Krieg der Götter


Stroy: Hyperion (Mickey Rourke), König der Herakliden, möchte mithilfe des Epeiros-Bogen die Titanen befreien und benötigt deshalb die Hilfe eines Orakels (Freida Pinto). Theseus (Henry Cavill) wiederrum möchte Hyperion aufhalten, da dieser seine Mutter getötet hat. Die olympischen Götter, die die Titanen einst einsperrten, dürfen sich jedoch nicht einmischen, worauf Zeus (Luke Evans) strikt achtet. Dennoch zaudert Theseus nicht und macht sich daran, die Welt vor Hyperion und den Titanen zu retten.

Kritik: Was kommt dabei heraus, wenn man „The Cell“, „300“, und die beiden „Titanen“ in einer Mixer wirft und das ganze püriert? „Krieg der Götter“. Mein erster Gedanke nach dem Anschauen dieses Films war: „Und ich dachte, ‚300‘ wäre Style over Substance.“ „Krieg der Götter“ ist ein opulentes visuelles Fest, ähnlich wie „The Cell“, der Erstling des indischen Regisseurs Tarsem Singh, der auch für „Krieg der Götter“ verantwortlich ist. Mit griechischer Mythologie hat das Ganze freilich wenig zu tun hat. Es ist wohl müßig, auf mythologische Ungenauigkeiten hinzuweisen, ich tu’s aber trotzdem. Der Grundplot (Befreiung der Titanen) ist sehr häufig anzutreffen und findet sich unter anderem auch in Disneys „Hercules“, „Zorn der Titanen“ oder dem „Age of Empires“ Spin-off „Age of Mythology“ (wobei das Computerspiel die ganze Sache mit Abstand am besten aufgezogen hat). Nach Hercules (Herakles) und Perseus muss ich nun auch Theseus, ein Held, der mit den Titanen ebenfalls eigentlich überhaupt nichts zu tun hat, mit den Urgöttern herumschlagen, die hier mitunter sehr merkwürdig umgesetzt werden – alle Titanen sind identisch und sehen irgendwie aus wie Orks. Auch die Götter sind sehr untypisch dargestellt, meist in goldenen Rüstungen, Kleidern oder Schürzen mit sehr seltsamen Helmen. Erschwerend hinzukommt, dass sie ihrer typischen Attribute fast vollständig beraubt sind, was es schwierig macht, sie zu erkennen. Zeus und Athene werden mit Namen angesprochen, aber von Blitzen, Eulen, Speeren oder auch nur der jeweiligen Funktion merkt man wenig. Lediglich Poseidon hat einen Dreizack und beschäftigt sich mit Wasser. Sehr interessant ist allerdings die Interpretation des Minotaurus, der hier für Hyperion arbeitet und eine menschliche Bestie mit einer Stiermaske aus Stacheldraht ist.
Ganz allgemein macht sich Tarsem Singh nicht einmal die Mühe, griechisches Mythenflair verbreiten. Atmosphärisch erinnert der Film eher an die moderne Inszenierung einer Oper, die im antiken Griechenland spielt (oder spielen soll). In der Tat erinnert vieles an die Traumwelten aus „The Cell“.
Wie oben bereits erwähnt dient die Geschichte hauptsächlich dazu, einen Vorwand für opulente Bilder zu liefern, mit der Logik sollte man es dabei nicht zu genau nehmen. Die Figuren sind blass, flach und fast schon kalt, Motivationen praktisch nicht vorhanden – dagegen wirken die Protagonisten aus „300“ fast dreidimensional und nachvollziehbar. Dialogtechnisch wird ähnliche Kost geboten, stereotyp-heroisch eben. Auch schauspielerisch darf man nicht allzu viel erwarten: John Hurt und Mickey Rourke sind eigentlich immer gut, hier allerdings ganz klar unterfordert, der Rest hinterlässt kaum einen bleibenden Eindruck. Männlein wie Weiblein dienen vor allem als Eye-Candy.
Fazit: Ein opulentes Fest für die Augen mit seiner ganz eigenen mythischen Atmosphäre – allerdings keiner griechisch-mythischen. Der Optik werden Handlung und Charaktere ohne Bedenken geopfert: Style over Substance auf höchstem Niveau.

Trailer

Siehe auch:
Kampf der Titanen
Zorn der Titanen

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2 Kommentare zu “Krieg der Götter

  1. Lasse Vogt sagt:

    Ich muss ja sagen, dass Tarsem Singh der einzige Regisseur ist, den ich wirklich hasse, und zwar mit Passion! Sein Stil ist nur um den Style herum aufgebaut und dieser ist noch dazu purer Nonsens und abgedreht, nur damit es abgedreht aussieht, der Look seiner Filme ist wahnsinnig hässlich du (immer dieser grauenhafte Farbfilter!) und, wie Doug Walker richtig angemerkt hat, sieht man ihn im Prinzip die ganze Zeit über im Hintergrund herumhüpfen, während er schreit: „Ask me what it means!“ „Krieg der Götter hat mich angekotzt wie schon lange kein Film mehr zuvor und wird nur noch von „Spieglein Spieglein“ und „The Cell“ unterboten (immerhin war die Action nicht ganz so schlecht hier). Ich hasse Tarsem Singh und seinen Stil so sehr! Sorry, dass das hier ausgeartet ist, aber es musste mal raus. Hab „Götter“ und „Spieglein“ erst kürzlich zum ersten Mal gesehen.

    • hemator sagt:

      Ich meine mich zu erinnern, dass „The Cell“ immerhin einen ziemlich guten Soundtrack von Howard Shore hatte. Ansonsten, jau, sehr prätentiöser Zeitgenosse.

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