen lassen sollte.


Beispielkarte: Mittelerde im Zweiten Zeitalter

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