Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack


Tracklisting:

01. Lumos! (Hedwig’s Theme)
02. Aunt Marge’s Waltz
03. The Knight Bus
04. Apparition on the Train
05. Double Trouble
06. Buckbeak’s Flight
07. A Window to the Past
08. The Whomping Willow and the Snowball Fight
09. Secrets of the Castle
10. The Portrait Gallery
11. Hagrid the Professor
12. Monster Books and Boggarts!
13. Quidditch, Third Year
14. Lupin’s Transformation and Chasing Scabbers
15. The Patronus Light
16. The Werewolf Scene
17. Saving Buckbeak
18. Forward to Time Past
19. The Dementor’s Converge
20. Finale
21. Mischief Managed!

„Der Gefangene von Askaban“ markiert den ersten Regiewechsel bei den Harry-Potter-Filmen, allerdings noch nicht den ersten Komponistenwechsel – somit ist John Williams derjenige, der die meisten Potter-Scores geschrieben hat. Da er ein sehr anerkannter und prestigeträchtiger Komponist ist und vor allem unter Anbetracht dessen, was er für Star Wars und ähnlich geartete Franchises vollbracht hat, ist Warners Entscheidung, ihn auch bei diesem Film weiter dabeizuhaben, äußerst gut nachvollziehbar. Nach allem, was man hört, hat Warner auch beim vierten Film versucht, ihn erneut an Bord zu holen, aber bei „Harry Potter und der Feuerkelch“ hatte er wegen diverser anderer Verpflichtungen („Die Rache der Sith“, „Krieg der Welten“, „Die Geisha“) keine Zeit.
„Der Gefangene von Askaban“ ist in jedem Fall der interessanteste Williams-Score der Reihe. Wie der Soundtrack zur dritten Star-Wars-Episode unterscheidet sich auch der dritte Potter-Score stark von den Vorgängern, dreht das Konzept dieses Williams-Scores allerdings auf den Kopf. Während es bei „Die Rache der Sith“ zwar viele Verknüpfungen zu den bereits bestehenden Themen, aber kaum neue Leitmotive gab, gibt es in „Der Gefangene von Askaban“ viele neue starke Themen, aber kaum Verknüpfungen zu „Der Stein der Weisen“ oder „Die Kammer des Schreckens“. Diese beiden waren zwar gut, in Bezug auf Williams sonstiges Schaffen allerdings eher durchschnittlich: Routiniert, professionell, aber nicht so gut ausgearbeitet und auch nicht so kreativ, wie man sich das vielleicht wünschen würde und manchmal gar ein wenig penetrant. „Der Gefangene von Askaban“ ist dagegen einer der kreativsten Williams-Scores überhaupt, da der Maestro sich nicht nur seines gewöhnlichen Bombaststils bedient, sondern auf seine gesamte musikalische Bandbreite zurückgreift und von mittelalterlich-barocker Musik (Hagrid the Professor) über Walzer (Aunt Marge’s Waltz) bis hin zu Acid-Jazz (The Knight Bus) alles möglich unterbringt. Somit ist „Der Gefangene von Askaban“, anders als die späteren Potter-Scores, noch keine völlige Abkehr vom Stil der ersten beiden, unterscheidet sich aber doch merklich. Das liegt vor allem auch daran, dass kaum Themen der Vorgänger verwendet werden. Hedwigs Thema ist natürlich zugegen, eröffnet den Film (Lumos! (Hedwig’s Theme)) und taucht auch noch in ein paar anderen Stücken auf (A Window to the Past, Secrets of the Castle, Mischief Managed!), aber davon abgesehen hat nur das Flug-Thema einen kurzen Gastauftritt (ebenfalls Mischief Managed!). Die Schuld dafür liegt allerdings nicht ausschließlich bei Williams, denn in der Tat fehlen im dritten Potter-Streifen viele der Figuren und Elemente der anderen beiden Filme. Voldemort kommt nicht vor, womit seine Themen schon einmal wegfallen, ebenso wenig tauchen Fawkes, Gilderoy Lockhart, die Winkelgasse oder Dobby auf. Natürlich hätte Williams auf eines der diversen Hogwarts-Themen oder das Familienthema zurückgreifen können (und der Konitnuitätsfanatiker in mir hätte sich wohl auch darüber gefreut), aber wenn ich mich um eine objektive Betrachtung bemühe: Die „Ersatzthemen“, die Williams hier auffährt sind weitaus besser und gelungener. Diese beiden Ersatzthemen sind interessanterweise auch die beiden Hauptthemen des Films und werden nach den Tracks benannt, in denen sie debütieren: Das Double-Trouble-Thema und das Window-to-the-Past-Thema. Ersteres, vorgestellt als vom Schulchor gesungenes Lied (basierend auf einem Ausschnitt aus Shakespeares „Macbeth“), ist ein Hogwarts-Thema und als solches ziemlich gegenwärtig. Es begleitet das tägliche Leben in der Schule, mal entspannt (Hagrid the Professor), mal mysteriös (Secrets of the Castle) und mal schräg (The Portrait Gallery). Dabei ist Double Trouble allerdings niemals so freundlich oder offenherzig wie die alten Hogwarts-Themen, sondern besitzt immer, passend zum Film, einen etwas düstereren Grundton. Ganz allgemein findet sich hier viel weniger an leichtherzigem Material, alles ist ein wenig bedrohlicher, ein wenig düsterer und ein wenig schräger. Aber selbstverständlich gibt es immer noch einige freundliche und leichtherzige Momente, etwa die zweite Hälfte von The Whomping Willow and the Snowball Fight.
