Batman: The Animated Series


Das Warner-Brothers-Logo erscheint vor blauem Himmel, und während die düstere Musik zu spielen anfängt, verwandelt es sich in einen Polizeizeppelin, dessen Scheinwerfer eine nächtliche Großstadt beleuchten.
Die Kamera wandert durch die Häuserschluchten zu einer Bank. Bereits der rote Nachthimmel deutet an, dass dies keine gewöhnliche Metropole ist. Vor der Bank sind kurz einige Männer in Hüten und Mänteln zu sehen, dann explodiert das Gebäude auch schon. Die Musik spiegelt dies wieder und geht schließlich in Danny Elfmans Batman-Thema über, als wir sehen, wie das Batmobil die Bathöhle verlässt und auf Gotham-City zufährt (denn um welche andere Stadt sollte es sich schon handeln?).
Abermals werden uns die Bankräuber gezeigt, die vor der Polizei auf ein Dach flüchten, aber dort zu ihrem Unglück dem Dunklen Ritter begegnen, der kurzen Prozess mit ihnen macht.
Als die Polizei schließlich eintrifft, sind die Gangster bereits gefesselt und die Kamera wandert nach oben und zeigt Batman als Wächter der Stadt. Kurz erhellt ein Blitz seine schattenhafte Gestalt, bevor der ganze Bildschirm schwarz wird.
Schon allein das Intro von „Batman: The Animated Series“ ist anders als alles, was man zuvor im Bereich der Zeichentrickserie sehen konnte.

Entstehung, Konzeption und Design
Der Dunkle Ritter hat eine lange und bewegte Geschichte im TV, beginnend mit der allseits bekannten Serie aus den 60ern mit Adam West in der Titelrolle. Aber auch im Zeichentrickbereich war Batman oft vertreten, zum Teil allein, bzw. zusammen mit Robin (und Batgirl und Batwoman und Batmite und dem Bathund…) oder im Team mit anderen Superhelden, wie es zum Beispiel bei den „Super-Friends“ der Fall war.
Aber diese Serien waren für ihre Zeit typisch: Vollkommen auf Kinder zugeschnitten, meist albern und für Fans der Comics eher unbrauchbar.
Doch zum Glück betraute man bei Warner Brothers im Zuge des Erfolgs des ersten Batman-Films Bruce Timm und Paul Dini mit der Erschaffung einer neuen Serie. Diese Serie wurde schließlich zu „Batman: The Animated Series“, und, wie oben bereits erwähnt, unterschied sie sich von allem, was bisher existiert hatte.
Für gewöhnlich werden drei Hauptinspirationsquellen genannt: Die von den Fleischerstudios produzierten Superman-Cartoons aus den 40ern, die Batmancomics der 80er und natürlich Tim Burtons Batman. Zu den Erstgenannten kann ich nichts sagen, aber die Einflüsse der beiden anderen sind deutlich im Design zu spüren; die Einflüsse des Burton-Films und Frank Millers „The Dark Knight Returns“ sind unleugbar – dennoch wird nicht einfach nur plump kopiert. „Batman: The Animted Series“ hat ihren ganz eigenen Stil, ihre ganz eigene Atmosphäre. Natürlich ist die Grundstimmung düster, Art-Deco-Elemente sind vorherrschend und ganz allgemein erinnert die Stimmung in Gotham City stark an den klassischen Film Noir der 40er.
Aber nicht nur das Design unterschied sich stark vom vorher Dagewesenen, sondern auch durch der Inhalt; nicht nur die Atmosphäre war düster, die Geschichten, die die Serie erzählte, waren es ebenfalls. „Batman: The Animated Series“ nahm sein Publikum ernst und schreckte, trotz recht harter Jugendschutzvorgaben, nicht davor zurück, erwachsenere Themen anzuschneiden. Das trifft natürlich nicht auf jede Folge zu, und nicht jede Folge ist qualitativ gleichgut, aber im Großen und Ganzen war und ist die Serie sehr viel düsterer und erwachsener als alles, was es davor gab.

