Captain America: The First Avenger


Story: Steve Rogers (Chris Evans) ist engagierter Patriot und möchte seinem Land im Zweiten Weltkrieg dienen – leider hat der schwächliche Spargeltarzan dafür aber nicht die passenden Qualifikationen. Dennoch sieht der aus Deutschland ausgewanderte Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tuccci), der jetzt für das US-Militär arbeitet, Potential in Steve Rogers, weshalb er ihn als Testkandidaten für das „Supersoldatenserum“ vorschlägt, durch das Amerika eine Truppe übermenschlicher Krieger bekommen soll. Das Experiment gelingt zwar, doch durch die Sabotage eines deutschen Spions wird Erskine ermordet und somit bleibt es bei einem Supersoldaten. Obwohl man nicht weiß, wie man „Captain America“ richtig einsetzen soll, wird schon bald klar, dass er gebraucht wird, denn in Deutschland sammelt Johann Schmidt/Red Skull (Hugo Weaving) das Oberhaupt der Geheimorganisation Hydra seine Kräfte…

Kritik: Captain America ist ein Superheld, der in Deutschland einen eher negativen Ruf genießt und als Paradebeispiel für amerikanischen Patriotismus, Propaganda etc. steht. Dies tut der Figur allerdings zumindest teilweise unrecht. Es stimmt natürlich, Captain America wurde als Propagandafigur konzipiert und trat in den 40ern kurz vor dem Kriegseintritt der USA auf. Allerdings wurden mit der Figur in jüngerer Zeit einige interessante und ziemlich amerikakritische Geschichten erzählt, in denen der Held unter anderem feststellen muss, dass Amerika dem Ideal, das er verkörpert bzw. zu verkörpern versucht, ganz und gar nicht gerecht wird. In Marvels Miniserie „Civil War“ wurde er gar in den Untergrund gedrängt und bekämpfte den Staat. Man sollte also nicht den Fehler machen und von Captain America gleich auf Hurrapatriotismus schließen.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie die Verfilmung mit diesem Stoff umgeht. Zwischen düsterer-nihilistischer Dekonstruktion á la Chris Nolans Batman und Beinahe-Propagandastreifen wie Michael Bay und Roland Emmerich sie drehen liegt ein weites Feld. Regisseur Joe Johnsten („Juassic Park 3“, „The Wolfman“) entschieden sich letztendlich für einen relativ angenehmen, aber auch risikoarmen Mittelweg. Bevor auf den Film selbst eingegangen wird, muss noch erwähnt werden, dass es sich hierbei um den fünften Streifen des „Marvel Cinematic Universe“ handelt und um den letzten vor dem Superheldengroßereignis „The Avengers“. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es wieder einige Anspielungen auf die anderen Filme gibt; u.a. hat Dominc Cooper einige sehr unterhaltsame Auftritte als Tony „Iron Man“ Starks Vater Howard Stark (wie der Vater so der Sohn) und auch Nick Fury, abermals von Samuel L. Jackson verkörpert, darf natürlich nicht fehlen. Darüber hinaus gibt es vor allem Verknüpfungen zu „Thor“, der Kosmische Würfel (eine mächtige Energiequelle) aus der Post-Credits-Szene dieses Films ist das MacGuffin von „Captain America“ und Red Skull (am Anfang stilecht mit Hugo-Weaving-Maske unterwegs) erklärt extra für den Zuschauer die Zusammenhänge zwischen Würfel und nordischer Mythologie.
Und nun zum eigentlichen Film: Er ist weitaus erträglicher und unterhaltender, als man (vor allem als deutscher Zuschauer) anhand des Titels schließen würde. Nicht ganz zu Unrecht wurden von diversen Kritikern Parallelen zu den Indiana-Jones-Filmen gezogen: In erster Linie handelt es sich hierbei um ein amüsantes, kurzweiliges Abenteuer, das zwar vor der Kulisse der 40er Jahre bzw. des Zweiten Weltkriegs stattfindet, aber nicht wirklich damit arbeitet. Hydra ist zwar ursprünglich eine Naziorganisation, allerdings sagt sich Anführer Johann Schmidt im Lauf des Films vom Dritten Reich los, um mithilfe des Kosmischen Würfels sein eigenes Ding zu drehen – dementsprechend kämpft Captain America nicht gegen Nazis im eigentlichen Sinn, sondern gegen eine naziähnliche Organisation, quasi eine Pseudo-SS. Damit geht man zwar einigen kritischen Stereotypen aus dem Weg, aber andererseits wird auch einiges an Potential verschenkt; der Film rückt sich selbst dadurch noch stärker in fantastische Gefilde.
Ansonsten ist die Herangehensweise an den Helden der von „Iron Man“ oder „Thor“ recht ähnlich: Man bemüht sich um (Selbst-) Ironie, was vor allem in den Szenen der Fall ist, in der Captain America in der Tat als heillos überzogene Propagandafigur arbeitet und sich damit selbst parodiert. In diesem kurzen Abschnitt vereinigen sich Veralberung und liebevolle Hommage (deutlich zu sehen am Schild und dem kitschigen Kostüm des Captains). Alles in allem versucht man, Steve Rogers als sympathische Figur aufzubauen, allerdings ist er weniger sympathisch und überzeugend als Thor und natürlich von Robert Downey jr.s Tony Stark weit entfernt. Auch sein Widersacher Johann Schmidt/Red Skull besitzt eher einen Reißbrettcharakter. Anders als Loki, mit dem man sogar mitfühlen konnte, ist Red Skull böse, weil er eben böse ist, eine gut ausgearbeitete Motivation gibt es nicht, und daran hapert es auch bei Steve Rogers. Dennoch machen die Schauspieler ihre Sache durchaus gut und wissen zu überzeugen. Chris Evans als Captain America ist weitaus besser als Chris Evans als Johnny „Human Torch“ Storm in den beiden Fantastic-Four-Filmen und Hugo Weaving beim Bösesein zuzusehen ist immer extrem unterhaltsam, auch wenn der rote Totenschädel irgendwie albern wirkt. Zu den Highlights zählt eindeutig Tommy Lee Jones als Colonel Chester Phillips. Der restliche Cast ist gut, fällt aber nicht weiter positiv oder negativ auf.
Etwas, das „Captain America“ ebenfalls mit einigen der anderen Marvel-Filme gemeinsam hat ist das etwas enttäuschende Finale. Die Figuren werden relativ lange aufgebaut, aber die Action, die letztendlich dabei hinten herauskommt, ist zwar gut und unterhaltsam, aber gemessen am Vorgeplänkel fast ein wenig enttäuschend. Wie schon bei „Thor“ ist zu hoffen, dass „The Avengers“ da schließlich Abhilfe schafft.
Fazit: „Captain America“ ist ein überaus unterhaltsamer und kurzweiliger Superhelden-Film, der zwar geschickt die Fallen der Vorlage umschifft, allerdings auch kein Risiko eingeht und das Setting durch Hydra fiktionalisiert. Zwar hapert es ein wenig an der Charakterisierung der Figuren, was aber durch einen gut aufgelegten Cast halbwegs ausgeglichen wird. Darüber hinaus ist er allemal genießbarer als der Hurrapatriotismus, den man regelmäßig von Michael Bay und Roland Emmerich vorgesetzt bekommt.

