Die Saat


Der Großteil der aktuellen Vampirneuerscheinungen ist meistens romantischer und/oder erotischer Natur. Guillermo del Toros und Chuck Hogans „Die Saat“ (welches ich in Hörbuchform, von David Nathan gelesen, konsumiert habe) hebt sich von der grauen Masse durch in der heutigen Zeit fast schon innovativen Traditionalismus ab. Das Autorenduo erfindet dabei ganz sicher das Rad nicht neu, „Die Saat“ bewegt sich ganz eindeutig auf klassischen Spuren und leugnet das auch nicht, aber es ist schön, wenn die Vampire einfach mal wieder nur böse sind.
Der Plot erinnert im Groben ein wenig an „Dracula“, ist allerdings keine Eins-zu-Eins Übertragung in die Moderne wie John Marks‘ „Der Vampir“. Die Handlung beginnt mit der Landung einer Boeing 777 am JFK-Airport in New York. Schnell wird klar, dass einiges hier nicht mit rechten Dingen zugeht, denn alle Menschen an Bord bis auf vier sind tot. Dieser Umstand ruft Doktor Ephraim Goodweather von der Seuchenschutzbehörde auf den Plan, doch weder er, noch seine Kollegen sind auf das vorbereitet, was an Bord des Flugzeuges nach Amerika gekommen ist, nämlich die schlimmste vorstellbare Seuche überhaupt: Der Vampirismus, in Gestalt des Ältesten Jusef Sardu.
Der einzige, der Goodweather helfen kann, ist Professor Abraham Sektrakian, ein Überlebender des Holocaust, der bereits zuvor mit Sardu zu tun hatte. Zusammen mit einigen Helfern müssen die beiden nun versuchen, das „Virus“ aufzuhalten, bevor es sich unaufhaltsam ausbreitet.
Spontan würde ich annehmen, dass es zwei Haupteinflussquellen für „Die Saat“ gibt. Die eine ist natürlich Dracula, was sich schon an den vielen mehr oder weniger versteckten Anspielungen zeigt. Die Boeing 777 erinnert stark an die in Whitby einlaufende Demeter, Jusef Sardu weist eindeutig den einen oder anderen „draculösen“ Zug auf, inklusive osteuropäischer Herkunft und Setrakian trägt den Vornamen Abraham wohl auch nicht zufällig.
Die zweite Einflussquelle ist einer von del Toros Filmen, nämlich (leider?) der offensichtlichste: „Blade 2“. In gewisser Weise ist das durchaus schade; die philosophische Ebene, die zum Beispiel „Pans Labyrinth“ oder „Hellboy 2“ auszeichnete, fehlt in „Die Saat“. Stattdessen gibt es reichliche und ziemlich deftig-blutige Horroraction und, wie auch schon in „Blade 2“, eine eher wissenschaftliche Herangehensweise an die Vampire. Zudem erinnern sie sogar ein wenig an die Reaper aus oben erwähntem Film. Darüber hinaus zeichnet sich der Roman vor allem durch einen gut und atmosphärisch aufgebauten Anfang aus. Besonders die langsame Wandlung der vier Überlebenden des Fluges halte ich für enorm gelungen und interessant. Der Schlussteil dagegen wirkt ein wenig überhastet; am Ende geht alles sehr schnell und fast ein wenig zu unspektakulär.
Der eigentliche Protagonist, Ephraim Goodweather, erfüllt seinen Zweck ganz gut, auch wenn der geschiedene, seinen Sohn liebende Vater relativ klischeehaft und in letzter Zeit etwas überstrapaziert ist („Krieg der Welten, „2012“ etc.) Auch Abraham Setrakian ist nicht wirklich innovativ und erinnert stark an eine Kombination aus seinem Namenspatron aus „Dracula“ und Whistler aus der „Blade“-Reihe, der zu allem Überfluss ebenfalls denselben Vornamen trägt.
Einerseits hätte man durchaus mehr erwarten können, aber andererseits ist es auch schön, sich einen kurzweiligen Vampirthriller zu Gemüte zu führen, der sich der Flut der Twilight-Trittbrettfahrer entgegenstellt.
Die actionreiche, sehr filmische Handlung gibt darüber hinaus auch David Nathan (u.a. deutsche Synchronstimmte von Christian Bale und Johnny Depp) die Gelegenheit, ein weiteres Mal zu beweisen, dass er ein erstklassiger Sprecher ist und sich gerade für Spannungsliteratur wunderbar eignet.
Fazit: Kurzweilig, actionreich, blutig und absolut nicht romantisch, alles von David Nathan hervorragend interpretiert. Monströse Vampire waren einfach mal wieder nötig.

