Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides


Story: Jeder ist hinter der Quelle der ewigen Jugend her. Die Spanier wollen sie mit einer bestimmten Absicht, Blackbeard (Ian McShane), unterstützt von seiner Tochter Angelica (Penélope Cruz), will sie, da ihm sein Tod prophezeit wurde und auch der britische König George II. (Richard Griffiths) hat ein gewisses Interesse an ihr und schickt Hector Barbossa (Geoffrey Rush) aus, der sich inzwischen der königlichen Marine angeschlossen hat. Doch um die Quelle zu erreichen benötigt man Jack Sparrow (Johnny Depp), denn er besitzt die Karte…

Kritik: Der vierte Teil der „Pirates of the Caribbean“ Reihe ist recht schwer zu beurteilen, weswegen ich vorher im Kurzen meine Meinung zu den anderen drei Teilen rekapitulieren möchte. „Curse of the Black Pearl“ ist ein schönes, recht innovatives Abenteuer, dass ich ähnlich wie „Iron Man“ oder „Star Trek 11“ als ziemlich perfekten Unterhaltungsfilm verstehe. „Dead Man’s Chest“ will mehr als der erste Teil und schafft dies auch, die Charaktere werden interessanter, tiefgründiger und entwickeln sich weiter, während die Welt der Filmreihe ebenfalls spannender und größer wird – deshalb auch nach wie vor mein Lieblingsteil der Reihe. „At World’s End“ will ebenfalls mehr und scheitert daran, es gibt gewaltige Vorbereitungen (Calypso, Bruderschaft etc.), die letztendlich nirgendwo hin führen, zudem wird die Figurenentwicklung nicht sinnvoll weitergeführt, stattdessen macht sie ein merkwürdige Kurve. Dennoch hat „At World‘ End“ mitunter die grandiosesten Einzelszenen der Reihe.
Kommen wir nun zu „On Stranger Tides“ und beginnen mal mit dem Negativen: 3D lohnt sich überhaupt nicht. Und, so erfreulich es ist, dass Orlando Blooms und Keira Knightleys Figuren (die spätestens seit Teil 3 nur noch nervender Ballast waren) nicht mehr vorkommen, das neue „junge Liebespaar“, bestehend aus Missionar Philip (Sam Clafin) und Meerjungfrau Syrena (Àstrid Bergès-Frisbey) sind noch ermüdender und langweiliger – zum Glück wurde ihr Handlungsstrang recht kurz gehalten.
Der nächste große Kritikpunkt ist Blackbeard: Als Schurke ist er zwar grundsätzlich nicht übel (Ian McShane hat durchaus ein gewisses bösartiges Charisma), aber dennoch bleibt er weit hinter Barbossa, Davy Jones und Beckett zurück. Seine Motivation wird kaum beleuchtet und sein Hintergrund bleibt völlig im Dunkeln – bei Davy Jones und Barbossa wurde die übernatürliche Natur wenigstens halbwegs schlüssig erklärt. Und schließlich wäre da noch Angelica. Zwar finde ich Penélope Cruz weitaus attraktiver und sympathischer als Keira Knightley, aber ihre Figur ist, salopp ausgedrückt, nicht so der Bringer und fängt irgendwann an zu nerven.
Auffällig ist, vor allem im Vergleich zu Teil 2 und 3 der Reihe, dass „On Stranger Tides“ um einiges kleiner und weniger episch ausfällt, die Geschichte ist sehr viel einfacher und geradliniger. Das ist per se weder gut noch schlecht, ich persönlich habe keine Probleme mit dem epischen Ton, aber nach zwei Filmen macht es auch nichts aus, wenn wieder auf etwas kleinerer Flamme gekocht wird.
Wenden wir uns nun dem eindeutig positiven zu: Alle Hauptakteure (ausgenommen Missionar und Meerjungfrau) zeigen große Spielfreude, selbst jene, die wie Ian McShane und Penélope Cruz nicht ganz so dankbare Rollen abbekommen haben. Das Highlight sind, neben Gastauftritten von Keith Richards als Papa Sparrow, Richard Griffiths als König George II. und Judy Dench als, äh, Passagierin, natürlich wieder Johnny Depp und Geoffrey Rush. Erster spielt seine Figur zum Glück nicht ganz so verkorkst wie in Teil 3, aber verkokst und durchtrieben genug, um mehr als zufriedenstellend zu sein. Geoffrey Rush stellt hier in meinen Augen allerdings alle in den Schatten. Seine Figur hat ein weiteres tragisches Element hinzugewonnen und die klarste und am besten nachzuvollziehende Motivation. Die Interaktion zwischen Depp und Rush ist nach wie vor großartig, und es bereitet große Genugtuung, dass Barbossa am Ende bekommt, was er will.
Auch das Setting ist gut gelungen und vielseitig, von London über Blackbeards Schiff bis zur Quelle selbst. Ebenso versteht es Regisseur Rob Marshall gut, die Action in Szene zu setzen, auch wenn ich Gore Verbinskis Regiestil ein wenig lieber mag. Und dann sind da noch die vollauf gelungenen Meerjungfrauen und das wirklich befriedigende Ende.
Fazit: „On Stranger Tides“ ist durchaus gelungen. Der vierte Film der Serie kann es zwar nicht ganz mit Teil 1 oder 2 aufnehmen, schlägt den dritten Teil allerdings um Längen (auch wenn er weniger gelungene Einzelszenen aufzuweisen hat, dafür ist das Gesamtbild aber weitaus besser).

