Black Swan


Story: Die enorm ehrgeizige und perfektionistische Ballerina Nina (Natalie Portman) wird als die Doppelhauptrolle in „Schwanensee“ besetzt – und in der Tat, für den Weißen Schwan ist sie geradezu prädestiniert. Doch bei der Darstellung des lasziven Schwarzen Schwans hapert es gewaltig, da Nina, vor allem in den Augen des Direktors Thomas Leroy (Vincent Cassel) viel zu beherrscht und kontrolliert ist. Ninas folgende Versuche, ihre eigene dunkle und lüsterne Seite zu entdecken, die sie für den Schwarzen Schwan braucht, führen zusammen mit dem enormen Druck, dem Verhältnis zu ihrer Mutter (Barbara Hershey) und Ninas wachsender Paranoia gegenüber ihrer Mittänzerin Lily (Mila Kunis) zu enormen psychischen Problemen. Oder beginnt sie sich tatsächlich in einen wirklichen schwarzen Schwan zu verwandeln?

Kritik: Nachdem ich im Januar hauptsächlich Kritiken über Filme aus der zweiten Reihe geschrieben habe (Fernsehfilme, B-Movies und die Vergewaltigung von Stevensons Meisternovelle), kommt zum Ausgleich mal ein Oscarfavorit an die Reihe.
„Black Swan“ ist in erster Linie ein sehr intimer und enger Film, und zwar in jeder Hinsicht. Es gibt eigentlich nur fünf erwähnenswerte Figuren, von denen vier lediglich die zweite Geige spielen; ganz ohne Zweifel gehört dieser Film Natalie Portman, die hier auf allerhöchstem Niveau spielt, schon allein die körperliche Seite ihrer Rolle ist enorm anspruchsvoll. Diese Fokussierung wird schon durch die Kameraführung klar – der Zuschauer klebt praktisch in jeder Szene an ihr, was ein gewisses klaustrophobisches Gefühl erzeugt. Ansonsten sind die Bilder recht grau und real, allerdings immer wieder unterbrochen durch surreale „Einschübe“.
Der gesamte Film orientiert sich, wie nicht anders zu erwarten, an Tschaikowskis „Schwanensee“; das berühmte Ballett ist Vorlage für die Story, fungiert als Handlungsfokus bestimmt die Symbolik; der Schwan ist allgegenwärtig. Das trifft natürlich in besonderem Maße auf den Soundtrack zu, der die Melodien aus „Schwanensee“ intelligent arrangiert und variiert.
Die oben erwähnte Symbolik ist, nebenbei bemerkt, alles andere als dezent, sorgt aber für starke Bilder; seinen diesbezüglichen Höhepunkt erreicht „Black Swan“ im Finale, als der Schwarze Schwan seinen großen Auftritt hat.
Der Nachteil bei dieser „Schwanenseefixierung“ ist natürlich, dass der Ausgang nicht wirklich zu überraschen weiß; wiedermal ist der Weg das Ziel, und hier wird in der Tat einiges geboten. Regisseur Darren Aronofsky zeigt kunstvoll auf, wie bösartig und finster Ballett sein kann und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in den Wahnsinn, und das, wie erwähnt, nicht gerade zimperlich.
Fazit: Faszinierender, durchaus tiefgründiger Ballett-Horror mit wunderbarer Hauptdarstellerin. Den Oscar dafür hat Natalie Portman allemal verdient.


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