Hugo Cabret


Story: Seit dem Tod seines Vaters lebt der zwölf Jahre alte Hugo (Asa Butterfield) allein in einem Pariser Bahnhof und kümmert sich darum, dass die Uhren richtig laufen. Das einzige, was ihm von seinem Vater geblieben ist, ist ein kaputter mechanischer Mensch, den er gerne reparieren möchte. Das bringt ihn in Konflikt mit Georges Méliès (Ben Kingsley), dem Besitzer eines Spielzeugstandes, von dem er Teile zur Reparatur gestohlen hat. Méliès nimmt Hugo das Notizbuch weg, in dem sein Vater die Reparaturpläne niedergeschrieben hat. Doch Hugo freundet sich mit Georges Méliès Nichte Isabelle (Chloë Grace Moretz) und gemeinsam kommen die beiden Kinder dem Geheimnis des Griesgrams auf die Spur.

Kritik: Martin Scorseses erster 3D-Film ist mal wieder ein Fall von irreführenden Trailern. Diese suggerieren ein spaßiges Kinderabenteuer, indem sie vor allem die rasanteren Szenen zeigen, in denen Hugo und der „Antagonist“, gespielt von Sacha Baron Cohen, zusammen agieren. Diese Szenen sind allerdings recht selten und in dieser Hinsicht auch bereits der „Höhepunkt“. „Hugo Cabret“ ist in erster Linie ein sehr ruhiger Film, der sich Zeit nimmt, seine Geschichte zu erzählen und in seiner fabelhaften Atmosphäre geradezu badet. Das Paris der 1930er Jahre mit Hugos Bahnhof als Mittelpunkt ist in der Tat auch wunderbar gelungen. Und, man glaubt es kaum, Martin Scorsese schafft es, das 3D wirklich gut einzusetzen. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass „Hugo Cabret“ der bisher beste 3D-Film ist. Scorsese setzt diese Technik innovativ aber doch natürlich ein, ohne dass Personen oder Objekte wie hervorstehende Papierfiguren wirken. Alles erscheint plastisch, sodass man den Eindruck hat, durch ein Fenster zu blicken, bei Kamerfahrten (die ebenfalls spektakulär sind) gibt es keine Unschärfen etc.
Auch sonst weiß „Hugo Cabret“, welcher übrigens auf einem Roman von Brian Selznick basiert, der sich wiederrum auf reale Ereignisse zurückführen lässt, zu überzeugen, sofern man willig ist, ein wenig Geduld mitzubringen. Scorsese arbeitet mit viel Liebe zum Detail, wie durch die kleineren Nebenhandlungen im Bahnhof deutlich wird. Dieser Film ist (auch wenn man es anhand der Inhaltsangabe nicht vermuten würde) eine Liebeserklärung an das Medium Film, immerhin war Georges Méliès ein Kinopionier. Diese Facette braucht allerdings eine Weile, um hervorzukommen, dominiert die zweite Hälfte aber vollständig; am Ende bekommt man unter anderem einige von Méliès nachkolorierten Stummfilmen in 3D zu sehen – eine wirklich innovative Idee.
Die Geschichte selbst ist durchaus anrührend, was nicht zuletzt den guten Darstellern zu verdanken ist. Die beiden Jungschauspieler Asa Butterfield und Chloë Grace Moretz sind sehr überzeugend, ebenso wie Ben Kingsley, Helen McCrory und Sacha Baron Cohen, der ein weiteres Mal beweist, dass er auch sehr subtil sein kann. Und selbstverständlich ist es immer wieder schön zu sehen, dass Christopher Lee in seinem Alter immer noch in Filmen mitspielt, wenn auch eher in kleinen Rollen. Lediglich die Dialoge fand ich manchmal ein wenig sperrig, aber angesichts der restlichen Elemente des Filmes ist das nur ein kleiner Kritikpunkt.
Fazit: Gelungene Liebeserklärung an Film und Kino mit 3D-Effekten, die ausnahmsweise mal wirklich etwas taugen.