Solomon Kane


Story: Nach einer Begegnung mit einem Gesandten des Teufels schwört der Pirat Solomon Kane (James Purefoy) der Gewalt ab und zieht sich in ein Kloster zurück. Doch dieses muss er schon bald wieder verlassen und durch die Lande ziehen. Während dieser Zeit nimmt ihn die Familie Crowthorne bei sich auf insbesondere mit Familienoberhaupt William (Pete Postlethwaite) und Tochter Meredith (Rachel Hurd-Wood) freundet sich Solomon an. Doch das friedliche Leben hält nicht an, denn die Schergen des tyrannischen Magiers Malachai (Jason Fleming) verheeren das Land, töten die Crowthornes und entführen Meredith. Da bleibt Solomon natürlich nur eine Möglichkeit: Er greift wieder zu den Waffen…

Kritik: Wie auch Conan der Barbar ist Solomon Kane eine Schöpfung von Pulp-Autor Robert E. Howard, im Gegensatz zu dem bereits von Arnold Schwarzenegger verkörperten Barbaren allerdings eine eher weniger bekannte. Vom Konzept her sind sich beide auch gar nicht so unähnlich; harte Krieger, deren Weste nicht unbedingt die weißeste ist.
Übrigens sollte man sich vom historischen Setting des Films (er spielt um 1600 herum) nicht täuschen lassen, dieses ist kaum mehr als Staffage, die Handlung würde fast genauso in einer reinen Fantasy-Welt oder einem anderen „archaischen“ Zeitalter funktionieren, da die realweltlichen Bezüge kaum vorhanden sind und ohne Weiteres hätten gestrichen werden können.
Ob die Figur gut umgesetzt wurde kann ich, da ich die Vorlage nicht kenne, auch nicht beurteilen, allerdings bin ich der Meinung, dass die Pulp-Wurzeln sehr gut spürbar sind. Die Figuren sind allesamt eher Archetypen, die Charakterisierung hauptsächlich formal, Selbstironie fehlt völlig. Aber ehrlich; wer eine Charakterstudie sehen möchte, wird sich bestimmt nicht diesen Film anschauen. Dementsprechend stehen auch die schauspielerischen Leistungen nicht wirklich im Mittelpunkt. James Purefoy ist da noch am erwähnenswertesten. Er tut in gewissem Sinne das, was er schon in der Serie „Rom“ mit Marcus Antonius getan hat: Er schafft es, einer eigentlich nicht sehr umgänglichen Figur sympathische Züge zu verleihen, sodass man als Zuschauer mitfiebern kann. Vor der deutschen Synchronisation sei allerdings gewarnt; diese ist grottenschlecht. Wer des Englischen mächtig ist, sollte den O-Ton bevorzugen.
Was den Film wirklich sehenswert macht, sofern man die übertriebene religiöse Erlösungssymbolik ertragen kann, sind Atmosphäre und Konzeption. „Solomon Kane“ ist nämlich so richtig schöne klassische Dark Fantasy, die man in Filmform ohne Werwölfe und/oder Vampire sonst eher selten antrifft. Alles ist so richtig dreckig, es gibt finstere, dämonische Widersacher etc. Auch die Action kann sich durchaus sehen lassen.
Fazit: „Solomon Kane“ ist ein richtig nettes, kleines, gewalttätiges, düsteres, dreckiges B-Movie, dem zwar hin und wieder ein Schuss Ironie fehlt, aber das zumindest mich sehr gut unterhalten hat.

