Titus


Story: Der siegreiche römische Feldherr Titus Andronicus (Anthony Hopkins) kehrt mit Tamora, der Königin der Goten (Jessica Lange) und ihren Söhnen nach Rom zurück. Den ältesten Sohn der Gefangenen lässt er als Sühne für seine gefallenen Kinder opfern, was Tamora nicht besonders gut aufnimmt und Rache schwört. Sie bandelt mit dem neu gekrönten Kaiser Saturninus (Alan Cumming) an und schmiedet finstere Pläne, die letztendlich zu einem grausamen Blutbad führen…

Kritik: „Titus Andronicus“, ein Frühwerk William Shakespeares, gilt oft, nicht zuletzt wegen seiner blutrünstigen Natur, als sein schwächstes Stück. Und in der Tat ist es wohl die elisabethanische Version eines Splatter-Films. Aber ich muss ganz offen gestehen: Ich liebe die Leinwandadaption von Julie Taymor; von allen Shakespeare-Verfilmungen ist mir diese die liebste (allerdings habe ich Kenneth Branaghs „Hamlet“ noch nicht gesehen, die Blu-Ray liegt allerdings schon bereit). Schon allein Atmosphäre und Konzept sind wirklich genial umgesetzt. Während die meisten Theaterstückverfilmungen entweder in der vom Autor angepeilten Ära spielen (zum Beispiel „Der Kaufmann von Venedig“ mit Al Pacino) oder komplett in eine andere Zeit versetzt wurden (wie „Romeo und Julia“ mit Leonardo DiCaprio) und dabei, bedingt durch die etwas archaische Sprache, recht merkwürdig wirken, pfeift Taymor auf beide Konzepte und bringt ihren „Titus“ in Form einer ziemlich modernen Inszenierung auf die Leinwand. Das Rom, das sie dem Zuschauer vorsetzt, wirkt, als hätte das Römische Imperium bis ins 20. Jahrhundert überdauert. Antike Merkmale mischen sich freudig mit Elementen des italienischen Faschismus und ergeben so ein ungemein passendes und optisch hochinteressantes Gesamtbild. Gewürzt wird das ganze durch viele tolle optische Einfälle, wie die römische Terrakottaarmee am Anfang, die Kostüme (die Senatoren etwa tragen weißte Anzüge, bestückt mit einem rudimentären Überrest der rot-weißen Senatorentoga, und auch sonst wird enorm viel geboten) und die Architektur Roms, die sich der atmosphärischen Prämisse anpasst und Antikes mit Modernem vermischt.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Elliot Goldenthals durchaus innovativer Soundtrack, der gekonnt alles möglichen durcheinandermischt, von epischen, mit Chor unterlegten Orchesterpassagen bis hin zu Jazz und Rock.
Die Schauspieler, sind natürlich erstklassig, vor allem Jessica Lange als rachedurstige Tamora und Alan Cummings als herrlich dekadenter Saturninus. Und natürlich stiehlt, wie nicht anders zu erwarten, der große Sir Anthony Hopkins allen die Show. Das Ende, in dem Titus seinen Feinden ein ganz besonderes Menü vorsetzt, scheint Shakespeare geradezu für Hopkins geschrieben haben und lässt, nebenbei bemerkt, Hannibal-Lecter-Fans wie mich aufjubeln. Natürlich ist „Titus“ ganz allgemein nichts für schwache Mägen, aber zumindest mich stört das nicht weiter.
Fazit: Ein Film, der erfrischend anders ist und sich von allen anderen Theateradaptionen abhebt. Optisch und schauspielerisch brilliant umgesetzt, auch wenn die zugrunde liegende Rache-Story wirklich nicht die allerbeste ist. Trotzdem ein visionärer Streifen, dessen Optik einfach packend ist.

Trailer

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