Die Figuren
Natürlich sind die meisten in der Serie vorkommenden Figuren bereits aus den Comics bekannt, das gilt sowohl für die Helden als auch für die Schurken. Die Zahl der extra für die Serie erfunden Figuren ist sehr gering, aber wenn ein neuer Charakter geschaffen wurde, hatte er entweder fast gar keinen Widerhall (wie zum Beispiel die Schurkin Red Claw), oder er wurde zur Kultfigur (Harley Quinn).
In den Augen vieler Batman-Fans sind die Schurken, so wie sie in „Batman: The Animated Series“ umgesetzt sind, die beste Adaption.
Das beste Beispiel ist Mister Freeze: Dieser war früher ein typischer verrückter und ziemlich alberner Wissenschaftler mit Kältefixierung. Durch Bruce Timm und Paul Dini wurde aus ihm ein tragischer und ernstzunehmender Charakter, dessen Frau an einer unheilbaren Krankheit leidet. Victor Fries (so der bürgerliche Name) forscht nach einem Gegenmittel, doch sein Arbeitgeber streicht ihm die Mittel. Fries versucht dennoch, weiterzuforschen, was zu einem Unfall führt, der es Fries unmöglich macht, bei warmen Temparaturen zu überleben, weshalb er auf einen Kälteanzug angewiesen ist. Als Mister Freeze sucht er sich anschließend an dem Mann zu rächen, der sein Leben zerstört hat.
Diese Hintergrundgeschichte war bei den Fans derart beliebt, dass sie für die Comics übernommen wurde.
Auch die meisten Schurken, die bereits beliebt waren und Kultstatus genossen, wurden in angemessener Weise umgesetzt. Die besten Beispiele hierfür sind Two-Face und der Joker.
Two-Face ist mit eine der tragischsten Figuren bei Batman: Ursprünglich ein rechtschaffener Staatsanwalt, wird er durch einen Unfall verunstaltet und zum auf die Zahl Zwei fixierten Verbrecher, gewinnt hier einige zusätzlich Facetten hinzu.
Über den Joker habe ich mich bereits ausführlich genug ausgelassen, die Version aus „Batman: The Animated Series“ stellt eine Kombination der verschiedenen Inkarnationen der Figur dar und schwankt auf dem schmalen Grat zwischen Spaßmacher und Psychopath.
Grundsätzlich sind fast alle Schurken, von Poison Ivy über Scarecrow bis hin zu Ra’s al Ghul sehr gelungen und für gewöhnlich auch, gerade für eine Kinderserie, sehr facettenreich.
Gleiches gilt natürlich auch für den Helden: Batman selbst wird natürlich ebenfalls sehr vielschichtig gezeichnet, wobei auch der Bruce-Wayne-Teil nicht vernachlässigt wird. Batman ist hier nicht ganz so getrieben wie in anderen Adaptionen (allerdings wird er mit der Zeit düsterer), dafür kann man mit ihm allerdings ein wenig mehr mitfühlen, ohne dass die Substanz der Figur verloren geht.

Die Sprecher
Da ich zwar in meiner Kindheit natürlich die deutschen Folgen gesehen habe, aber mich an diese Synchronisation kaum erinnere, wird es hier ausschließlich um den O-Ton gehen.
Die „Voice-Actors“, die für „Batman: The Animated Series“ verpflichtet wurden, sind ohne Ausnahme erstklassig. Auch in diesem speziellen Bereich besitzt diese Serie Vorreiterstatus, da sie an keiner Stelle wie ein Cartoon klingt; jede Figur wird absolut überzeugend gesprochen.
Am wichtigsten ist natürlich Batman, der von Kevin Conroy vertont wird (ich glaube, ich habe ihn schon das eine oder andere Mal im Zuge meiner Reviews zu den DC Universe Animated Original Movies erwähnt). Nach wie vor ist Conroy, der Batman öfter „gespielt“ hat als alle Live-Action-Darsteller zusammen, für mich einfach die Stimme Batmans. Wenn ich einen Batman-Comic lese (insbesondere, wenn es ein englischer ist) höre ich Kevin Conroys Stimme. Seine Art, den Dunklen Ritter zu sprechen ist einfach so unglaublich passend, dass man es kaum beschreiben kann – man muss es hören.