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Shatterpoint


Der Roman „Shatterpoint“ (ich verabscheue den bescheuerten und absolut nicht treffenden deutschen Titel „Mace Windu und die Armee der Klone“) ist der zweite Star Wars Roman meines favorisierten EU-Autoren Matthew Stover und der erste (den Roman zu „Angriff der Klonkrieger“ nicht mitgerechnet), der in den Klonkriegen spielt bzw. zum ersten Klonkriege Multimediprojekt gehört. Aber wie schon Stovers SW-Erstling „Verräter“ ist auch „Shatterpoint“ weit mehr als ein gewöhnlicher EU-Roman. Schon „Verräter“ wies einige Parallelen zu einem Werk der klassischen Literatur auf (Dantes „Göttliche Komödie“), welche man allerdings eher erahnen musste. „Shatterpoint“ bewegt sich nun schon näher an einer literarischen bzw. filmischen Vorlage und kann fast als Adaption gesehen werden. Das entsprechende Werk ist Jospeh Conrads „Heart of Darkness“ bzw. Francis Ford Coppolas Verfilmung „Apocalpyse Now“.

Kurz zur Handlung: Einige Monate nach der Schlacht um Geonosis (Episode II) erreicht die Republik eine Nachricht der Jedi-Meisterin Depa Billaba, die das Schlimmste befürchten lässt. Die ehemalige Padawan-Schülerin von Mace Windu ist kurz nach Beginn des Krieges auf den Dschungelplaneten Haruun Kal geschickt worden, um dort gegen die Separatisten zu helfen und die machtbegabten Korunnai (von diesem Volk stammt Mace Windu ab) eventuell für die Republik zu rekrutieren. Doch die Nachricht deutet darauf hin, dass nicht nur Depas Mission fehlgeschlagen, sondern dass sie auch verrückt geworden oder sogar der Dunklen Seite der Macht verfallen ist. Mace Windu beschließt deshalb, selbst zu seiner Heimtwelt zu fliegen und dort die Dinge in Ordnung zu bringen. Doch die Reise durch den unwirtlichen Dschungel Haruun Kals erweist sich als schwierig und Mace Windu wird nicht nur mit schrecklichen Feinden konfrontiert, sondern auch mit seiner eigenen Dunkelheit…

Eigentlich sind die Klonkriege für diesen Roman nur ein Aufhänger, theoretisch hätte er auch in eine andere Epoche des SW-Universums gepasst. Umso unsinniger und irreführender ist, wie oben bereits erwähnt, die Übersetzung des Titels „Shatterpoint“ mit „Mace Windu und die Armee der Klone“. „Shatterpoint“ bezieht sich auf Mace Windus besondere Fähigkeit, Bruchpunkte (Shatterpoints) wahrzunehmen, und das sowohl im direkten, physischen (Mace kann Schwachpunkte an Gegenständen und Gegnern finden) als auch im übertragenen Sinn (so war Count Dooku während der Schlacht um Geonosis ein Bruchpunkt; wäre er dort gestorben, hätten die Klonkriege verhindert werden können). Die „Armee der Klone“ hingegen taucht nur auf den letzten hundert Seiten des Romans auf und spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Aber nun zum Roman selbst: Für einen Star Wars Roman ist „Shatterpoint“ extrem düster und realistisch, besonders, was den Krieg, aber auch die Charaktere angeht. Zwischen dieser Version und den Klonkriegen, die gerade im Fernsehen laufen, liegen in der Tat Welten. Natürlich gibt es auch in „Shatterpoint“ Action, aber im Vordergrund stehen zweifelsohne die Figuren. Besonders Mace Windu ist ein extrem dreidimensionaler Charakter mit Schwächen und Selbstzweifeln und keinesfalls der Überjedi, als der er sonst dargestellt wird. Besonders interessant sind auch die Einschübe aus seinem Tagebuch, durch die der Leser immer wieder direkt durch Windus Augen sieht.