Nachtrag zum Soundtrack-Review: Der Score im fertigen Film bestätigt leider meinen Eindruck von der CD. Vom Blackbeard-Thema, dem „On Stranger Tides“ Thema und ein wenig Gitarrenmusik (wobei es sehr viel weniger ist, als man letztendlich auf die CD gepackt hat) abgesehen besteht der Soundtrack wirklich fast ausschließlich aus Material der vorhergegangenen Filme, das nicht einmal groß variiert ist. Manchmal verstreut Zimmer ganz gelungene Querverweise, etwa als die Karte Sao Fengs aufgeschlagen wird. Das Liebesthema aus Teil 1 wird zwei Mal zitiert, einmal für Missionar und Meerjungfrau und einmal für Jack und Angelica, das Liebesthema au Teil 3 taucht in der Up is Down-Variation einmal auf und in London hört man immer wieder Versatzstücke des thematischen Materials zu Cutler Beckett und der EITC (zwar ein wenig merkwürdig, aber immerhin haben beide in London ihren Ursprung). All das ist nicht auf der CD zu finden.
Allgemein hat sich meine Meinung nur noch gefestigt: Der Score zu „On Stranger Tides“ ist wirklich verdammt unkreativ und einfallslos.

Trailer

Siehe auch:
Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides Soundtrack

Kindred: The Embraced (Clan der Vampire)


