The Dark Knight Rises

Ende des TDKR-Countdowns

Story: Acht Jahre sind vergangen, seit Batman die Schuld für die Taten Harvey Dents auf seine Kappe genommen hat. Durch den Harvey-Dent-Act konnte die organisierte Kriminalität in Gotham fast ausgerottet werden und es herrscht Frieden, doch Bruce Wayne, gezeichnet vom Kampf gegen das Verbrechen, hat sich völlig zurückgezogen. Erst die katzenhafte Diebin Selina Kyle (Anne Hathaway), die nicht nur die Perlenkette seiner Mutter, sondern auch seine Fingerabdrücke stiehlt, schafft es, ihn wieder aus seiner Lethargie zu reißen. Er macht sich daran, die Hintergründe dieses Einbruchs herauszufinden und entwickelt sogar wieder ein wenig Interesse an seiner Firma. Von Catwoman führt die Spur schließlich zu dem Terroristen Bane, der Teil der Gesellschaft der Schatten ist bzw. war und nun das Werk Ra‘s al Ghuls (Liam Neeson in einem kleinen Cameo, Ra’s Name wird immer noch falsch ausgesprochen) vollenden möchte. So sieht Bruce sich gezwungen, erneut zu Cape und Maske zu greifen, doch kann er es in seinem Zustand wirklich mit Bane aufnehmen?