Auch als Adaption von „Heart of Darkness“ bzw. „Apocalypse Now“ funktioniert „Shatterpoint“ sehr gut, zwar übernimmt Stover sehr viele Elemente der ursprünglichen Geschichte (gerade der Anfang erinnert sehr stark an „Apcalypse Now“), baut aber auch sinnvolle und erweiternde Änderungen ein.

Bei Stover darf natürlich auch die philosophische Seite nicht fehlen; wie in all seinen anderen Werken auch gibt es eine interessante Sichtweise auf die Macht, dieses Mal durch die Korunnai, deren Betrachtung der Macht sich stark von der der Jedi unterscheidet. Und natürlich ist „Shatterpoint“ auch sehr gut und spannend geschrieben, lediglich die Übersetzung ist manchmal ein wenig holprig.

Fazit: Wie schon die Klonkriegscomics der Republic-Serie, der Roman zu „Rache der Sith“ oder die Legacy-Comicreihe gibt es hier ein sehr viel düstereres, realitischereres Star Wars, das zumindest mir persönlich sehr gut gefällt und weitaus mehr Tiefe hat als gewisse Animationsserien. „Shatterpoint“ gehört nach wie vor zu den herrausragendsten und besten EU-Werken.

Siehe auch:
Die Klonkriege – Persönliche Einschätzung

Centurion


Story: Im Jahre 117 nach Christus befindet sich das Römische Reich auf dem Rückzug aus Schottland; die dortigen Eingeborenen, die Pikten, erweisen sich als zu starke Kämpfer. Während eines Kampfes gerät der Zenturio Quintus Dias (Michael Fassbender) in die Gefangenschaft der Pikten, doch es gelingt ihm zu fliehen, woraufhin er sich der Neunten Legion unter Kommandant Titus Flavius Virlius (Dominic West) anschließt, die allerdings gerade ausgezogen ist, um die Pikten zu vernichten. Abermals müssen die Römer eine Niederlage einstecken und nur Quintus Dias und einige wenige Legionäre überleben und müssen sich durch das Feindesland schlagen – verfolgt von der gnadenlosen Piktenkriegerin Etain (Olga Kurylenko).

Kritik: In vielerlei Hinsicht erinnert „Centurion“ an die Jerry Bruckheimer Produktion „King Arthur“ – nur dass erstgenannter Film um einiges geradliniger, dreckiger, blutiger und kurzweiliger ist. Und der Artus-Hintergrund fehlt natürlich.
„Centurion“ ist mit Sicherheit kein wirklich innovativer, und schon gar kein anspruchsvoller Film, aber er macht einfach unheimlich viel Spaß, hat eine tolle Atmosphäre, düstere wilde Bilder und ist enorm spannend. Wie aus der Storybeschreibung bereits hervorgeht, dreht sich alles um eine Gruppe Soldaten, die sich hinter den Feindlichen Linien durchschlagen müssen. Die einzelnen Charaktere bleiben dabei leider relativ blass und austauschbar. Lediglich Quintus Dias ist ein wenig interessanter als der Rest. Michael Fassbender kann natürlich nicht an seine Glanzleistung aus „Inglorious Basterds“ anschließen – „Centurion“ ist dafür schlicht und ergreifend der falsche Film – aber dennoch schafft er es, seinem Charakter die nötige Sympathie zu verleihen, sodass der Zuschauer mitfiebern kann.
Ansonsten ist unter den Darstellern eigentlich nur noch Ex-Bondgirl Olga Kurylenko erwähnenswert, die ihre etwas undankbare Rolle mit Bravour meistert: Die von ihr gespielte Piktenkriegerin Etain ist nämlich stumm. Kurylenko schafft es dennoch, ihrer Figur eine Aura der Gefährlichkeit zu verleihen und gleichzeitig dabei auch noch verdammt gut auszusehen.
Gut gefallen hat mir auch, dass der Film für keine der beiden Seiten Partei ergreift; die Pikten werden nicht als edle Wilde dargestellt und die Römer nicht als Zivilisationsbringer. Gut und Böse existieren nicht, nur Jäger und Gejagte, die die Rollen immer mal wieder tauschen.
Die Action, für die meisten vermutlich der Hauptgrund, sich diesen Film anzusehen, ist vom Feinsten und darüber hinaus noch ordentlich dreckig und blutig. Ebenfalls sehr hübsch sind noch die Landschaftsaufnahmen, auch wenn die obligatorisch Bergwanderung mit Kameradrehung nicht fehlt, die seit „Die Gefährten“ in fast jedem Fantasy- und Historienfilm vorkommt.
Fazit: Netter Actioner mit Römer-Setting, der keine besonderen Ambitionen hegt, sondern einfach nur unterhalten will und dies auch schafft.