Unglaublich, aber wahr, es gibt eine TV-Adaption des von mir geliebten und verehrten Pen&Paper Rollenspiels „Vampire: The Masquerade“ der Firma White Wolf. Diese Serie hat es nur auf acht Episoden gebracht, da der Hauptdarsteller Mark Frankel in einem Unfall ums Leben kam, aber selbst ohne diesen tragischen Tod wäre es fraglich gewesen, ob die Serie lange weiter gelaufen wäre, da die Zuschauerzahlen nicht die besten waren – gelinde ausgedrückt.
Nun stellt sich natürlich die Frage: Ist diese Serie ein Geheimtipp, die, ähnlich wie zum Beispiel Joss Whedons „Firefly“, einfach falsch vermarktet wurde, ein kostbares Kleinod in der Welt des Fernsehens?
Die Antwort ist eindeutig: Nein. „Kindred: The Embraced“ krankt an zu vielen Stellen, um als gute Unterhaltung zu funktionieren, während die Serie für einen Fan der Vorlage schon fast eine Qual ist.
Die Handlung basiert auf der gewöhnlichen Camarilla-Stadt der Vorlage (auch wenn sämtliche Vampir-Sekten wie Camarilla, Sabbat und Anarchen überhaupt nicht erwähnt werden). Die Vampire von San Francisco, die sich selbst als „Kindred“ bezeichnen (in der deutschen Version der Serie mit „Blutsverwandten“ übersetzt, bei den deutschen V:tM-Regelwerken als „Kainskinder“ bezeichnet) unterteilen sich in mehrere Clans (Brujah, Toreador, Gangrel, Nosferatu und Ventrue) und werden von einem Prinzen namens Julian Luna (Mark Frankel) regiert, bzw. überwacht, der für die Einhaltung der Gesetze sorgt. Um nicht von den Sterblichen entdeckt zu werden, müssen sich die Vampire an die Maskerade halten, das bedeutet, sie müssen ihr wahres Wesen vor den Sterblichen verschleiern.
Jeder der Clans hat einen Vertreter, einen sogenannten Erstgeborenen (Original: „Primogen“), der im Rat der Erstgeborenen für seine Fraktion spricht und versucht, auf den Prinzen einzuwirken. Jeder Clan kämpft um Macht und Vorherrschaft, während gleichzeitig die Menschheit nichts von diesem Kampf erfahren darf. Im Verlauf der Serie kommt es natürlich immer wieder zu Konflikten. So kommt etwa der Polizist Frank Kohanak den Vampiren auf die Spur, Lunas Nichte Sasha (Brigid Brannagh) verliebt sich in den Erstgeborenen der Gangrel (Channon Roe), wird dann aber von einem Brujah zum Vampir gemacht, der Erstgeborene besagten Clans, Eddie Fiori (Brian Thompson) greift nach der Macht und dergleichen.
Das alles wäre an sich gut und schön, man benutzt die Clans und auch einige Fachtermini der Vorlage. Aber die Abweichungen sind wirklich enorm. Der gesamte historische und religiöse Hintergrund der Vampire fehlt erst einmal (im Rollenspiel führen sich die Vampire auf Kain, den biblischen ersten Mörder als ihren Vorfahren zurück, darüber hinaus haben sie eine facettenreiche Geschichte, die wunderbar in die Geschichte der sterblichen verzahnt ist). Auch die Clans an sich wurden verändert. In der Vorlage sind die Brujah etwa Rebellen, Philosophen und Idealisten, während sie in der Serie als Gangster charakterisiert werden. Die Gangrel, in V:tM Vampire, die ihre animalische Natur ausleben, sind in „Kindred: The Embraced“ mehr wie die Brujah der Vorlage. Und die Nosferatu, fürchterlich entstellte Vampire, sehen viel zu harmlos und normal aus.
Darüber hinaus fehlen viele Clans, der komplette Sabbat (die monströseren Vampire), die Unabhängigen (bis auf die Assamiten, Auftragsmörder, die in einer Folge kurz auftauchen), die Endzeitstimmung – ganz allgemein wurde maximal an der Oberfläche der Vorlage gekratzt, wenn überhaupt.
Das wäre jedoch alles verzeihlich, wären Atmosphäre und Grundthema des Rollenspiels gut getroffen gewesen und hätten Handlung und Figuren überzeugen können, doch auch dem ist leider nicht so.
Die Atmosphäre von „Vampire: The Masquerade“ wird in den Regelwerken gewöhnlich als eine Stimmung ständiger Bedrohung und als „Gothic-Punk“ beschrieben – in „Kindred: The Embraced“ ist davon nichts zu spüren. Die Serie fühlt sich an wie eine zweitklassige Gangster-Serie, Düsternis kommt selten auf, von Gothic-Punk ganz zu schweigen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Thema. Einer der Hauptkonflikte in „Vampire: The Masquerade“ ist der des Vampirs mit seinem eigenen inneren Tier: Letztendlich sind alle Vampire Monster, die auf das Trinken menschlichen Bluts angewiesen sind und mit ihrer Menschlichkeit hadern oder diese komplett aufgegeben haben. Diese Thematik wird in der Serie niemals auch nur angeschnitten. Der Hunger nach Blut spielt kaum eine Rolle und auch viele andere Nachteile des Vampirseins wurden beseitigt; so können sich Luna und Co. zum Beispiel auch in der Sonne aufhalten, nachdem sie getrunken haben. Alles in allem fühlen sich die Vampire der Serie einfach nicht wie Vampire an, man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie ein wenig bleich zu schminken, und auch Reißzähne sucht man bei allen außer den Nosferatu vergebens (nun, zumindest glitzern sie nicht in der Sonne). Keiner der Schauspieler schafft es, eine ähnlich raubtierhafte Aura zu erzeugen, wie sie zum Beispiel die Vampire in „Bram Stoker’s Dracula“, „Interview mit einem Vampir“ oder „Underworld“ haben. Und auch sonst wissen sie nicht wirklich zu überzeugen, den wenigsten nimmt man ihre Rollen ab. Das schauspielerische Niveau schwankt zwischen halbwegs annehmbar und einfach schlecht.
Sehr enttäuschend sind auch die Geschichten, die die Serie erzählt. Selbst die schwächeren Quellenbände und Chronikensammlungen des Rollenspiels sind weitaus besser, interessanter und tiefgründiger als alles, was die acht Episoden aufzutischen vermögen. Meist fühlen sich die Konflikte der Vampir-Clans mehr wie ein ganz gewöhnlicher Bandenkrieg an als wie die Auseinandersetzungen der Untoten. Erschwerend hinzu kommt meistens noch, dass die Dialoge wirklich unglaublich flach und einfallslos sind.
Fazit: Wer eine Adaption des Rollenspiels „Vampire: The Masquerade“ sucht, ist mit Len Wisemans „Underworld“ Filmen besser bedient, diese basieren zwar nicht direkt auf der Vorlage (allerding hat White Wolf gegen den Film geklagt), aber sie fangen die Atmosphäre des RPGs weitaus besser ein und die Vampire fühlen sich darüber hinaus auch wie Vampire an. „Kindred: The Embraced“ dagegen enttäuscht auf ganz Linie, mehr als ein paar Fachtermini sind nicht von der Vorlage übrig geblieben.