Kevin Conroy

Aber Conroy ist natürlich nicht der einzige geniale Sprecher. Ähnliches wie bei Batmans Stimme gilt für mich auch bei Alfred (gesprochen von Efrem Zimbalist jr.) und viele der Schurken. Herausragend ist natürlich vor allem Mark Hamill als Joker. Ich bin jedes Mal von Neuem erstaunt, was dieser Mann mit seiner Stimme machen kann und wie viele kranke und irre Lachvariationen er drauf hat. Er benutzt das Lachen des Jokers beinahe wie ein Instrument.

Mark Hamill

Auf diese Art und Weise könnte ich mich noch ewig über jeden einzelnen Sprecher auslassen, zum Beispiel über die tolle schnarrende Stimme von Richard Moll als Two-Face oder über Arleen Sorkins Performance als Harley Quinn, aber das würde eindeutig den Rahmen dieses Artikels sprengen, deswegen belassen wir es hierbei und wenden uns stattdessen einem anderen Aspekt zu.

Die Musik
Eine weitere Besonderheit dieser Serie, vor allem im Vergleich zu vielen anderen, ist, dass für jede Folge ein Original-Soundtrack komponiert und von einem Orchester eingespielt wurde – für eine Zeichentrickserie ein enormer Aufwand. Als Grundlage und stilistische Orientierung verwendete man Danny Elfmans enorm erfolgreichen Soundtrack zu Tim Burtons „Batman“, insbesondere das Thema des Titelhelden, das in abgewandelter Form auch zur Untermalung des Vorspanns verwendet wurde. Als „musikalische Leiterin“ wurde die leider 2006 verstorbene Komponisten Shirley Walker angeheuert, die schon Elfmans Score zu „Batman“ orchestrierte und dirigierte und die auch den Soundtrack zu vielen der Folgen geschrieben hat (weitere Komponisten waren zum Beispiel Lolita Ritmanis und Michael McCuistion). Walker benutzte dabei exzessiv die Leitmotivtechnik und schrieb für viele der vorkommenden Charaktere ein markantes Motiv, zum Beispiel ein verspieltes, nach Zirkusmusik klingendes Thema für den Joker oder eine Melodie für Two-Face, die wie die bösartige Pervertierung eines Kinderliedes klingt. Ihr absolutes Meisterstück ist jedoch ohne Zweifel ihr Batman-Thema. Elfmans Thema für den Dunklen Ritter war schon gut und passend, aber Walker schafft es, buchstäblich noch eins draufzusetzen. Ihr Motiv ist gleichzeitig heroisch, düster und tragisch und ist in meinen Augen das einzige Musikstück, dass Batmans Charakter wirklich trifft. Elfman ist immerhin noch in die Nähe gekommen, Hans Zimmer und James Newton Howard (die Komponisten von „Batman Begins“ und „The Dark Knight“) haben es leider verpasst, ein markantes Thema zu kreieren, Elliot Goldenthal (Komponist von „Batman Forever“ und „Batman und Robin“) hat zwar ein markantes Thema geschaffen, das aber nicht zur Figur passt und über die Titelmelodie der 60er Serie mit Adam West reden wir lieber gar nicht erst. Um es zusammenzufassen: Walker lässt sie alle alt aussehen.

