The Dark Knight – Soundtrack

Dieser Artikel ist Teil des TDKR-Countdowns

Tracklisting:

01. Why So Serious?
02. I’m Not a Hero
03. Harvey Two-Face
04. Aggressive Expansion
05. Always a Catch
06. Blood on My Hands
07. A Little Push
08. Like a Dog Chasing Cars
09. I Am the Batman
10. And I Thought My Jokes Were Bad
11. Agent of Chaos
12. Introduce a Little Anarchy
13. Watch the World Burn
14. A Dark Knight

Ein Sequel-Soundtrack ist immer so eine Sache. Einerseits sollte er Verbindungen zum Vorgänger (oder den Vorgängern) besitzen, andererseits sich aber nicht so anhören, als hätte der Komponist ausschließlich altes Material recycelt. Hans Zimmer neigt in letzter Zeit leider dazu, sich bei Franchise-Scores stark auf Letzteres zu verlassen, wie vor allem bei „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ und „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ deutlich wurde. Auch beim Soundtrack zu „The Dark Knight“, der seinerzeit fast eben sosehr gehypt wurde wie der Film, zeigen sich derartige Tendenzen, allerdings bei Weitem noch nicht in dem Ausmaß wie bei den oben erwähnten. Wer mein Batman-Begins-Soundtrack-Review gelesen hat wird wohl kaum überrascht sein, dass mich auch der Score zu „The Dark Knight“ nicht wirklich überzeugt hat. Ein weiteres Mal arbeitete Zimmer mit James Newton Howard zusammen, der sich, wie bei „Batman Begins“, dem Remote-Control-Gründer stilistisch eindeutig unterordnete. Allerdings veränderten die beiden ihre Arbeitsweise leicht. „The Dark Knight“ wird von drei neuen Themen dominiert. Das erste, das neue Batman-Thema, existiert, wenn man diversen Interviewaussagen glauben darf, bereits seit „Batman Begins“; mit diesem werde ich mich später auseinandersetzen, da die Herren Zimmer und Howard es ohnehin nur sehr spärlich einsetzen. Die veränderte Arbeitsweise kommt bei den beiden Schurken-Themen zum Tragen. Während die beiden Komponisten beim Vorgänger jedes Stück gemeinsam erarbeiteten, war Zimmer beim Nachfolger für das Joker-Thema allein verantwortlich, während Howard sich mit Harvey Dents Thema auseinandersetzte.
Beginnen wir mit dem Joker-Thema (falls man hier überhaupt von einem Thema im klassischen Sinne sprechen kann), das sich im Soundtrack äquivalent zum Joker im Film verhält: Es ist das markanteste Element. Der erste Track des Albums, Why so Serious?, besteht ausschließlich aus Joker-Material (auf der DVD und BD gibt es ein recht interessantes Feature über die Entstehung dieses Materials), das eigentliche Thema befindet sich jedoch am Anfang. Es handelt sich dabei um eine einzelne, von einem Cello gespielte Note, die ewig, um nicht zu sagen, unerträglich lange ausgedehnt wird. Mit diesem Thema (und dem Matrieal, das später im Track folgt) nähert sich Zimmer noch mehr dem Sounddesign an. Interessanterweise funktioniert der Minimalismus (noch minimalistischer geht’s ja kaum) hier weitaus besser als bei Batman. Das Thema erklingt zumeist, wenn man weiß, dass der Joker gerade aktiv ist. Zimmers Herangehensweise unterscheidet sich dabei stark von der, die Danny Elfman oder Shirley Walker wählten. Beide Komponisten setzten beim Clown Prince of Crime in „Batman“ bzw. „Batman: The Animated Series“ einen Kontrapunkt, bei Elfman wurde er durch einen fröhlichen Walzer repräsentiert, bei Walker durch ein Thema, das stark nach Zirkus klingt. Zimmer wählte den direkteren Ansatz und setzt das Chaos, das der Joker symbolisiert, direkt in Musik um. Anders als bei Batman wäre hier Variation auch nicht so sehr angebracht, da der Joker sich nicht entwickelt, er ist einfach da. Das alles ist zwar ebenfalls nicht sonderlich komplex, aber durchaus kreativ und im Film passend – auf dem Album allein allerdings ziemlich unhörbar.