Trailer

Star Wars Episode V: Das Imperium schlägt zurück – Soundtrack


Tracklisting:

CD 1:
01. 20th Century Fox Fanfare
02. Main Title/Ice Planet Hoth
03. The Wampa’s Lair/Vision of Obi-Wan/Snowspeeders Take Flight
04. The Imperial Probe/Aboard the Executor
05. The Battle of Hoth (Ion Cannon/Imperial Walkers/Beneath the AT-AT/Escape in the Millenium Falcon)
06. The Asteroid Field
07. Arrival on Dagobah
08. Luke’s Nocturnal Visitor
09. Han Solo and the Princess
10. Jedi Master Revealed/Mynock Cave
11. The Training of a Jedi Knight/The Magic Tree

CD 2:
01. Imperial March (Darth Vader’s Theme)
02. Yoda’s Theme
03. Attacking a Star Destroyer
04. Yoda and the Force
05. Imperial Starfleet Deployed/City in the Clouds
06. Lando’s Palace
07. Betrayal at Bespin
08. Deal with the Dark Lord
09. Carbon Freeze/Darth Vader’s Trap/Departure of Boba Fett
10. The Clash of Lightsabers
11. Rescue from Cloud City/Hyperspace
12. The Rebel Fleet/End Title

Ganz ähnlich wie der Soundtrack zu „Eine neue Hoffnung“ ist auch die musikalische Untermalung von „Das Imperium schlägt zurück“ ein Prototyp, nämlich für den Williams’schen Sequel-Soundtrack (und auch für den Sequel-Soundtrack im Allgemeinen). Mit diesem Meisterwerk zeigt John Williams, wie’s gemacht wird: Auf die Themen des Vorgängers aufbauen und diese sinnvoll weiterentwickeln und gleichzeitig neue, starke Themen hinzufügen.
Williams tritt bei „Imperium“ auch stilistisch nicht auf der Stelle, er entfernt sich ein wenig vom klassischen Vorbild, wird ein wenig dissonanter, die Actionuntermahlung wird hektischer und alles in allem fühlt sich der Soundtrack zum ersten Star-Wars-Sequel, passend zum Film, um einiges größer und epischer an.
Von den Themen des Vorgängers sind vor allem das Hauptthema und das Machtthema von großer Bedeutung. Luke Skywalkers Leitmotiv eröffnet natürlich den Film und erhält auch davon abgesehen einige Einsätze, u.a. in Battle of Hoth und Betrayal at Bespin. Auch das Machtthema ist weiterhin sehr präsent, zum Beispiel während Lukes Ausbildung zum Jedi auf Dagobah (Jedi Master Revealed/Mynock Cave, Yoda and the Force).
Die bei weitem interessanteste Behandlung erfährt in jedem Fall Leias Thema, da es nicht einfach nur weiterverwendet, sondern weiterentwickelt wird, was uns direkt zu den neuen Themen dieses Soundtracks führt. Für „Das Imperium schlägt zurück“ hat sich John Williams wahrlich nicht lumpen lassen und gleich drei der stärksten Themen in der Geschichte der Filmmusik geschrieben.
Das erste ist, komponiert auf der Grundlage von Leias Thema, das Liebesthema für den Schmuggler und die Prinzessin. Über den Verlauf des Films entwickelt es sich langsam aus Leias Thema und vor allem zu Beginn sind die beiden noch schwer voneinander zu unterscheiden. Ein schönes Beispiel ist das erste Aufeinandertreffen der beiden im Film (besagte Stelle findet sich etwa bei 4:40 in Main Title/Ice Planet Hoth). Zuerst ist nur Leias Thema zu hören, aber als sie versucht, ihn zum Bleiben zu überreden, erklingt zum ersten Mal das Liebesthema. In der Tat gehen beide Themen oft ineinander über. Am stärksten ist es natürlich in Han Solo and the Princess zu hören, wo es seine ganze romantische Wirkung entfaltet. In Carbon Freeze/Darth Vader’s Trap/Departure of Boba Fett ist darüber hinaus eine (natürlich bedingt durch die Trennung des Paares) extrem dramatische, wenn auch kraftvolle Version zu hören, die nebenbei eine Szene untermalt, die wohl in jedem anderen Film die einprägsamste wäre („I love you“ – „I know“), hier jedoch nur auf Platz zwei landet (zu finden bei 1:35).
Thema Nummer zwei, das auch als Konzertsuite auf dem Album zu finden ist (Yoda’s Theme), gilt Yoda. Dem kleinen grünen Jedi-Meister widmet Williams ein sehr schönes, lyrisches Leitmotiv, das eine vage Verwandtschaft zum Machtthema aufweist und es schafft, sowohl die verspielte Seite Yodas, als auch die tiefgründigen und fast ein wenig tragischen Aspekte des Charakters anzusprechen. Erwartungsgemäß ist es natürlich während den Dagobah-Szenen sehr präsent (Jedi Master Revealed/Mynock Cave, The Training of a Jedi Knight/The Magic Tree etc.). Darüber hinaus gehört dieses Thema auch zu den Leitmotiven, die in der Prequel-Trilogie recht präsent sind. Eine sehr schöne Version findet sich zum Beispiel bei Yodas Kampf mit Count Dooku.