Shirley Walker

Revamp
Eigentlich endete „Batman: The Animated Series“ bereits 1995, doch die direkte Nachfolgeserie „The New Batman Adventures“ (in Fankreisen oft auch „Gotham Knights“ genannt) wird gemeinhin einfach zum Vorgänger dazugezählt, da die Sprecher fast ausnahmslos dieselben sind und beide Serien zur selben Kontinuität gehören. Dennoch gibt es zwischen B:TAS und TNBA einige markante Unterschiede. Am gravierendsten ist natürlich die Designänderung (auch als „Revamp“ bezeichnet), der die Figuren unterzogen wurden, um das allgemeine Aussehen an „Superman: The Animated Series“ anzugleichen und Crossover zu ermöglichen. Dabei wurde das Design vereinfacht und der Detailreichtum zurückgeschraubt. Während manche Figuren, wie etwa Harley Quinn oder Two-Face relativ unverändert blieben, wurden bei anderen wirklich drastische Änderungen vorgenommen. Manchen, wie zum Beispiel Scarecrow, tat dies sehr gut – seine TNBA-Inkarnation ist die furchterregendste überhaupt. Für andere Charaktere war der Revamp leider weniger vorteilhaft, insbesondere für den Joker, der ohne seine charakteristischen roten Lippen irgendwie merkwürdig aussah. In der Tat war diese Designänderung so unbeliebt, dass man für spätere Auftritte der Figur in Spin-Off-Serien wie „Justice League“, „Batman Beyond“ oder „Static Shock“ zu einem abermals veränderten Aussehen griff, das das alte und das neue Design vereinte.
Aber auch der Erzählfokus veränderte sich und konzentrierte sich nun mehr auf Batmans Partner (darum auch „Gotham Knights“). In B:TAS gab es ja nur Robin und hin und wieder mal Batgirl. In TNBA haben wir nun einen neuen Robin (Tim Drake), den ersten Robin Dick Grayson als Nightwing und Batgirl als Hauptfigur – das Figurenarsenal hat sich also stark erweitert.

Die „Gotham Knights“ nach dem Revamp

Die Episoden
„Batman: The Animated Series“ hat (TNBA miteingerechnet) 109 Episoden, zwei zugehörige Direct-to-Video-Filme, einen zugehörigen Kinofilm sowie einige Abstecher in andere Serien. Natürlich ist nicht alles wirklich gelungen, auch bei dieser Serie gibt es natürlich schwächere Episoden, aber neben dem enorm guten Durchschnitt gibt es eben auch Folgen, die wirklich herausragend sind. Und damit Episoden dieses Kalibers auch den Platz bekommen, den sie verdienen, werde ich sie aus diesem Artikel ausquartieren und stattdessen die Reviews zu meinen Lieblingsepisoden extra bringen.

Fazit: Nach wie vor ist „Batman: The Animated Series“ eine meiner absoluten Lieblingsfernsehserien. Sie hat mich durch meine Kindheit begleitet, war während meiner frühen Teenagerzeit leider abwesend (vor allem, weil die Staffelboxen hierzulande nicht zu erwerben waren, bzw. immer noch sind und es damals noch keine Folgen auf youtube gab), kam dann aber in der späten Teenagerzeit wieder und ist nach wie vor eine der besten Adaptionen des Dunklen Ritters.

Weitere Artikel zum DCAU:
Das DC Animated Universe
Batman: Mask of the Phantasm
B:TAS: Klassisches Design vs. Revamp
BB: Meltdown
Stück der Woche: Shirley Walkers Batman-Thema in BB

Machete


Story: Der illegale mexikanische Einwanderer und ehemalige Bundesagent Machete (Danny Trejo) wird von einem Mann namens Booth (Jeff Fahey) angeheuert, den gegen illegale Einwanderer wetternden Senator McLaughlin (Robert De Niro) umzubringen, doch das Attentat erweist sich als Falle, das McLaughlin zusätzliche Wahlstimmen einbringen soll, damit Booth, ein Drogenhändeler und nebenbei auch noch der Berater des Senators, von dessen Gesetzen profitieren kann. Doch Booth hat die Rechnung ohne Machete gemacht, der wider erwartend überlebt und mithilfe der Polizistin Sartana Rivera (Jessica Alba) und der Revoluzzerin Shé (Michelle Rodriguez) Rache nimmt.