Das Window-to-the-Past-Thema, ein sehr lyrisches Leitmotiv und mit Sicherheit eines der stärksten der gesamten Filmreihe, ist spezifischer und steht für Harrys Verbindung zu seinen Eltern. So erklingt es zumeist, wenn Harry mit Lupin spricht oder anderweitig etwas über seine Vergangenheit erfährt. Der interessanteste Einsatz finde sich allerdings gegen Ende: Als Harry aus den Erinnerungen an seine Eltern die Kraft schöpft, einen gestaltlichen Patronus zu erschaffen, erklingt das Thema stärker als zuvor und von Blechbläsern (statt den üblichen Flöten) gespielt, zuerst fragmentarisch und mit Dissonanzen ringend (The Dementors Converge, bei 2:01), später dann rein und klar (Finale, 1:22).
Neben diesen beiden Hauptthemen gibt es noch einige Nebenmotive. Eines der Highlights des Albums ist zweifellos das Thema des Hippogreifs Seidenschnabel, das im Film jedoch nur zweimal vorkommt (den Abspann nicht mitgerechnet) und ein Stück von majestätischer Schönheit und Eleganz ist (Buckbeak’s Flight). Darüber hinaus gibt es ein Motiv für die (letztendlich falsche) Gefahr, die von Sirius Black ausgeht, das sich im Film immer wieder einschleicht, auf der CD aber recht selten auftaucht (zum Beispiel bei Quiddtich, Third Year bei 1:34). Überhaupt nicht auf das Album hat es das Thema von Peter Pettigrew/Wurmschwanz geschafft, ein sehr passendes, vom Cembalo gespieltes Motiv, dessen Fehlen auf der CD in meinen Augen deren größtes Manko ist.
Sehr interessant ist auch das Material für den Patronus und die Dementoren. Bei beiden handelt es sich nicht um ein Leitmotiv im klassischen Sinn; die Dementoren werden von Dissonanzen und schrillen Streichern begleitet (Apparition on the Train), während der Patronus durch ätherischen Gesang dargestellt wird (The Patronus Light), aus dem letzten Endes, wie oben bereits beschrieben, das Window-of-the-Past-Thema ausbricht (Finale). Und schließlich hätten wir noch das Motiv des Zeitumkehrers das, wie könnte es anders sein, das Ticken einer Uhr enthält (Forward to Time Past).
Neben den wichtigen und weniger wichtigen Leitmotiven gibt es auch noch einige szenenspezifische Stücke, etwa die bereits erwähnen Aunt Marge’s Waltz und The Knight Bus, in denen Williams beweist, wie flexibel er sein kann (auch wenn Letzteres außerhalb des Films nicht gerade angenehm ist) oder die Quidditch-Fuge in Quidditch, Third Year. Das typische William’sche Actionmaterial findet sich natürlich ebenfalls, vor allem in The Werewolf Scene und der zweiten Hälfte von Lupin’s Transformation and Chasing Scabbers.
Es ist schon erstaunlich, wie sich Williams Herangehensweise an die Materie mit dem Regisseurwechsel verändert hat. Angesichts dessen, was Williams für den dritten Potter abgeliefert hat, finde ich es immer wieder äußerst schade, dass er nicht auch für die nächsten Teile komponiert hat. Wie hätte er die Fäden der ersten beiden Teile mit denen des dritten zusammengeführt? Gerade das Window-to-the-Past-Thema hat in meinen Augen sein Potential noch nicht ausgeschöpft und hätte ein wichtiger Bestandteil der Themensprache der Reihe werden können.
Fazit: Mit dem Soundtrack zu „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ weiß Williams zu überraschen und beweist einmal mehr, wie findig und vielseitig er ist. Zwar spielt die thematische Kontinuität eine untergeordnete Rolle, dafür begeistert Williams allerdings mit seinem stilistischen Repertoire und starken neuen Themen. In meinen Augen der beste Soundtrack der Reihe.

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

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