Siehe auch:
Vampire: The Masquerade
Gehenna: Die letzte Nacht
Underworld

X-Men: First Class


Story: Die Mutter von Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) wurde von dem KZ-Wissenschaftler Klaus Schmidt (Kevin Bacon) ermordet. Seither sucht der junge Mutant, der Metall kontrollieren kann, nach Rache und erfährt gut zwanzig Jahre später, dass Schmidt nun als Sebastian Shaw unterwegs ist und dass es sich bei ihm ebenfalls um einen Mutanten handelt. Zusammen mit seinem Hellfire-Club plant Shaw einen Atomkrieg.
Zur selben Zeit beschäftigt sich auch der junge Genetiker und Telepath Charles Xavier (James McAvoy) mit Mutationen. Letztendlich treffen die beiden zusammen und scharen andere Mutanten um sich, um Shaw aufzuhalten…

Kritik: Während die ersten beiden Filme rund um Charles Xaviers Mutanten im Allgemeinen sehr gut ankamen, waren „X-Men 3: Der letzte Widerstand“ und „X-Men Origins: Wolverine“ eher umstritten, was viele auch an der Nichtbeteiligung von Bryan Singer, dem Regisseur der ersten beiden Teile, festmachten.
Die gute Nachricht: An „X-Men: First Class“ war Bryan Singer wieder beteiligt, wenn auch nur als Produzent und Autor. Die schlechte Nachricht: Der Film wurde sehr überhastet produziert und Regisseur Matthew Vaughn („Kick Ass“) hatte insgesamt recht wenig Zeit. Die überraschende Nachricht: Trotz allem ist ein wirklich guter Film dabei herausgekommen. Der Film ist leider nicht ganz ohne Schwächen, man merkt dem Drehbuch manchmal an, dass es etwas überhastet geschrieben wurde, der Film ist ein wenig zu überladen und die Schurken, in erster Linie Emma Frost (gespielt von January Jones, die eine gute Figur macht, aber bei Weitem nicht alles aus ihrer Rolle herausholen kann, da die attraktive Telepathin zwischendurch auf Eis gelegt wird) und Sebastian Shaw (verkörpert von Kevin Bacon, der sichtlich Freude an seiner Schurkenrolle hat) sind recht flach geraten.
Dafür weiß „X-Men: First Class“ aber mit der gelungenen Charakterisierung der beiden Helden (auch wenn sich das ändert) und Freunde Charles Xavier und Erik Lehnsherr zu überzeugen. Vor allem Michael Fassbender sticht hervor und spielt, wie auch schon in „Inglorious Basterds“, einfach hervorragend. Die Zwiespältigkeit seines Charakters nimmt man ihm jeder Zeit ab, er vermag es, sowohl sympathisch als auch gefährlich zu wirken. James MacAvoy bleibt dahinter ein wenig zurück, seiner Figur ist allerdings auch ein wenig undankbarer. Immerhin bekommt man zu sehen, dass selbst Professor X in seiner Jugend ein wenig wilder war.
Auch die anderen Figuren sind sehr gut besetzt, vor allem Mystique wird in diesem Film zu einem weitaus interessanten Charakter, auch wenn sie manchmal von den anderen Figuren ein wenig merkwürdig behandelt wird und ihre Verbindung zu Xavier an den Haaren herbeigezogen wirkt. Ähnliches lässt sich auch über den Plot sagen. Der Film ist sehr spannend und mitreißend, aber dass die Mutanten fast im Alleingang die Kubakrise ausgelöst und auch verhindert haben, wirkt irgendwie zu reduzierend.
Ich erwähnte ja bereits die Überladenheit – in den letzten zehn Minuten des Films finden einfach zu viele Entwicklungen einen abrupten Ausgang, es wurden auf Biegen und Brechen Dinge mithineingepackt, die erst in ein Sequel gehören.
Nichtsdestotrotz gibt es ein gutes Maß an Action und Humor und viele augenzwinkernde Verweise.
Ein großes Problem ist allerdings die Verbindung zu den anderen Filmen, da sich „X-Men: First Class“ nicht so recht entscheiden kann, ob es ein Prequel oder ein Reboot ist. Einerseits werden viele Verbindungen zu den anderen Filmen gezogen (allein der Anfang oder das Charakterdesgin von Mystique), aber andererseits steht Manches in direktem Widerspruch. Am Ende des Films ist Xavier zum Beispiel bereits gelähmt, während er im Prolog von „X-Men 3“ viele Jahre später noch laufen kann. Vielleicht hängt dies mit Bryan Singer zusammen und „X-Men: First Class“ betrachtet nur die ersten beiden Filme als Kanon, wer weiß.
Fazit: Trotz einiger Fehlerchen ist „X-Men: First Class“ eindeutig der beste X-Men-Film seit „X2“, vor Allem dank der hervorragenden Darsteller und dem richtigen Verhältnis von Action, Humor und charakterlicher Tiefe der beiden Hauptfiguren.