Und dann hätten wir da natürlich noch den Imperialen Marsch, der die diversen Imperiums-Motive aus „Eine neue Hoffnung“ ersetzt. Und um ehrlich zu sein, angesichts dessen, was John Williams uns da geliefert hat trauere ich ihnen kein Stück nach. Die musikalische Repräsentierung des Imperiums im Allgemeinen und Darth Vaders im Speziellen war eigentlich so ziemlich das einzige Element des Episode-IV-Scores, das ich als dürftig bezeichnen würd. Dieser Meinung waren auch George Lucas und John Williams, weshalb Letzterer auch ein eindringliches, mächtiges und militärisch anmutendes Thema komponierte, das wirklich perfekt ausdrückt, woran man beim Imperium ist. Vom Imperialen Marsch muss Williams (zu Recht) selbst sehr begeistert gewesen sein, denn er ist eindeutig das dominante Thema in diesem Soundtrack. Zugegeben, Williams setzt Darth Vaders Leitmotiv hier nicht unbedingt subtil ein (subtile Einsätze finden sich eher in den Prequel-Soundtracks), aber dafür unheimlich passend. „Das Imperium schlägt zurück“ ist, mehr als jeder andere Star-Wars-Streifen, Darth Vaders Film. Während er in Episode IV mehr oder weniger von Tarkin kontrolliert wird und in Episode VI der Imperator der dominanteste Schurke ist, handelte er in Episode V fast ausschließlich autonom und lässt sich von niemandem etwas gefallen. Dazu passend erklingt sein Thema praktisch jedes Mal, wenn er oder seine Flotte die Szenerie betreten oder gar nur, wenn die Kamera gerade zu ihm schwenkt. Das hat zur Folge, dass es auf dem Album nur vier Tracks gibt, in denen der Marsch nicht auftaucht (die Fox-Fanfare mal außen vorgelassen): The Wampa’s Lair/Vision of Obi-Wan/Snowspeeders Take Flight, Luke’s Nocturnal Visitor, Yoda’s Theme, Attacking a Star Destroyer). Bei dieser Gelegenheit beweist Williams nebenbei gleich, wie versiert er darin ist, ein Thema zu variieren, sodass es einfach nicht langweilig oder nervig wird, egal wie oft es auftaucht. Man muss allerdings hinzufügen, dass ich mich am Imperialen Marsch einfach nicht satthören kann und mir dieses spezielle Leitmotiv einfach niemals auf die Nerven geht, anders als zum Beispiel He’s a Pirate, das in „Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl“ ähnlich oft angespielt wird wie der Marsch in „Das Imperium schlägt zurück“, aber irgendwann stört – wie mit „At World’s End“ bewiesen wurde, ist weniger manchmal einfach mehr.
So, bevor das hier noch weiter ausufert (über den Imperialen Marsch werde ich mit Sicherheit irgendwann in nächster Zeit noch einen ausführlichen Artikel á la Hedwigs Thema schreiben), noch kurz zu den Einsätzen in diesem Soundtrack: Die „ursprüngliche“ Version (die auch in Filmmusikkonzerten immer wieder gerne gespielt wird) eröffnet als Konzertsuite mit dem treffenden Namen The Imperial March (Darth Vader’s Theme) die zweite CD. Das Thema untermalt sowohl Darth Vader als auch das Imperium an sich – in The Asteroid Field zum Beispiel ist der Dunkle Lord nicht selbst gegenwärtig.
Neben diesen drei Themen gibt es wieder einige kleinere Leitmotive, die sich auch als nicht so wirkungsmächtig erwiesen haben. Ein Beispiel wäre Bob Fetts Motiv, das man bei 7:33 in Carbon Freeze/Darth Vader’s Trap/Departure of Boba Fett hört oder das beschwingte Thema der Wolkenstadt in Lando’s Palace, das Kevin Kiner in seinem Soundtrack zu „The Clone Wars“ merkwürdigerweise verwendet hat.
„Das Imperium schlägt zurück“ ist ein Score, der eigentlich keine Schwächen hat. Die thematische Verarbeitung ist vorbildlich und sucht ihresgleichen und es gibt eigentlich keinen Leerlauf. Der Soundtrack zum ersten Star-Wars-Sequel hat alles, was „Eine neue Hoffnung“ hat und darüber hinaus noch drei Hammerthemen, mit denen einzig das Machtthema konkurrieren kann. Exemplarisch für Williams‘ Meisterschaft in diesem Score ist Rescue from Cloud City/Hyperspace, in meinen Augen eines der besten Stücke der gesamten Saga, das durch wirkungsvolles Underscoring und gelungene Variation des Machtthemas und vor allem des Imperialen Marsches perfekt der inneren Konflikt beschreibt, der in Luke und Vader wütet.
Fazit: „Das Imperium schlägt zurück“ ist wegen seiner grandiosen neuen Themen und der gelungenen Verarbeitung der alten der perfekte Sequel-Score und nebenbei auch der rundeste aller Star-Wars-Soundtracks. Sollte sich jemand nur einen einzigen Star-Wars-Soundtrack anschaffen wollen, dann ist dieser der richtige.