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Merlin


Story: Königin Mab (Miranda Richardson), die Herrscherin der Feen (oder der Magie oder so was in die Richtung), fürchtet um ihr Leben, da sich das Christentum immer weiter ausbreitet und sie kaum mehr Anhänger hat, die an sie und den Alten Weg glauben. Aus diesem Grund erschafft sie Merlin (Sam Neill), einen Zauberer, der die Dinge für sie richten soll. Doch Merlin ist mit Mabs rabiatem Vorgehen absolut nicht einverstanden und emanzipiert sich von ihr. Stattdessen versucht er, einen gerechten Herrscher für Britannien zu finden, doch Uther Pendragon (Mark Jax), den Merlin ursprünglich ausgewählt, erweist sich als Enttäuschung. Stattdessen setzt Merlin nun seine Hoffnung in Uthers Sohn Artus (Paul Curran), doch dessen Halbschwester Morgan le Fay (Helena Bonham Carter) hat sich mit Mab zusammengetan, um Merlins Bemühungen zu unterbinden.

Kritik: Die Artus-Sage wurde schon auf die verschiedensten Arten filmisch bearbeitet, unter anderem als aufwändiges Fantasy-Spektakel („Excalibur“), als grimmiger, wenn auch ziemlich inkorrekter Historienfilm („King Arthur“) und sogar als feministische Version („Die Neben von Avalon“). Keiner dieser Streifen ist in meinen Augen wirklich schlecht, aber wirklich überragend sind sie auch nicht.
Mein erster Berührungspunkt mit dieser klassischen Geschichte ist jedoch das Sujet dieses Reviews. Der zweiteilige Fernsehfilm „Merlin“ schlägt rein qualitativ in eine ähnliche Kerbe; ganz gut, aber bei Weitem nicht überragend. Dennoch denke ich, dass er mir die liebste Verfilmung des Stoffes ist, da er etwas besitzt, was die anderen nicht aufweisen können: Einen dicken Nostalgiebonus.
Sicher, die Effekte waren schon nach damaligen Standards nicht gerade gut und sind heute nur noch lächerlich und die Storyführung ist auch nicht die besten; während es im ersten Teil durchaus Längen gibt, werden die Stationen der Sage im zweiten Teil zu schnell abgearbeitet. Und selbstverständlich finden sich auch diverse Klischees und unnötige Albernheiten. Aber dennoch besitzt „Merlin“ seinen ganz eigenen, besonderen Charme. Zum einen ist es natürlich interessant, den beratenden Zauberer in der Hauptrolle zu sehen und das nicht, wie sonst üblich, als alten Mann mit Rauschebart (unter Ausklammerung der Rahmenhandlung natürlich). Was diesen Film darüber hinaus noch äußerst sehenswert macht, sind die Darsteller, allen voran natürlich Sam Neill als Merlin und Miranda Richardson als Mab, aber auch Martin Short als Kobold Frick, Helena Bonham Carter als Morgan le Fay und Rutger Hauer als Vortigern. Hin und wieder übertreiben sie etwas, aber man merkt ihnen die Spielfreude deutlich an.
Fazit: Gut unterhaltende, aber bei Weitem nicht fehlerfreie Version der Artus-Sage, die zumindest für mich einen großen Nostalgiewert besitzt.