Kritik: Das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends (wobei einige „Vorposten“ auch schon in den 90ern zu finden sind) brachte uns eine Gattung von Actionfilmen, die praktisch eine Art Gegengewicht zu den grimmigen Genrevertretern der 80er á la van Damme oder Stallone darstellen. Diese Filme sind fleischgewordene Cartoons der gewaltverherrlichenden Sorte, in denen das Blutvergießen dermaßen hemmungslos übertrieben ist, dass man es weder ernst nehmen kann noch soll. Ganz allgemein ist diesen Filmen nichts heilig, alles wird parodiert und bis ins Absurdeste überspitzt, am liebsten die eigenen Genrekonventionen. Streifen wie „Shoot ´em up“, „Crank 1&2“, „Planet Terror“ oder eben „Machete“ sind dabei mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, und tiefgründige Unterhaltung darf man schon gar nicht erwarten, aber sie machen zumindest mir verdammt viel Spaß.
„Machete“ geht ursprünglich auf einen Fake-Trailer zurück, der Teil von Rodriguez’ und Tarantinos Grindhouse-Projekt (zu dem „Machete“ selbst auch irgendwie noch gehört) war und beim Publikum auf große Zustimmung stieß, sodass sich Rodriguez entschloss, einen echten Film zu falschen Trailer zu drehen. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn es nicht ganz so abgedreht und phantasievoll wie „Planet Terror“ ist. Die Story ist natürlich zweitrangig, es geht vor allem darum, Danny Trejos Machete cool aussehen zu lassen und möglichst abgedrehte Actioneinlagen zu inszenieren.
Die schauspielerischen Schwergewichte sind allerdings auf der Schurkenseite zu finden, denn der Titelheld des Films ist nun wirklich keine Figur, die einen begnadeten Charakterdarsteller benötigen würde. Trejo spielt seine Rolle genauso, wie man das erwarten würde, stoisch, cool, unnahbar. Jessica Albas Sartana Rivera wirkt dagegen zu harmlos und anständig für den Film, die Leading Lady ist eindeutig Michelle Rodriguez als Shé. Und Lindsay Lohans April ist irgendwie überflüssig.
Jeff Fahey als Michael Booth ist da schon interessanter als die Guten, das Highlight ist allerdings Robert de Niro, der mit sichtlicher Freude rechtsgerichtete Politiker im Allgemeinen und George W. Bush im Besonderen parodiert.
Ansonsten ist „Machete“, bedingt durch die Einwandererthematik, ein wenig politischer als „Planet Terror“, dafür aber, wie oben erwähnt, weniger durchgeknallt. Für schwache Mägen ist der Streifen dennoch keinesfalls geeignet, dafür sorgen schon diverse Gartenutensilien und natürlich die Darmliane.
Fazit: Ziemlich genau, was ich erwartet habe: Überdrehte Action, Blut und Gedärme. Manchmal ist „Machete“ allerdings noch fast ein wenig zu brav, allerdings hat Rodriguez noch einen Director’s Cut angekündigt, der dieses „Problem“ vielleicht beheben kann.