Siehe auch:
Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Soundtrack
Star Wars Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Soundtrack
Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung – Soundtrack
Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger
Star Wars Episode III: Die Rache der Sith – Soundtrack
Shadows of the Empire – Soundtrack
Star Wars: The Clone Wars – Soundtrack
Star Wars: The Old Republic – Soundtrack

Everworld Band 2: Die grausame Gottheit


Christopher, April, David und Jalil, vier Teenager aus Chicago befinden sich in einer höchst ungewöhnlichen Situation. Um sie herum kämpfen Wikinger gegen Azteken und deren Gott Huitzilopochtli damit Loki, der Wikingergott der Zerstörung, der die Macht im nordischen Pantheon übernommen hat, Odin freigibt. Als Waffe gegen den Aztekengott, der mit Vorliebe Menschenherzen verschlingt, besitzen die Wikinger Thors Hammer.
Doch leider misslingt das Vorhaben, Huitzilopochtli verliert nicht mehr als einen Arm und Christopher, Jalil und David werden mit den anderen Wikingern gefangen und zur Opferung auserkoren. Erst in letzter Sekunde gelingt ihnen mit Aprils Hilfe die Flucht und das Vierergrüppchen macht sich in den Dschungel auf, der die Aztekenstadt umgibt, wo sie die Gurr-Hatch, befremdliche, aber freundlich gesonnene außerirdische Wesen treffen. Außerdem kommt es zu einer weiteren Begegnung mit Senna, der Hexe, die letztendlich für all das verantwortlich ist und mit einem weiteren einflussreichen Spieler: Dem Zauberer Merlin…
Der zweite Band von Applegates Jugendbuchserie führt den Leser noch tiefer in die Everworld, dieses Mal aus der Perspektive Christophers. Während David zunehmend mehr Gefallen an der Everworld bzw. dem heroischen Leben, das ihm bieten kann, findet, ist Christopher eher darauf versessen, vollständig in sein altes Leben zurückzukehren. Christopher ist eigentlich recht verletzlich, versucht dies aber hinter einer Schicht aus Humor und Vorurteilen zu verbergen. Allgemein ist der Humor in Applegates Romanen sehr angenehm und wirkt an keiner Stelle unpassend. Wie nicht anders zu erwarten lernt der Leser Christopher in diesem Band sehr viel besser kennen, man erhält Einblick in sein Leben und seine Gedanken und erfährt unter anderem wie er Senna zum ersten Mal begegnet ist.
Auch sonst wird die Geschichte stringent fortgesetzt. Applegate schont ihre Leser auch weiterhin nicht, immerhin bekommen es die vier Helden mit einem Gott zu tun, der Menschenherzen verspeist, was er auch vor ihren Augen tut.
Langsam wird auch klar, dass man auf die „große Enthüllung“ noch ein Weilchen warten muss. Pro Band gibt es immer nur kleine Teile des Gesamtbildes, allerdings wird es trotzdem niemals langweilig. Und immerhin betritt in diesem Band bereits eine der interessantesten und wichtigsten Figuren der Serie die Bühne: Der Zauberer Merlin, bestens bekannt aus der Artus-Sage. Bereits in „Die grausame Gottheit“ beginnt er damit, die Götter zu „entzaubern“ und auf ihre fatale Schwäche hinzuweisen. Zwar sind Götter extrem mächtige Wesen, allerdings sind sie, im Gegensatz zu Menschen, nicht in der Lage sich zu wandeln, über ihren Schatten zu springen oder über den Tellerrand hinauszuschauen. Huitzilopochtli etwa ist ein Kriegsgott, der mehr einem Raubtier als einem Menschen gleicht: Der Hunger nach Herzen treibt ihn an, wenn er gesättigt ist, wartet er, bis er wieder hungrig wird. Die Götter können nicht aus ihren Funktionen ausbrechen.
Fazit: „Die grausame Gottheit“ führt die Geschehnisse aus „Die Suche beginnt“ konsequent und spannend fort und liefert neue Erkenntnisse.

