Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Soundtrack


Tracklisting:

CD 1:
01. 20th Century Fox Fanfare
02. Main Title/Rebel Blockade Runner
03. Imperial Attack
04. The Dune Sea of Tatooine/Jawa Sandcrawler
05. The Moisture Farm
06. The Hologram/Binary Sunset
07. Landspeeder Search/Attack of the Sand People
08. Tales of a Jedi Knight/Learn About the Force
09. Burning Homestead
10. Mos Eisley Spaceport
11. Cantina Band
12. Cantina Band #2
13. Binary Sunset (Alternate)/Main Title Archive

CD 2:
01. Princess Leia’s Theme
02. The Millennium Falcon/Imperial Cruiser Pursuit
03. Destruction of Alderaan
04. The Death Star/The Stormtroopers
05. Wookie Prisoner/Detention Block Ambush
06. Shootout in the Cell Bay/Dianoga
07. The Trash Compactor
08. The Tractor Beam/Chasm Crossfire
09. Ben Kenobi’s Death/Tie Fighter Attack
10. The Battle of Yavin
11. The Throne Room/End Title

Da ich mich zurzeit wieder stärker mit Star Wars beschäftige (was allerdings mehr mit dem Roman „Darth Plagueis“ zusammenhängt als mit dem 3D-Rerelease von „Die Dunkle Bedrohung“), halte ich es nun für angebracht, parallel zu meinen HP-Soundtrack-Reviews nun auch alle sechs Star-Wars-Scores zu rezensieren. Zwar bestünde natürlich auch die Möglichkeit, bei Episode I zu beginnen, aber in Kompositionsreihenfolge ist das Ganze dann doch irgendwie reizvoller, da man so viel besser beobachten kann, wie sich die Themen bzw. die Musik an sich entwickelt. Darum macht die Musik aus „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ den Anfang.
Dieser Score ist, nebenbei bemerkt, in meinen Augen zwar nicht der beste der Reihe, aber mit Sicherheit der wichtigste. Nicht nur begründete John Williams damit den „Sound der Saga“, sondern er brachte nebenbei gleich das große Orchester und die Leitmotivtechnik in die Filmmusik zurück, die in den Jahren zuvor vor allem von kleineren Ensembles und natürlich Pop-Musik geprägt war. Die Leitmotivik, die während der goldenen Ära Hollywoods unter Komponisten wie Korngold oder Steiner populär war, wurde kaum noch eingesetzt. Insofern war Williams‘ klassisches Herangehen zu dieser Zeit eine erfrischende Rückbesinnung, ohne die die heutige Hollywood-Symphonik kaum denkbar wäre. Natürlich haben auch George Lucas und Steven Spielberg Teil daran. Ursprünglich wollte Lucas klassische Musik für sein Sci-Fi-Märchen verwenden, um so einen Kontrapunkt zum fremdartigen und futuristischen Geschehen auf der Leinwand zu setzen – der Zuschauer sollte durch die bekannte Musik Zugang zur Geschichte finden. Doch Steven Spielberg empfahl Lucas John Williams, mit dem er bereits an „Der Weiße Hai“ gearbeitet hatte (wer könnte je das ikonische Thema der Titelfigur dieses Films vergessen?). Der ursprüngliche Plan wurde jedoch beibehalten, Williams orientierte sich recht stark an klassischer Musik und griff auf wagnerianisch anmutende Leitmotive zurück. Gerade bei Episode IV ist seine Technik noch nicht die ausgereifteste oder komplexeste sondern, im Gegenteil, eigentlich relativ einfach – es dominieren Themen für spezifische Charaktere – aber dafür ungeheuer wirkungsvoll – so wirkungsvoll, dass sich viele der Themen unwiederbringlich im popkulturellen Gedächtnis verankert haben. Das Paradebeispiel ist natürlich der Imperiale Marsch, der allerdings erst in „Das Imperium schlägt zurück“ zum ersten Mal auftaucht. Aber das Hauptthema (bzw. Luke Skywalkers Thema), das jeden Star-Wars-Film auf phänomenale Weise eröffnet, ist fast ebenso bekannt wie Darth Vaders Leitmotiv. Neben dem Anfangstitel (Main Title/Rebel Blockade Runner) taucht es immer dann im Film auf, wenn Luke die Leinwand betritt oder sich gerade heldenhaft schlägt (z.B. in The Moisture Farm oder in The Tractor Beam/Chasm Crossfire).
Das zweite wichtige Thema gehört zur weiblichen Hauptfigur, des Films und hat sogar eine Suite spendiert bekommen (Princess Leia’s Theme). Leias Thema ist, passend zur Figur, weitaus lyrischer und weniger blechbläserlastig als Lukes Thema und leitmotivische auch interessanter, da Williams im Verlauf der Filmreihe einige Themen aus diesem entwickelt.
