Dr. Jekyll und Mr. Hyde


Story: In der Gegend von Doktor Jekylls (Tony Todd) Labor treibt ein bestialischer Killer sein Unwesen, der junge Mädchen gerne zerstückelt, halb aufrisst und vergewaltigt (in dieser Reihenfolge). Die beiden Polizisten Utterson (Tracy Scoggins) und Enfield (Stephen Wastell) begeben sich auf die Spur des monströsen Killers, der als Edward Hyde (nochmal Tony Todd) bekannt ist, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm und Jekyll um ein und dieselbe Person handelt.

Kritik: Die Idee, Robert Louis Stevensons klassische Erzählung in ein modernes Setting zu transferieren, ist nicht unbedingt verkehrt, auch wenn dadurch natürlich das viktorianische Flair des Originals verloren geht. Was Regisseur John Carl Buechler da allerdings produziert hat, ist ganz sicher keine gute Idee. Wenn man ein übergeordnetes Schlagwort für diesen Film finden möchte, ist „Absolute Unfähigkeit“ wohl das passende. In der Tat sind alle Beteiligten dieses Films absolut unfähig; das beginnt beim Drehbuchautor, der den Figuren völlig lächerliche Sätze in den Mund legt, geht über die Schauspieler die keinerlei glaubhafte Emotionen darstellen können und endet beim Regisseur, der es einfach nicht schafft, Grusel, Spannung oder sonst etwas zu erzeugen. Selbst die deutschen Synchronsprecher sind miserabel. Von der psychologischen Raffinesse und Genialität der Vorlage ist praktisch nichts übrig, ebenso wenig wie vom Geist oder der Spannung. Lediglich einige Namen und der Grundplot sind erhalten geblieben. Edward Hyde zum Beispiel ist ein dämlicher, unfreiwillig komischer Halbaffe, der sich am Ende zu allem Überfluss auch noch in einen vollständigen Affen verwandelt.
Fazit: Dieser Film funktioniert nicht einmal mehr als Trash. Statt ihn sich anzusehen sollte man sich lieber Stevensons Novelle (noch einmal) zu Gemüte führen oder das auf ihr basierende und enorm gelungene Hörspiel aus der Reihe „Gruselkabinett“ anhören.

Trailer

Dracula aus anderer Perspektive Teil 6: „Dracula Cha-Cha-Cha“


Wir schreiben das Jahr 1959: Dracula gedenkt, die moldawische Prinzessin Asa Vajda, wie der Graf selbst auch ein Vampir, zu ehelichen. Bei der Berühmtheit des Bräutigams ist es nur selbstverständlich, dass sich Menschen und Vampire aus der ganzen Welt für dieses spezielle Ereignis interessieren, so auch Charles Beauregard, inzwischen über hundert Jahre alt, aber immer noch für die britische Regierung tätig, seine Freundin und Partnerin Geneviève Dieudonné, Kate Reed und ein britischer Spion namens Hamish Bond. Doch die Veranstaltung steht unter keinem guten Stern: Bereits im Vorfeld treibt ein merkwürdiger maskierter Mörder, der sich „Der Scharlachrote Henker“ nennt, sein Unwesen und tötet Vampirälteste, die zur Hochzeit gekommen sind. Und bei der feierlichen Begehung selbst geschieht das Unglaubliche: Auch Dracula ist offensichtlich ein Opfer des Henkers…
Der dritte Teil von Kim Newmans Vampireops trägt einen, gelinde gesagt, etwas merkwürdigen Titel, der einerseits auf das gleichnamige Lied des Albums „Italian Graffiti“ anspielt und sich andererseits auf den „Tanz“ bezieht, den die Protagonisten über die Jahrzehnte hinweg mit dem König der Vampire „getanzt“ haben. Und auch sonst unterscheidet sich „Dracula Cha-Cha-Cha“ in einigen Punkten stark von den beiden ersten Teilen der Trilogie, auch wenn vieles natürlich ähnlich geblieben ist. Selbstverständlich bezieht Newman wieder, wie nicht anders zu erwarten, Filme und Bücher en masse ein, sowohl Dinge, die offensichtlich naheliegen, als auch solche, bei denen man sich ein wenig wundert, die aber dennoch passen. Vampir aus den verschiedensten Epochen tauchen auf, wenn auch dieses Mal eher Rande, darunter bereits bekannte wie Lord Ruthven, aber auch solche, die bisher noch nicht erwähnt wurden, wie zum Beispiel Faethor Ferenczy aus Brian Lumleys „Necroscope“. Und auch ansonsten geben sich viele „Prominente“ die Klinke in die Hand; etwa ein amerikanisches Ehepaar namens Addams, ein Footballspieler aus Kansas mit Namen Kent (um auf den Vornamen zu kommen muss man nicht lange raten), Michael Corleone aus „Der Pate“ oder Vater Lancester Merrin aus „Der Exorzist“. Eine wichtigere Rolle spielt der bereits erwähnte Spion Hamish Bond, dessen Identität unschwer zu erkennen ist; Kim Newman musste aus Copyright-Gründen lediglich die gälische Version von James nehmen.
Das Setting des dritten Teils ist dieses Mal natürlich von der Ewigen Stadt geprägt und soll zu dem eine Hommage an die Filme Federico Fellinis darstellen; entsprechend üppig gestaltet sich auch die Atmosphäre und entsprechend unterscheidet sie sich auch von „Anno Dracula“ und „Der Rote Baron“.
Auch in Bezug auf den eigentlichen Plot und die Figurenkonstellation hat sich einiges verändert. So haben wir dieses Mal kein neues Ermittlerpärchen mehr, sondern stattdessen werden Geneviève und Kate, der jeweils weibliche Teil der Pärchen der ersten Bände, in den Fokus gerückt. Auch Penelope Churchward, die in „Anno Dracula“ als Charles Beauregards Verlobte am Rande auftauchte, bekommt dieses Mal eine wichtigerere Rolle.
Die Charakterisierung dieser drei Frauen ist dabei sehr interessant und gelungen, auch wenn sie für meinen Geschmack einen wenig zu oft in Tränen ausbrechen.
Charles Beauregard dagegen steht am Ende seines Lebens und ist nun mehr hauptsächlich Zuschauer, während Dracula, der große Widersacher, ein relativ unrühmliches Ende bekommt. Seine Entwicklung sehe ich recht zwiespältig. Einerseits ist interessant und durchaus realistisch, aber andererseits ist es fast schade, dass der König der Vampire diese Welt derartig verlassen muss.
Fazit: „Dracula Cha-Cha-Cha“ kommt, wie schon „Der Rote Baron“ nicht an „Anno Dracula“ heran, auch wenn Newmans Schreibstil bei diesem dritten Band kaum mehr Probleme macht. Dennoch ist dem Autor abermals ein interessanter Vampirroman gelungen, der sich aus dem ganzen Einheitsbrei abhebt und die Trilogie würdig zu einem (hoffentlich nur vorläufigen) Abschluss bringt.

Siehe auch:
Dracula aus anderer Perspektive Teil 1: „Anno Dracula“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 2: „Der Vampir“ und „Vlad“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 3: „Auf Draculas Spuren“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 4: „Bram Stoker’s Dracula“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 5: „Der Rote Baron“