Siehe auch:
Everworld Band 1: Die Suche beginnt

Star Wars: The Old Republic – Soundtrack


Tracklisting:

01. Clash of Destiny
02. Glory, The Galactic Republic
03. Domination, The Sith Empire
04. Justice, The Jedi Knight
05. Bravado, The Smuggler
06. Deception, The Sith Warrior
07. Scum, The Bounty Hunter
08. Hope, The Republic Trooper
09. Villainy, The Imperial Agent
10. Peace, The Jedi Consular
11. Treachery, The Sith Inquisitor
12. Shake That Wampa Down
13. See You On The Dark Side
14. Smeeleeya Whao Tupee Upee
15. Run Kessel Run
16. One Chuba Too Many
17. Shapa Keesay (Shape-Shifter)

Zwar spiele ich „The Old Republic“ nicht, aber viele der Dinge, die dieses MMORPG begleiten, sind doch von Interesse für mich. Dazu zählt neben diversen Comics und Romanen natürlich auch der Soundtrack. Als Star-Wars-Musik-Enthusiast frage ich mich natürlich, wie weit Themen aus den Filmen (und in diesem Fall auch aus den KotOR-Spielen) adaptiert wurden und ob TOR einen brauchbaren Beitrag zur Musik der weit, weit entfernten Galaxis liefert. Bei der Collector’s Edition des Spiels findet sich unter anderem auch ein Soundtrackalbum, es ist also nicht notwendig, das Spiel zu spielen, um in den Genuss der Musik zu kommen – wozu hat man schließlich gute Freunde, die sich exakt diese Collector’s Edition besorgt haben und von denen man besagte CD problemlos ausleihen kann. Natürlich kann ich mich nicht dazu äußern, wie die Musik genau im Spiel eingesetzt wird, wodurch mir sicher auch einige thematische Zusammenhänge entgehen, es wird also die CD für sich bewertet.
Ein MMORPG benötigt natürlich sehr viel Musik (u.a. werden nicht nur neu komponierte Stücke eingesetzt, sondern auch die Musik aus den sechs Filmen und den beiden KotOR-Spielen), weshalb dieses Spiel gleich mit einem ganzen Stab an Komponisten aufwartet, darunter viele erfahrene SW-Game-Veteranen wie Jesse Harlin („Republic Commando“) oder Mark Griskey („KotOR II“, „The Force Unleashed I & II“). Um die richtige Atmsophäre vermitteln zu können, entschied man sich für einen stilistischen Hybriden, der Merkmale der KotOR-Spiele mit denen der Filme (v.a. der Prequels) vereinigt. Erfreulicherweise griff man auch auf ein komplettes Orchester mit Chor zurück; das gehört einfach zu Star Wars dazu – gerade das Fehlen eines solchen bei KotOR I hat sich doch recht negativ ausgewirkt.
Der Teil, der für mich natürlich am interessantesten ist, ist die leitmotivische Anknüpfung an die Williams-Soundtracks. TOR spielt ja nun etwa dreieinhalb Jahrtausende vor den Filmen, weshalb eine sinnvolle Anknüpfung eine etwas heikle Sache ist. Im Großen und Ganzen muss ich allerdings sagen, dass TOR erfreulicherweise von den Williams-Themen und Stilmitteln weitaus mehr Gebrauch macht als Kevin Kiners „The Clone Wars“, das immerhin zwischen zwei Filmen spielt und weitaus enger mit deren Musik verbunden sein sollte.
Wie dem auch sei, die Tracks auf der CD lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Normale Musik aus dem Spiel und Cantina-Stücke (zumindest vermute ich, dass es sich um Cantina-Stücke handelt). Zuerst ein paar Worte zu Letzteren: Die Cantina-Stücke, die dankenswerter Weise nur ein Drittel des Albums ausmachen, sollen wohl den Charme von Williams‘ Space-Jazz aus „Eine neue Hoffnung“ reaktivieren (besonders Shake That Wampa Down weißt einige Ähnlichkeiten zu Cantina Band auf) aber, um ehrlich zu sein, das schaffen sie absolut nicht. Im Spiel sind sie vielleicht ganz passend für Cantina-Szenen, aber für sich sind diese Songs bestenfalls nichtssagend und schlimmstenfalls nervend.