Trailer

Siehe auch:
X-Men

Paul – Ein Alien auf der Flucht


Story: Graeme Willy (Simon Pegg) und Clive Gollings (Nick Frost) sind zwei britische Comicfans, die sich auf einem Rod-Trip durch Amerika befinden und dort auf das Alien Paul (O-Ton: Seth Rogen, deutsche Version: Bela B.) treffen, das aus Area 51 fliehen konnte und nun nachhause möchte. Paul ist allerdings so gar nicht wie E.T., er raucht, flucht und sein Humor ist mehr als anstößig. Das muss auch Ruth Buggs (Kristen Wiig), die Tochter eines evangelikalen Hinterwäldlers feststellen, die auf dem Weg aufgegabelt und deren Weltbild durch Paul kräftig durcheinander gebracht wird. Und natürlich sind auch die Agenten der Regierung hinter dem Alien her…

Kritik: Im Großen und Ganzen hat mich „Paul“ sehr stark an „Fanboys“ erinnert. Wie auch Kyle Newmans liebevolle „Star Wars“ Hommage ist „Paul“ in erster Linie ein Film von Fans für Fans, verpackt als Road Movie und voller Anspielungen und Referenzen an das Sci-Fi-Genre. Das geht in der Tat fast schon so weit, dass man viele der Gags, vor allem, wenn es um die subtileren geht (etwa, wenn in einer Kneipe das Cantina Band Stück aus „Eine neue Hoffnung“ gespielt wird), ohne eine gewisse einschlägige Vorbildung nicht verstehen kann – für mich ist das allerdings kein Kritikpunkt, im Gegenteil.
Darüber hinaus hat „Paul“ vor allem sehr liebenswerte Hauptfiguren vorzuweisen, allen voran Graeme und Clive, bei deren Charakterisierung es erfreulicherweise vermieden wurde, allzu sehr in die Nerd-Klischeekiste zu greifen. Auch Paul ist trotz seiner derben Ausdrucksweise einfach allerliebst – zwar ist er rein äußerlich nicht gerade das innovativste Alien, das man sich vorstellen kann, allerdings wird dieser Umstand sehr gelungen und ironisch gehandhabt.
Und sein Charakter ist dafür umso interessanter, da er eben nicht nur auf die derbe und versoffene Seite reduziert wird.
Nach und nach gesellen sich weitere Figuren zum Ensemble hinzu, etwa die bereits erwähnte Ruth, Regierungsagenten (von denen einer ein doppeltes Spiel spielt) und wunderbar trottelige Sheriffs. Diese und die aberwitzigen Situationen, in die sie geraten (etwa der Comicshop, in dem sich Paul als Cowboy-Alien verkleiden muss) sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Auch die Actionszenen sind, passend zum Rest, herrlich übertrieben.
Unbedingt erwähnt werden muss noch der grandiose Auftritt von Alienkillerin Nummer 1 Sigourney Weaver, der mit einem äußerst unrühmlichen Ende für den „Big Boss“ endet.
Fazit: Überaus gelungenes Sci-Fi-Road-Movie, gewürzt mit Anspielungen und Genre-Hommagen en masse. Allerdings ungeeignet für überzeugte Kreationisten und Evangelikale.

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