Das zweite wichtige Thema findet sich vor allem in Harvey Two-Face, aber auch in Blood on My Hands und Agent of Chaos und geht auf James Newton Howard zurück, der dieses Thema auf der Basis des Rising-Hero-Themas aus dem Vorgänger entwickelte. Es ist sehr melodisch, wird vor allem durch das Klavier dominiert und klingt zu Beginn äußerst optimistisch, erhält aber später eine düstererer Färbung (ab der Zweiminutenmarke in Harvey Two-Face beispielsweise), die die langsam Transformation in Two-Face symbolisieren. Die interessanteste Variation des Themas findet sich in und Watch the World Burn, dem Stück, das die letzte Konfrontation zwischen Dent, Gordon und Batman untermalt. In diesem äußerst düsteren und dissonanten Stück tauchen immer wieder pervertierte Fragmente des Themas auf, deren Botschaft klar ist: Harvey Dent ist endgültig zu dem geworden, das er ursprünglich bekämpfte. Diese Entwicklung wird bereits in A Little Push angedeutet, welches wiederum die Szene untermalt, in der Harvey per Münzwurf einen Schergen des Jokers verhört und zum ersten Mal Two-Face-Tendenzen zeigt. Zwar kann Howards Thema nicht ganz mit Shirley Walkers alptraumhafter Melodie für die Figur mithalten, ist aber dennoch äußerst gelungen und das bisher interessanteste Thema der Dark-Knight-Saga.
Wenden wir uns nun dem neuen Batman-Thema zu. Während das alte, aus zwei Noten bestehende Thema nach wie vor sehr präsent ist, taucht das neue im Film kaum auf. Einen ersten Hinweis gibt es am Ende von I’m Not a Hero, am besten zu hören ist es in Like a Dog Chasing Cars (ab 2:15). Interessanterweise findet sich dieser Einsatz des Themas überhaupt nicht im Film selbst – ursprünglich sollte er bei der großen Verfolgungsjagd in der Mitte des Films auftauchen, der dann jedoch fast ohne Musik belassen wurde. So taucht es letztendlich nur zwei Mal komplett auf, einmal, während Batman sich kurz vor der endgültigen Festnahme des Jokers mit dem SWAT-Team anlegt (Introduce a Little Anarchy ab 1:05) und dann noch kurz vor Schluss, wo eine sehr langsam Variation Gordons Monolog unterlegt (A Dark Knight, gleich am Anfang). Das Thema, welches Christian Clemmensen von filmtracks.com als „murky blend of The Last Samurai, The Thin Red Line, The Da Vinci Code, and, most interestingly, Crimson Tide“ beschreibt, ist letztendlich ein sich immer wiederholendes Dreinotenmotiv, unterlegt mit den üblichen Ostinati. Eine gewisse Verwandtschaft zum Zweinotenthema ist vorhanden, diese ist, soweit ich das sagen kann, allerdings eher vage. Obwohl ich es besser finde als das Zweinotenmotiv habe ich auch mit diesem Batman-Thema so meine Probleme. Wie aus dem obigen Zitat klar wird, besitzt dieses Thema nichts Herausstechendes. Es klingt recht heroisch, mit einem winzigen Hauch Tragödie (oder Bedauern?), letztendlich ist es in meinen Augen für ein Batman-Thema allerdings bei Weitem nicht düster genug. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass es kaum eingesetzt wird; so bekommt es keine wirkliche Chance, sich mit dem Charakter zu verbinden, und das ist genau das, was ein Charakterthema tun sollte.
Von den drei neuen Themen abgesehen wird vor allem viel vom Alten präsentiert, meistens nur gering oder gar nicht variiert. Das Liebesthema von „Batman Begins“ kehrt ebenso zurück wie das Actionthema (meistens nach dem Tracktitel Molossus genannt) und das bereits erwähnte Zweinotenmotiv, das wieder äußerst allgegenwärtig ist. Dieses Mal gibt es eine Szene, in der der Mangel eines komplexeren Themas ziemlich deutlich negativ auffällt. Als Bruce Wayne am Tag Coleman Reese retten möchte, handelt er zwar heldenhaft, ist aber nicht als Batman unterwegs. Der Ansatz, dies mit einem reduzierten Thema zu untermalen, ist gut (wenn auch nicht neu), aber hier ist das Problem: Wenn man das Zweinotenthema reduziert, bleibt nur eine Note übrig. Und man merkt, dass das nicht reicht.
Fazit: Dank der beiden gelungenen Schurkenthemen ist „The Dark Knight“ etwas stärker als „Batman Begins“, in Bezug auf den Helden vermag aber auch dieser Score nicht zu überzeugen. „The Dark Knight“ ist musikalisch letztendlich mehr vom Gleichen, wer „Batman Begins“ und Hans Zimmers Stil mag, wird vermutlich zufrieden sein, ich persönliche finde diesen Soundtrack allerdings ebenfalls ungenügend.

Der TDKR-Countdown:
Prämisse
Batman Begins – Soundtrack
Batman – Vampire
BB: Meltdown
New 52: Batman 1
Bane
The Dark Knight Rises

Siehe außerdem:
Batman Begins
The Dark Knight
The Dark Knight Rises – Soundtrack