Original Fake-Trailer
Trailer

Weitere Kritiken zu Filmen von Robert Rodriguez:
Sin City

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1


Story: Es wird finster in der Zaubererwelt. Nach einer gelungenen Flucht aus dem Haus seiner Verwandten kehrt Harry Potter (Daniel Radcliffe) erstmals mit seinen Freunden Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) nicht nach Hogwarts zurück, sondern entschließt sich, Lord Voldemorts (Ralph Fiennes) Horkruxe, die Mittel zu seiner Unsterblichkeit, zu suchen und zu vernichten. Währenddessen schlägt der Dunkle Lord bereits zu, tötet Zaubereiminister Rufus Scrimgeour (Bill Nighy) und setzt stattdessen seine Marionette Pius Thicknesse (Guy Henry) an die Spitze der Zaubererwelt. Praktisch hat er damit gewonnen, allerdings fehlt noch eines zu seinem Sieg: Der Tod von Harry Potter. Dieser befindet sich derweil mit seinen Freunden auf der Flucht, und obwohl es ihnen gelungen ist, einen Horkrux an sich zu bringen, wissen sie weder, wie sie ihn zerstören können, noch wo die anderen sein könnten. Nebenbei hat der Horkrux selbst auch noch eine unangenehme Wirkung, die die Aufgabe nicht gerade einfacher macht.