Das Thema, das jedoch allen anderen die Show stiehlt, ist eindeutig das Machtthema das, weitaus mehr noch als das Hauptthema, die eigentlich musikalische Identität der Serie ist. Während das Hauptthema in den Prequels fast ausschließlich zur Eröffnung des Films und während des Abspanns gespielt wird, ist das Machtthema das mit Abstand dominanteste Leitmotiv – nicht nur in den Filmen, sondern auch im Erweiterten Universum. Neben dem Sith-Thema ist das Machtthema zum Beispiel das einzige, das für die beiden KotOR-Spiele adaptiert wurde (wenn man vom obligatorischen Einsatz des Hauptthemas zur Eröffnung absieht), und auch im Soundtrack zu „The Old Republic“ ist es stark vertreten. Wie die Macht durchdringt dieses Thema die Musik der Star-Wars-Saga und hält sie zusammen. Und, mal ehrlich, John Williams hätte kaum ein besseres Thema für diese Aufgabe komponieren können. Seinen ersten großen Auftritt erhält es in The Hologram/Binary Sunset, auch wenn es vorher schon hin und wieder angedeutet wird. Es beschreibt dabei nicht nur die Macht allein, sondern dient u.a. auch als Thema Obi-Wan Kenobis, der, v.a. in „Eine neue Hoffnung“ Lukes Verbindung zur Macht darstellt (zum Beispiel in Tales of a Jedi Knight/Learn About the Force) und wird darüber hinaus auch als Thema für wichtige und markante Ereignisse verwendet. In The Throne Room/End Title untermalt es beispielsweise als heroische Blechbläserfanfare den Sieg der Rebellen.
Neben diesen drei Hauptthemen gibt es noch einige weitere Leitmotive von untergeordneter Bedeutung. Als erstes muss natürlich die Rebellenfanfare genannt werden, die als Thema der Allianz fungiert und den Abspann aller sechs Episoden zusammen mit dem Hauptthema eröffnet. Auch im Film ist sie einige Male zu hören, unter anderem am Ende von Main Title/Rebel Blockade Runner.
Auch das Imperium wird schon musikalisch repräsentiert, allerdings durch einige kleinere, wenig einprägsame Motive, von denen das bedeutendste das Todesstern-Motiv ist, welches unter anderem am Ende von Imperial Attack und bei etwa 1:48 in Burning Homestead zu hören ist. Es handelt sich dabei um eine aufsteigende Melodie, die ein oder zwei Mal auch Darth Vaders Auftritte begleitet und gewissermaßen als Vorläufer des Imperialen Marsches gelten kann, zu dessen Gunsten das Todesstern-Motiv in Episode V schließlich fallen gelassen wurde. Darüber hinaus gibt es noch einige ominösere Motive, u.a. für die Jawas und die Tusken (Ersteres in The Dune Sea of Tatooine/Jawa Sandcrawler, Letzteres in Landspeeder Search/Attack of the Sand People), deren Thematik im späteren Verlauf der Filmreihe allerdings ebenfalls keine Rolle mehr spielt. Eines der wohl bekanntesten Einzelstücke der Saga sollte ebenfalls noch erwähnt werden: Cantina Band, das Weltraum-Jazz-Stück, das auf schräge Weise sehr unterhaltsam ist, wenn es nicht gerade nervt.
Alles in allem ist der Soundtrack zu „Eine neue Hoffnung“ quasi das Modell für viele andere Williams-Soundtracks: Einprägsame, gut verarbeitete Themen, viele Blechbläser und komplexe, wenn auch recht hektische Actionuntermalung (u.a. in Ben Kenobi’s Death/Tie Fighter Attack) – Letzteres hält sich allerdings noch etwas in Grenzen. Dennoch, wer ein Faible für die Arbeit von John Williams hat, sollte sich die Musik aus „Eine neue Hoffnung“ auf jeden Fall zu Gemüte führen – viele der Stilmittel, die immer wieder auftauchen, nahmen hier ihren Anfang.
Das größte Manko dieses Soundtracks ist interessanterweise kein werkimmanentes: „Eine neue Hoffnung“ ist, für sich betrachtet, ein sehr guter Score, allerdings steht er im Schatten seiner besseren Nachfolger. Es ist vor allem der Imperiale Marsch, der hier wirklich schmerzlich fehlt – nach dem Machtthema ist Darth Vaders Leitmotiv der zweite große musikalische rote Faden der Filme; sein Fehlen fällt unangenehm auf. Dieser Vorwurf ist natürlich ein Stück weit unfair, zumindest auf den ursprünglichen Film bezogen, der 1977 in die Kinos kam. Allerdings frage ich mich unweigerlich, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, bei einer der Überarbeitungen der Filme den Imperialen Marsch an einigen Schlüsselstellen einzufügen, anstatt den Ewoks Augenlider zu verpassen oder Sebastian Shaw durch Hayden Christensen zu ersetzen. Immerhin wurden ja auch andere Veränderungen an der Musik vorgenommen, in der eingefügten Jabba-Szene in Episode IV wurde das Thema besagter Figur verwendet, die Festmusik der Ewoks wurde ausgetauscht – warum nicht auch ein wenig vom Imperialen Marsch in „Eine neue Hoffnung“?
Noch ein Wort zur Albenpräsentation: Diese ist vorzüglich. Natürlich ist die Aufnahme nicht die allerbeste – immerhin ist sie schon ein wenig älter, aber dafür gibt es den gesamten Soundtrack auf zwei CDs und nicht nur ein Best-of-Album – so muss das sein.
Fazit: Der Soundtrack zu „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ ist ein vollauf gelungener Score, der jedoch hinter seinen noch besseren Nachfolgern zurückbleibt. Ohne Zweifel der wichtigste Soundtrack der Filmreihe, in meinen Augen allerdings auch der schwächste.

Siehe auch:
Star Wars Episode V: Das Imperium schlägt zurück – Soundtrack
Star Wars Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Soundtrack
Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung – Soundtrack
Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger
Star Wars Episode III: Die Rache der Sith – Soundtrack
Shadows of the Empire – Soundtrack
Star Wars: The Clone Wars – Soundtrack
Star Wars: The Old Republic – Soundtrack