Wenden wir uns nun den angenehmeren ersten beiden Dritteln der CD zu. Das Album wird von dem Stück Clash of Destiny eröffnet (Kein Star Wars Main Titel? Sakrileg!), das eine eindeutige Grundstimmung etabliert: Episch. Nicht von ungefähr ruft der Tracktitel Assoziationen zu Duel of the Fates und Battle of the Heroes hervor. Das Stück wartet mit einem gewaltigen Choreinsatz auf und darüber hinaus klingt das zu Beginn vorgestellte Thema stark nach Battle of the Heroes, inklusive der Streicherbegleitung.
Die restlichen zehn Nicht-Cantina-Stücke sind relativ klar zugeordnet: Eines pro Fraktion und Charakterklasse.
Besonders Glory, The Galactic Republic klingt stark nach den Prequels (insbesondere bei etwa 2:30, dort fliegt ein Naboo-Cruiser an meinem inneren Auge vorbei), allerdings ohne eine spezielles Thema zu zitieren. Der Anfang wird von noblen Blechbläsern dominiert, gefolgt von einem recht lyrischen Mittelteil, der langsam ein wenig düsterer wird. Zum Abschluss gibt es noch ein wenig hektisch Actionuntermalung in bester Williams-Manier.
Domination, The Sith Empire bewegt sich erwartungsgemäß eher in den tieferen Registern und klingt zu Anfang dank des marschartigen Rhythmus auch recht militärisch – das hier vorgestellte Thema zieht sich durch das ganze Stück und könnte dem Imperium als Leitmotiv dienen – eine gewisse Verwandtschaft zum Imperialen Marsch ist nicht von der Hand zu weisen. Nach einem etwas ruhigeren Teil kommt auch hier Actionuntermalung, beides wird jedoch vom Imperiums-Thema dominiert. Bei 4:30 setzt schließlich das aus KotOR bereits bekannte Sith-Thema ein, das wiederrum auf dem Palpatine/Sith-Thema von Williams basiert – die KotOR-Version beginnt gleich, hat aber einen veränderten Schluss.
Das nächste Stück, Justice, The Jedi Knight hat mich durchaus überrascht, denn das Thema, das es hier für den Jedi-Orden etabliert, ist in der Tat ein leicht veränderte, aber trotzdem sehr gut erkennbare Version von Yodas Themas; in Anbetracht der Verwendung von Palpatines Thema allerdings eine durchaus naheliegende Wahl. Der Anfang von Justice, The Jedi Knight bezieht sich eindeutig auf die noble Gesinnung und Geisteshaltung des Jedi-Ritters, während der zweite Teil des Stückes den Jedi in Action portraitiert. Bei 1:25 und 3:58 absolviert auch das Machtthema einen kurzen Auftritt, beim zweiten Mal in einer äußerst militärischen Variation. Ich erwähnte es ja bereits in meinem Review zum Soundtrack von „Eine neue Hoffnung“: Wenn es einen verbindenden roten Faden bei der Star-Wars-Musik gibt, dann ist es das Machtthema.
Bravado, The Smuggler wird von einem Thema eröffent, das mich ein wenig Jeremy Soules Thema für die alte Republik aus KotOR erinnert und für meinen Geschmack ein wenig zu nobel und heroisch für einen Schmuggler ist. Der etwas zwielichtigere Teil wird dann allerdings im Mittelteil des Stückes nachgeliefert.
In Deception, The Sith Warrior gibt es schließlich das, was ich mir wirklich gewünscht habe: Ein richtig kräftige Blechbläserperformance des Sith-Themas, die einem Sith-Krieger würdig ist. Zudem erinnert die Begleitung ein wenig an Duel of the Fates. Auch die düsteren Chöre, welche die Sith stets begleiten, fehlen in diesem Stück nicht und dominieren den zweiten Teil.
In Scum, The Bounty Hunter ist das Sith-Thema ebenfalls eingearbeitet, erhält allerdings keinen offensichtlichen Einsatz. Davon abgesehen ist dieses Stück eher uninteressant und weist kein wirklich gutes Thema für die Kopfgeldjäger auf, es wirkt eher wie eine etwas abgespeckte Version des vorhergegangenen Tracks.