Kritik: Da ist er also, der Film, auf den ich seit 2008 warte und, was soll man sagen, ihn zu bewerten ist verdammt schwer. Ich werde im Folgenden versuchen, möglichst spoilerfrei zu rezensieren, aber dass nichts durchrutscht kann ich nicht versprechen.
Wie schon „The Dark Knight“ wurde auch „The Dark Knight Rises“ enorm gehypt, die Erwartungshaltungen sind bei mir (und vielen, vielen anderen) wohl schier ins unermessliche gestiegen. Doch während „The Dark Knight“ seinem Hype in meinen Augen gerecht wurde, ist das beim Nachfolger leider nicht ganz der Fall. Es ist natürlich gut möglich, dass meine Erwartungen einfach zu hoch waren. Nun ja.
In vielerlei Hinsicht besinnt sich „The Dark Knight Rises“ zurück auf „Batman Begins“, während die Ereignisse von „The Dark Knight“ vor allem zu Beginn zum Tragen kommen – zwar wird der Joker nicht mal erwähnt, aber Harvey Dents Taten, verbunden mit seinem Tod sind bestimmend für die Ausgangssituation.
In jedem Fall ähneln sich der erste und der dritte Teil der Trilogie schon strukturell stark, beide lassen sich grob zweiteilen, im Fall dieses Films in die Zeit vor dem ersten Aufeinandertreffen von Batman und Bane und in die Zeit danach. Wie „Batman Begins“ muss auch „The Dark Knight Rises“ relativ lange ohne Batman auskommen, gemessen an der Laufzeit kommt der Dunkle Ritter wirklich ziemlich selten vor (das gilt natürlich nicht im selben Ausmaß für Bruce Wayne). Auch die Handlung betreffend gibt es viele Parallelen und Rückgriffe, nicht zuletzt durch die Rückkehr der Gesellschaft der Schatten (leider ohne Ninjas), die Tatsache, dass fast eine Dreiviertelstunde vergeht, bis man spitze Ohren sieht oder durch den erneuten Gefängnisaufenthalt Bruce Waynes. Tonal und atmosphärisch gibt es zu beiden Vorgängern Parallelen, jedoch merkt man, dass „The Dark Knight Rises“ trotz allem eine ganze eigene Atmosphäre besitzen soll. Alles ist noch ein wenig größer und beeindruckender als in „The Dark Knight“. Das Finale von Nolans Bat-Saga ist enorm ambitioniert, wohl fast schon zu ambitioniert. Der Film möchte in seiner nicht gerade kurzen Laufzeit (164 Minuten) sehr viel erreichen, was zur Folge hat, dass vieles nur leicht angerissen wird – ein gern verwendetes Beispiel ist die Börsenszene, die wohl ein wenig Sozialkommentar zu Wirtschaftskrise etc. enthalten soll, aber einfach zu aufgesetzt wirkt. Leider, leider betrifft dieses Manko allerdings auch die Charaktere, denen ich mich der Reihe nach widmen werde, beginnend beim Schurken.
Mit dem Bane aus den Comics hat die von Tom Hardy verkörperte Figur freilich relativ wenig gemein. Es gibt Gemeinsamkeiten, u.a. bei der Ursprungsgeschichte (Gefängnis), auch ist Bane wie in den Comics sowohl körperlich als auch geistig sehr fit und leidet an einer Abhängigkeit. Das war’s aber auch schon; von allen Schurken des Batkosmos wurde Bane mit Abstand am meisten verändert und den Bedürfnissen der Nolanbrüder angepasst. Grundsätzlich ist das allerdings erst einmal nicht schlecht. Zwar hat Bane nicht die Präsenz von Heath Ledgers Joker, der die Angewohnheit hat, gnadenlos jede Szene an sich zu reißen und seinen Film eindeutig dominiert, aber Hardy liefert sehr gute Arbeit ab und schafft es, allein durch Körperlichkeit und Gestik eine beeindruckende Figur zu verkörpern. In diversen Internetforen liest man einiges an negativen Kommentaren in Bezug auf die deutsche Stimme, die ich nach Sichtung des Films im O-Ton nicht so ganz teilen kann. Der deutsche Sprecher klingt dem Original ziemlich ähnlich und kontrastiert ebenso wie Tom Hardy selbst Banes schreckliche Taten durch einen ziemlich jovialen Ton. Dennoch hat Bane zwei große Probleme. Das erste: Zu wenig Leinwandzeit und ein ziemlich abrupter, unrühmlicher Abgang. Dadurch, dass „The Dark Knight Rises“ zu viel möchte und aus diesem Grund teilweise einfach überladen ist, kommen viele Figuren, und darunter Bane, einfach zu kurz. Dem Charakter wird nicht genug Möglichkeit zur Entfaltung gegeben. Und das zweite Problem: Ich werde das Gefühl nicht los, dass eigentlich der Joker an Banes Stelle hätte stehen sollen. Schon seine Rhetorik erinnert stark an den Mann mit den grünen Haaren und auch die Natur des Masterplans scheint mir eher ein „soziales Experiment“ des Jokers zu sein. Da der Joker wohl ursprünglich für diesen Film eingeplant war (was durch Heath Ledgers Tod natürlich verhindert wurde) wäre dies durchaus im Bereich des Möglichen, genau wissen wird man es wohl nie.
Catwoman/Selina Kyle hat ebenfalls Probleme, auch wenn mir, wie bei Bane, die Umsetzung eigentlich recht gut gefallen hat. Anne Hathaway spielt Selina Kyle recht pfiffig und humorvoll und die Szenen, in denen sie mit Bruce Wayne bzw. Batman interagiert sind einfach verdammt spaßig und bringen etwas Auflockerung in den sonst doch sehr düsteren und ernsten Film. Aber auch hier: Selina hat zu wenig Zeit, um sich wirklich entfalten zu können. Sowohl ihr Hintergrund als auch ihre Motivation bleiben größtenteils im Dunkeln, was der Figur nicht gut tut.
Und schließlich Bruce Wayne/Batman: Auch hier, mehr Fokus wäre wünschenswert gewesen. Zwar macht Bruce eine enorme Entwicklung durch, aber weil es noch so viele andere Figuren und Ereignisse gibt, die thematisiert oder angeschnitten werden – neben den beiden Schurken hätten wir da noch Comissioner Gordon (Gary Oldman), der ebenfalls irgendwie untergeht, Miranda Tate (Marion Cotillard), Peter Foley (Matthew Modine), Alfred (Michael Caine, wird nach Bruces Rückkehr als Batman relativ unelegant abserviert, um nach dem Finale noch mal kur vorbeizuschauen) und natürlich den jungen Cop John Blake (Joseph Gordon-Levitt), der der größte „Zeitfresser“ ist. So wirkt der Abschluss von Batmans Reise schließlich gehetzt, der Titelgebende Aufstieg des Dunklen Ritters nicht so ganz überzeugend, was gerade im Vergleich mit „Batman Begins“ auffällt, wo sich für die Entwicklung entsprechend viel Zeit genommen wurde. Diese Aussparungen in der Entwicklung haben z.T. auch, ebenso wie die Schurkenpläne (aber zumindest das ist schon Tradition in der Reihe) einen sehr negativen Effekt auf die Filmlogik – wie zur Hölle hat es Bruce Wayne geschafft, von Marokko so schnell nach Gotham zu gelangen? Zu erwähnen ist noch, dass Batmans Stimme immer noch grausig klingt. Während sie im O-Ton etwa auf Dark-Knight-Niveau ist, ist die deutsche Fassung noch einmal schlimmer – da hat wohl jemand mit dem Stimmverzerrer seinen Spaß gehabt.
Das alles mag sich nun weit negativer anhören, als es eigentlich gemeint ist. Den Film im Kino zu sehen (selbst beim zweiten Mal) ist bombastisch, danach fühlt man sich erst einmal ziemlich geplättet.
Chris Nolan hat einen zwar nicht ganz plausiblen und etwas überkonstruierten, aber dafür wieder enorm spannenden und mitreißenden Batfilm abgeliefert. Wie schon „The Dark Knight“ könnte man auch „The Dark Knight Rises“ wieder gewisse Längen vorwerfen (gerade in der ersten Hälfte gibt es ein bisschen viel Exposition), aber interessanterweise stört mich das bei Nolans Batmanfilmen generell absolut nicht. Und es gibt da so gewisse Szenen, die für die oben erwähnten Mankos entschädigen. Batmans erster Auftritt in diesem Film ist so eine. Die Rückkehr des Dunklen Ritters (ja, Referenz) ist ein enorm gelungener Gänsehautmoment, ebenso wie der erste Kampf mit Bane und die zweite Rückkehr. Die Action ist ganz allgemein atemberaubend, die schauspielerischen Leistungen durchweg gut bis sehr gut, insbesondere wenn man bedenkt, wie wenig Zeit die Darsteller zum Teil bekommen. Und das Ende ist schließlich zwar ziemlich vorhersehbar und ein wenig kitschig, aber irgendwie mag ich es, wenn auch eher als Guilty Pleasure.
Fazit: Das Finale von Nolans Dark-Knight-Trilogie ist kein schlechter Film, bleibt jedoch hinter seinen stärkeren Vorgängern eindeutig zurück. Mein endgültiges Urteil zu „The Dark Knight Rises“ fällt letztendlich aus wie das zu „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“: Ein Abschluss, der akzeptabel, aber leider nicht überragend ist.