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Dr. Jekyll und Mr. Hyde


Story: In der Gegend von Doktor Jekylls (Tony Todd) Labor treibt ein bestialischer Killer sein Unwesen, der junge Mädchen gerne zerstückelt, halb aufrisst und vergewaltigt (in dieser Reihenfolge). Die beiden Polizisten Utterson (Tracy Scoggins) und Enfield (Stephen Wastell) begeben sich auf die Spur des monströsen Killers, der als Edward Hyde (nochmal Tony Todd) bekannt ist, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm und Jekyll um ein und dieselbe Person handelt.

Kritik: Die Idee, Robert Louis Stevensons klassische Erzählung in ein modernes Setting zu transferieren, ist nicht unbedingt verkehrt, auch wenn dadurch natürlich das viktorianische Flair des Originals verloren geht. Was Regisseur John Carl Buechler da allerdings produziert hat, ist ganz sicher keine gute Idee. Wenn man ein übergeordnetes Schlagwort für diesen Film finden möchte, ist „Absolute Unfähigkeit“ wohl das passende. In der Tat sind alle Beteiligten dieses Films absolut unfähig; das beginnt beim Drehbuchautor, der den Figuren völlig lächerliche Sätze in den Mund legt, geht über die Schauspieler die keinerlei glaubhafte Emotionen darstellen können und endet beim Regisseur, der es einfach nicht schafft, Grusel, Spannung oder sonst etwas zu erzeugen. Selbst die deutschen Synchronsprecher sind miserabel. Von der psychologischen Raffinesse und Genialität der Vorlage ist praktisch nichts übrig, ebenso wenig wie vom Geist oder der Spannung. Lediglich einige Namen und der Grundplot sind erhalten geblieben. Edward Hyde zum Beispiel ist ein dämlicher, unfreiwillig komischer Halbaffe, der sich am Ende zu allem Überfluss auch noch in einen vollständigen Affen verwandelt.
Fazit: Dieser Film funktioniert nicht einmal mehr als Trash. Statt ihn sich anzusehen sollte man sich lieber Stevensons Novelle (noch einmal) zu Gemüte führen oder das auf ihr basierende und enorm gelungene Hörspiel aus der Reihe „Gruselkabinett“ anhören.

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Dracula aus anderer Perspektive Teil 6: „Dracula Cha-Cha-Cha“