Kritik: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ ist nicht ganz leicht zu bewerten, da er sich von den anderen Filmen grundsätzlich unterscheidet. Zum einen fehlen, wie nicht anders zu erwarten, die vertrauten Strukturen der Schule, oder mit anderen Worten, das „Gewohnte“ bei einem Harry-Potter-Film, und zum anderen ist der siebte Band nicht gerade mein Lieblingsteil. Dennoch muss man den Film anders bewerten als die Vorlage, da er eine Adaption darstellt. Und als solche ist er seit den Filmen 1 und 2 die wohl buchgetreuste Leinwandumsetzung. Das liegt natürlich vor allem an der Zweiteilung; im Gegensatz zu den Filmen 3 bis 6, in denen Regisseure und Drehbuchautoren immer komplexere und dickere Romane in relativ „kurze“ Filme umsetzen mussten, hat David Yates hier nun Zeit – und nutzt diese auch. Zwar geht es am Anfang durchaus hoch her, doch der Film beruhigt sich sehr schnell und ist mit Sicherheit der leiseste und ernsteste Streifen der Reihe. Ich würde nicht soweit gehen und ihm dabei, wie einige Kritiker dies tun, jeglichen Humor absprechen, denn dieser ist durchaus vorhanden, aber er ist sehr leise und sparsam.
Ebenso sparsam ist die Action, die, wie schon im „Halbblutprinzen“ ebenfalls recht reduziert ausfällt. Mit der „Schlacht über Little Winghing“ erreicht der Film diesbezüglich bereits seinen frühen Höhepunkt, der allerdings sehr schnell wieder vorbei ist. Auch die spärlichen weiteren Kämpfe (Verfolgung im Wald, Scharmützel in Malfoy Manor) sind sehr kurz und für den Action-Fan in mir kaum befriedigend. Allerdings wird, nach Aussagen einiger Beteiligter, wohl der zweite Film eine einzige Schlacht sein, insofern ist das also vielleicht ganz passend.
Wie bereits erwähnt, im Fokus stehen die ruhigeren Szenen. Noch mehr als üblich konzentriert sich der Film auf das Trio, das über weite Strecken allein unterwegs ist. Dieser Mittelteil des Films ist nicht unbedingt langweilig, er ist ein wenig geraffter als im Buch und gibt vor allem Emma Watson – in diesem Fall muss ich mich der allgemeinen Kritikermeinung anschließen – Gelegenheit, zu zeigen was sie kann, aber dennoch…
Es gibt einige schöne „Abschweifungen“ vom Haupthandlungsstrang (wir sehen zum Beispiel, wie Todesser den Hogwartsexpress durchsuchen oder wie Voldemorts Marionetten-Regime seine Arbeit aufnimmt), aber ich hätte zu gerne noch ein paar mehr dieser „Abschweifungen“ gehabt.
Eine interessante Wandlung hat auch die Atmosphäre durchgemacht. Nach wie vor finde ich, dass der „Halbblutprinz“ der atmosphärisch dichteste Teil der Reihe ist, dessen dunkle, aber sehr surreale Stimmung sich manchmal der eher komödiantischen Handlung zu widersetzen scheint. Im ersten Teil der „Heiligtümer des Todes“ haben wir dagegen einen kalten und düsteren Realismus, bedingt durch die vielen Außen- und Landschaftsszenen. Die Leute, die bereits den direkten Vorgängern zur Last legten, es mangle an „Magie“, werden mit dieser Atmosphäre sicher nicht glücklich. Ich selbst bin diesbezüglich allerdings noch etwas unentschlossen, da ich die Stimmung und Farbgebung des „Halbblutprinzen“ wirklich genial fand und mir gewünscht hätte, dass diese beibehalten wird.
Die meisten Fehler und Kritikpunkte, die „ Die Heiligtümer des Todes Teil 1“ aufzuweisen hat, sind eigentlich nicht Fehler des Films selbst, sondern der Vorlage (die diversen Logikbrüche, auf die ich nicht noch einmal eingehen werde und die im Film auch weniger gravierend wirken) und der Vorgänger. Die Einführung von Bill Weasley beispielsweise oder die Wiedereinführungen von Dobby, Kreacher und Fleur Delacour wirken reichlich konstruiert, eben weil diese bereits in den vorherigen Filmen hätten erfolgen sollen.
Absolut keine Fehler (bis auf den, dass sie zu wenig Leinwandzeit haben) gibt es bei den Nebendarstellern, die, wie üblich, ein großes Plus darstellen. Am meisten dominiert noch Ralph Fiennes der (unter anderem in Harrys Visionen) auch mal ein wenig öfter auftauchen darf und Lord Voldemort nach wie vor wunderbar spielt. Den Höhepunkt gibt es auch hier wieder direkt am Anfang, nämlich in der Todesserszene in Malfoy Manor, in der Fiennes ein weiteres Mal zeigt, wie überzeugend, charismatisch, ironisch und bösartig er als Schurke doch sein kann. Imelda Stauntons Umbridge ist ebenso bösartig-genial wie schon im „Orden des Phönix“, Jason Isaacs als Lucius Malfoy schafft es in nur zwei Szenen und mit einigen wenigen Gesten perfekt, einen vollkommen gebrochenen Mann darzustellen und Helena Bonham Carters Bellatrix Lestrange erreicht neue Höhen der Bosheit und wirkt erstmals richtig beängstigend. Auch die Neuzugänge sind wieder einmal wunderbar besetzt, Bill Nighy spielt ein weiteres Mal ein Alphatier und kommt als Rufus Scrimgeour sogar sympathischer rüber als im Buch (schade, dass er schon so früh stirbt), Rhys Ifans als Xenophilius Lovegood ist sehr passend und auch Guy Henry, der seinen Pius Thicknesse sehr subtil als freundlichen, harmlos wirkenden Bürokraten anlegt (im Film wird nicht geklärt, ob er unter dem Imperius-Fluch steht, aber die gezwungene Art des Handelns und seine zitternde Hand deuten darauf hin), weiß zu überzeugen. Aus unserer eigenen Geschichte wissen wir ja genau um die Gefährlichkeit scheinbar harmloser Bürokraten, und im Gegensatz zur Muggelgeborenenregistrierungskommission (tolles Wort) ist diese Anspielung auf das Dritte Reich weder plump noch plakativ geworden. Allgemein hat man sich erfreulicherweise nicht allzu sehr am „faschistischen Design“ orientiert, zwar dürfen die obligatorischen SS-Mäntel nicht fehlen und auch die Sicherheitsleute im Zaubereiministerium kommen einem irgendwie bekannt vor, aber davon einmal abgesehen ist die Nazi-Symbolik eigentlich ziemlich erträglich.
Erwähnt werden muss in jedem Fall noch die tolle Umsetzung des Märchens der drei Brüder, das eindeutig einen der absoluten Glanzpunkte darstellt. Diese animierte Sequenz erinnert an ein Schattenspiel und ist einfach erfrischend und schön und bereichert den Film ungemein.
Fazit: Erstaunlich, dass aus der ersten Hälfte des schwächsten Buches der Reihe die stärkste Adaption wurde. „Die Heiligtümer des Todes“ hält sich zwar eng an die Vorlage, kürzt aber durchaus an den richtigen Stellen, um das ganze ein wenig zu entschlacken und gibt dem Film so einen stärkeren und besseren roten Faden. Hut ab.