In eine ähnliche Kategorie fällt auch Hope, The Republic Trooper – das Stück wirkt zwar gleichzeitig nobel und tatkräftig, aber dabei recht vage; eindeutige Themen lassen sich schwerlich ausmachen.
Auch Villainy, The Imperial Agent ist diesbezüglich nicht sehr ergiebig, punktet aber mit einer schönen Atmosphäre, die gut zum imperialen Agenten passt. Das Stück hat einen „heimlichtuerischen“ und düsteren Anfang, während die zweite Hälfte von Dissonanzen und Choreinsätzen geprägt ist.
Die letzten beiden Stücke schließlich entschädigen für den leitmotivischen Mangel der vorigen Tracks. Peace, The Jedi Consular beginnt mit einem schönen, reinen Statement des Machtthemas und auch das Jedi-Thema (bzw. Yodas Thema) wird angespielt. Dies legt die Vermutung nahe, dass das Jedi-Thema eher für die tatkräftige Seite des Ordens steht (daher in Justice, The Jedi Knight stärker vertreten), während das Machtthema eher für die philosophische, auf die Macht konzentrierte Seite steht.
Ebenso kommt es in Treachery, The Sith Inquisitor zu einigen schönen klassischen Choreinsätzen des Sith-Themas. Dieses Stück ist zugleich ein schöner, finsterer Abschluss des Albums (die noch folgenden sechs Cantina-Stücke ignorieren wir einfach).
Wer sich ebenfalls ein Bild von der TOR-Musik machen möchte, aber keinen Zugriff auf den Collector’s Edition-Soundtrack hat, dem sei hier geraten, einmal die Homepage des Spiels aufzusuchen, auf der es sage und schreibe 44 weitere Musikstücke aus dem Spiel gratis zum Download gibt, die ich hier allerdings nicht mitrezensieren werde, da es dafür schlicht und einfach zu viele sind. Zwar können die meisten davon mit dem, was auf der CD geboten wird, nicht ganz mithalten und es gibt auch einige weitere Cantina-Stücke, die eher unnötig sind. Der Rest ist vor allem atmosphärisch und weniger thematisch. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Stücke völlig gratis sind, gibt es eigentlich nichts zu meckern. Stattdessen habe ich noch ein paar Empfehlungen: The Mandalorian Battle enthält zu Beginn das Thema aus Bravado, The Smuggler und ist auch sonst sehr hörenswert, insbesondere der Choreinsatz am Ende. Korriban, The Homeworld und Tython, The Wellspring sind schöne Ergänzungen zu den Sith- bzw. Jedi-Stücken, Ersteres enthält einen weiteren schön finsteren Einsatz des Sith-Themas und in Letzterem ist natürlich das Machtthema zu hören. Ein besonders interessanter Fall ist schließlich Taris, The Plague, denn auf diesem Planeten treibt offensichtlich Lord Voldemort sein Unwesen, der Anfang dieses Stückes klingt verdächtig nach einem von Williams‘ Voldemort-Themen.
Fazit: Die Musik aus „The Old Republic“ ist eine schöne Ergänzung zum musikalischen Star-Wars-Universum. Anders als Kevin Kiners „The Clone Wars“ enthält der Soundtrack des MMORPGs viele schöne stilistische und thematische Anspielungen an die Williams-Soundtracks und schließt die Kluft zwischen KotOR- und Prequel-Musik. Man merkt, das die Komponistem sich bemüht haben, TOR eine stimmige Untermalung zu geben.

Siehe auch:
Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Soundtrack
Star Wars Episode V: Das Imperium schlägt zurück – Soundtrack
Star Wars Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Soundtrack
Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung – Soundtrack
Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger
Star Wars Episode III: Die Rache der Sith – Soundtrack
Shadows of the Empire – Soundtrack
Star Wars: The Clone Wars – Soundtrack
Musik aus TOR