Trailer

Siehe auch:
Iron Man
Iron Man 2
Thor
The Avengers
Iron Man 3

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2 Kommentare zu “Captain America: The First Avenger

  1. Holle sagt:

    Ich kann deiner Kritik nur zustimmen. Captain Americas Ruf in dEutschland ist zu Unrecht viel zu negativ. Die Verfilmung beweist, dass das Gegenteil der Fall ist. Leider kommt Captain America, wie du bereits erwähnt hast, nicht an Helden wie Tony Stark heran, welcher für mich das Idealbild eines Helden bildet. Dennoch freue mich darauf Marvel/Disneys großen Mischmasch Avengers nächstes Jahr zu sehen, wenn Iron Man, Thor, Captain America und andere zusammengeworfen werden und einen gemeinsamen Film haben werden. Deshalb hatte ich mir Captain America auch nur ursprünglich angesehen, als Ergänzung meines Vorwissens zu diesem Film und ich war angenehm überrascht 🙂

  2. hemator sagt:

    Ja, auf „The Avengers“ freue ich mich auch sehr – allerdings scheint sich das Kostüm des Captains leider zu verschlechtern, sofern man den Promobildern glauben darf. Ich fand den Kompromiss zwischen Vorlagennähe und Realismus in diesem Film gerade noch gut und halbwegs glaubhaft. In „The Avengers“ sieht er allerdings leider eher aus wie während seiner Karriere als Propagandafigur. Aber dafür kehrt Loki als Schurke zurück, was ich sehr begrüße.

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