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Siehe auch:
Die Harry-Potter-Filme
Der Soundtrack zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1

A Nightmare on Elm Street


Story: Merkwürdiges geschieht in der Elm Street: Mehrere Jugendliche, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, haben merkwürdige Alpträume, in denen ein Mann mit braunem Hut, schwarz-rot Gestreiftem Pulli, verbranntem Gesicht und einer Klauenhand hinter ihnen her ist. Nach und nach enden diese Träume tödlich, denn wer von „Freddy“ (Jackie Earle Haley) im Traum getötet wird, stirbt auch in der Wirklichkeit. Bald sind nur noch zwei Teenager übrig, Quentin (Kyle Gallner) und Nancy (Rooney Mara), die sich zusammentun, um hinter das Geheimnis dieser mörderischen Träume zu kommen. Dabei stoßen sie auf ein düsteres Geheimnis in ihrer Vergangenheit und finden heraus, dass sie doch etwas gemeinsam haben…

Kritik: „A Nightmare on Elm Street“ ist der neuste Auswuchs der Horror-Remake-Welle, die wir seit den letzten fünf bis zehn Jahren erleben. Egal ob „Dawn of the Dead“, „The Texas Chainsaw Massacre“ oder “The Hills Have Eyes”, alles wird gnadenlos neu gredreht. Die meisten dieser Remakes haben eines gemeinsam: Ihre Qualität, oder besser gesagt, ihren Mangel an derselben. Da macht das Sujet dieses Reviews keine Ausnahme. „A Nightmare on Elm Street“ ist einfach nur uninspiriert und dazu noch ziemlich langweilig. Zugegeben, mit dem zugehörigen Franchise hatte ich nie allzu viel zu tun, aber die Grundidee an sich ist schon hochinteressant, was man alles aus Träumen machen kann hat ja Chris Nolan unlängst in „Inception“ bewiesen. Freddy Krueger dagegen erweist sich hier als enttäuschend fantasielos; alte Fabrikhallen, Feuer, ein Boden aus Blut und Freddy, der aus der Wand wächst – in anbetracht anderer Filme und der heutigen Möglichkeiten ist das fast schon bieder. Dieser Streifen reicht gerade aus, um Vorstellungen anzuregen, was jemand wie Tim Burton oder Guillermo del Toro aus einer derartigen Vorlage gemacht hätte.
Ansonsten folgt der Film den üblichen Slasher-Konventionen, also dem „Zehn-Kleine-Negerlein“ Spiel mit Teenagern, deren Schauspieler sie alle eher schlecht als recht darstellen. Selbst Jackie Earle Haley, dessen Performance in „Watchmen“ wirklich genial war, bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Auch hier sieht man noch, dass er unter einem fähigen Regisseur wirklich ein tolles Filmmonster hätte spielen können.
Fazit: „A Nightmare on Elm Street“ besitzt das Story-Potential zu einem wirklich makaberen Horrorfilm, nutzt dies aber in keiner Minute aus und schafft es nicht, auch nur einen Blick über den Tellerrand des gewöhnlichen Teenie-Slashers zu werfen. Selbst wenn man die Maßstäbe dieses Genres ansetzt, ist der Film kaum mehr als unteres Mittelmaß.

Trailer