Trailer

Der TDKR-Countdown:
Prämisse
Batman Begins – Soundtrack
Batman – Vampire
BB: Meltdown
New 52: Batman 1
Bane
The Dark Knight – Soundtrack

Siehe außerdem:
The Dark Knight Rises – Soundtrack
Batman Begins
The Dark Knight

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7 Gedanken zu “The Dark Knight Rises

  1. Stefan Kraft

    Ich bin auf Deinen Eindruck nach der Zweitsichtung gespannt. (Einigen soll der Film dann mehr zugesagt haben bzw. die von Nolan wohl beabsichtigte Wirkung entfaltet haben. Aber ein Naturgesetz ist das natürlich nicht.)

    interessant Deine These, Bane als Ersatz für den Joker zu sehen – das lese ich zum ersten Mal. Sir Donnerbold ist dahingehend übrigens anderer Meinung und sieht zwischen den beiden Schurken einen doch markanten Unterschied. Wer hat Recht? Ich kann das noch nicht sagen, denn ich werde den Film erst am 1. August sehen (wenn mich mein Bruder besuchen kommt).

    Insgesamt scheint dies wie bei The Amazing Spider-Man eine eher subjektive Kritik zu sein, was mich dann doch ein wenig überrascht hat – bisher schienst Du Deine Kritiken eher möglichst objektiv verfasst zu haben. (Das soll nun aber kein Vorwurf sein, sondern einfach eine Feststellung. Warum auch nicht mal eher die persönlichen Eindrücke schildern? Solange diese als solche gekennzeichnet sind und man versucht fair zu bleiben, kann ich darin nichts Negatives erkennen. 🙂 )

  2. Kritiken sind immer subjektiv, es kommt nur darauf an, wie gut man sie tarnt 😉
    Mal Spaß beiseite, das war wohl ein nicht ganz bewusster Entschluss, das ist „so hingeworden“, hängt wohl auch mit der Tatsache zusammen, dass Batman für mich ein sehr, sagen wir mal, emotionales Thema. Gerade zum Beispiel Batmans erster Auftritt im Film (ich habe es ja erwähnt) hat mich wirklich für einiges entschädigt und wäre wohl auf diese Weise nicht möglich gewesen, wenn er bereits früher im Film aufgetaucht wäre – natürlich eine höchst subjektive Wahrnehmung, aber ich denke, das gehört hier auch mit rein.
    Ich plane allerdings noch einen „objektiveren“ Artikel zum Film (bzw. der Dark-Knight-Saga), in dem ich die Trilogie mal auf ihre Quellen hin untersuche, sprich auf die Comics, die direkt oder indirekt das Drechbuch inspiriert und beeinflusst haben (der wird dann allerdings nicht spoilerfrei).