Wir schreiben das Jahr 1959: Dracula gedenkt, die moldawische Prinzessin Asa Vajda, wie der Graf selbst auch ein Vampir, zu ehelichen. Bei der Berühmtheit des Bräutigams ist es nur selbstverständlich, dass sich Menschen und Vampire aus der ganzen Welt für dieses spezielle Ereignis interessieren, so auch Charles Beauregard, inzwischen über hundert Jahre alt, aber immer noch für die britische Regierung tätig, seine Freundin und Partnerin Geneviève Dieudonné, Kate Reed und ein britischer Spion namens Hamish Bond. Doch die Veranstaltung steht unter keinem guten Stern: Bereits im Vorfeld treibt ein merkwürdiger maskierter Mörder, der sich „Der Scharlachrote Henker“ nennt, sein Unwesen und tötet Vampirälteste, die zur Hochzeit gekommen sind. Und bei der feierlichen Begehung selbst geschieht das Unglaubliche: Auch Dracula ist offensichtlich ein Opfer des Henkers…
Der dritte Teil von Kim Newmans Vampireops trägt einen, gelinde gesagt, etwas merkwürdigen Titel, der einerseits auf das gleichnamige Lied des Albums „Italian Graffiti“ anspielt und sich andererseits auf den „Tanz“ bezieht, den die Protagonisten über die Jahrzehnte hinweg mit dem König der Vampire „getanzt“ haben. Und auch sonst unterscheidet sich „Dracula Cha-Cha-Cha“ in einigen Punkten stark von den beiden ersten Teilen der Trilogie, auch wenn vieles natürlich ähnlich geblieben ist. Selbstverständlich bezieht Newman wieder, wie nicht anders zu erwarten, Filme und Bücher en masse ein, sowohl Dinge, die offensichtlich naheliegen, als auch solche, bei denen man sich ein wenig wundert, die aber dennoch passen. Vampir aus den verschiedensten Epochen tauchen auf, wenn auch dieses Mal eher Rande, darunter bereits bekannte wie Lord Ruthven, aber auch solche, die bisher noch nicht erwähnt wurden, wie zum Beispiel Faethor Ferenczy aus Brian Lumleys „Necroscope“. Und auch ansonsten geben sich viele „Prominente“ die Klinke in die Hand; etwa ein amerikanisches Ehepaar namens Addams, ein Footballspieler aus Kansas mit Namen Kent (um auf den Vornamen zu kommen muss man nicht lange raten), Michael Corleone aus „Der Pate“ oder Vater Lancester Merrin aus „Der Exorzist“. Eine wichtigere Rolle spielt der bereits erwähnte Spion Hamish Bond, dessen Identität unschwer zu erkennen ist; Kim Newman musste aus Copyright-Gründen lediglich die gälische Version von James nehmen.
Das Setting des dritten Teils ist dieses Mal natürlich von der Ewigen Stadt geprägt und soll zu dem eine Hommage an die Filme Federico Fellinis darstellen; entsprechend üppig gestaltet sich auch die Atmosphäre und entsprechend unterscheidet sie sich auch von „Anno Dracula“ und „Der Rote Baron“.
Auch in Bezug auf den eigentlichen Plot und die Figurenkonstellation hat sich einiges verändert. So haben wir dieses Mal kein neues Ermittlerpärchen mehr, sondern stattdessen werden Geneviève und Kate, der jeweils weibliche Teil der Pärchen der ersten Bände, in den Fokus gerückt. Auch Penelope Churchward, die in „Anno Dracula“ als Charles Beauregards Verlobte am Rande auftauchte, bekommt dieses Mal eine wichtigerere Rolle.
Die Charakterisierung dieser drei Frauen ist dabei sehr interessant und gelungen, auch wenn sie für meinen Geschmack einen wenig zu oft in Tränen ausbrechen.
Charles Beauregard dagegen steht am Ende seines Lebens und ist nun mehr hauptsächlich Zuschauer, während Dracula, der große Widersacher, ein relativ unrühmliches Ende bekommt. Seine Entwicklung sehe ich recht zwiespältig. Einerseits ist interessant und durchaus realistisch, aber andererseits ist es fast schade, dass der König der Vampire diese Welt derartig verlassen muss.
Fazit: „Dracula Cha-Cha-Cha“ kommt, wie schon „Der Rote Baron“ nicht an „Anno Dracula“ heran, auch wenn Newmans Schreibstil bei diesem dritten Band kaum mehr Probleme macht. Dennoch ist dem Autor abermals ein interessanter Vampirroman gelungen, der sich aus dem ganzen Einheitsbrei abhebt und die Trilogie würdig zu einem (hoffentlich nur vorläufigen) Abschluss bringt.

Siehe auch:
Dracula aus anderer Perspektive Teil 1: „Anno Dracula“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 2: „Der Vampir“ und „Vlad“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 3: „Auf Draculas Spuren“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 4: „Bram Stoker’s Dracula“
Dracula aus anderer Perspektive Teil 5: „Der Rote Baron“