    @Joker und Bane: Ich habe Sir D.s Artikel gelesen, das eine schließt das andere ja nicht aus ;-). Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Bane und dem Joker und ich werfe den Nolans auch nicht vor, sie hätten den ursprünglichen Plot, den sie vielleicht für eine Fortsetzung hatten, einfach genommen und den Joker durch Bane ersetzt. Ich bin nur der Meinung, dass es noch gewisse Jokerreste im Plot gibt, die darauf hindeuten; dass der Joker das Finale von TDK überlebt hat ist für mich natürlich immer noch der stärkste Hinweis darauf, dass er in einer Fortsetzung hätte vorkommen sollen. Aber das ist, wie gesagt, nur Spekulation und ich kann mich auch gewaltig irren.

  3. Stefan Kraft

    Wenn ich richtig verstehe, war ursprünglich durchaus vorgesehen, den Joker in einer möglichen Fortsetzung auftreten zu lassen… Ich meine das auf einer durchaus vertrauenswürdigen Website gelesen zu haben. Ob gewisse Elemente der ursprünglich angedachten Handlung in TDKR zu finden sind… Gute Frage, die wohl nur die Nolan-Brüder und David S. Goyer wirklich beantworten können.

    Deine Begründung (falls das überhaupt begründet werden musste 😉 ), warum es eine eher subjektive Kritik wurde, kann ich gut nachvollziehen. Man geht in solche Herzensfilme wohl einfach anders rein. (Ich war letztens in The Amazing Spider-Man, und wäre ich ein großer Spider-Man-Fan, hätte ich den Film wohl mit ganz anderen Augen gesehen. Übrigens nicht schlecht, der Film; auf eine Fortsetzung bin ich durchaus neugierig.)

    Abgesehen davon: Auf Deinen Artikel, der die Quellen der Batman by Nolan-Trilogie beleuchtet, bin ich jetzt schon gespannt! 🙂

  4. Ja, das meiste war mir schon bekannt, trotzdem vielen Dank für den Link. Dennoch, je länger ich darüber nachdenke, desto plausibler erscheint es mir, insbesondere angesichts des Twists, da mit dem Joker in Banes Rolle quasi sowohl die Fäden aus BB als auch aus TDK zusammengeführt worden wären. Ich höre jetzt mit der Spekulation aber auf (bzw. verschiebe sie auf später), denn sonst müsste ich einen der Twists des Films verraten und das möchte ich nun wirklich (noch) nicht, insbesondere, wenn du erst am 1. August dazu kommst, TDKR anzuschauen ;-).

    1. Stefan Kraft

      Das meiste zum Film habe ich ja bereits im BB-Comicreferenz-Artikel gesagt. Vieles, was Du hier erwähnst und Dich gestört hat, hat mich eigentlich nicht gestört, und war für mich in Ordnung – aber wie schon erwähnt hätte ich auch gerne mehr Laufzeit für einen „nachhaltigeren“ Eindruck gehabt, damit mich der Film auch beim mehrmaligen Anschauen erneut so fasziniert wie beim ersten Mal im Kino.* Ich würde also sagen, dass viele der von Dir aufgeführten Schwachpunkte mir nicht so negativ aufgefallen sind, sondern eher in Richtung „ihre Abrundung wäre das i-Tüpfelchen gewesen“ gehen.

      *Was nicht heißt, dass mir der Film beim zweiten Mal Ansehen nicht gefallen hätte, im Gegenteil… Die DVD (oder BluRay?) wird gekauft, und nicht nur, um die Sammlung zu vervollständigen.

      (Spoiler)

      Dass Miranda Thalia ist, habe ich mir eigentlich gedacht – sogar die Nicht-Spoilerseite Batman-on-Film.com hat die Vermutung geäußert, als Cotillard gecastet wurde. Thalia will Rache für R’as Tod: Auf diese Handlungsidee wurde im Vorfeld häufig spekuliert.

  5. Ja, obwohl Marion Cotillard und andere immer wieder beteuert haben, sie würde nicht Talia al Ghul spielen, war das doch im Vorfeld schon sehr gut ersichtlich – schon allein wegen der Tatsache, dass die Gesellschaft der Schatten wieder vorkommt, dass Liam Neeson ein Cameo-Auftritt hat, dass Josh Pence als „Young Ra’s al Ghul“ gecastet wurde und dass darüber hinaus auch noch ein Mädchen als junge Talia gesucht wurde. Da konnten die Vernatwortlichen noch so sehr leugnen 😉

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