Der Glöckner von Notre-Dame


Story: Paris im Mittelalter. Vor 20 Jahren hat der Richter Claude Frollo (Tony Jay) eine Zigeunerin, die in die Stadt gelangen wollte, getötet und ihr missgebildetes Kind, dem er den Namen Quasimodo (Tom Hulce) gegeben hat, aus Schuldgefühlen bei sich aufgenommen.
Quasimodo verbringt sein ganzes Leben in der Kathedrale von Notre-Dame, ohne jemals die Außenwelt gesehen zu haben. Seine einzigen Freunde sind die Glocken, die er als Glöckner läutet, und drei steinerne Wasserspeier, die für ihn zum Leben erwachen.
Doch in Quasimodo brennt der Wunsch, die Welt außerhalb Notre-Dames kennen zu lernen. Er beschließt, trotz Verbots, am Fest der Narren, das am 6. Januar stattfindet, teilzunehmen. Dort verliebt er sich, wie sein Ziehvater Frollo und dessen Hauptmann Phoebus (Kevin Kline), in die Zigeunerin Esmeralda (Demi Moore). Während Quasimodo allerdings eher passiv in dieser Angelegenheit bleib und seiner Angebeten höchstens Mal zur Flucht verhilft, greift Frollo zu anderen Mitteln, um seine Begierde zu stillen: Er beschuldigt Esmeralda der Hexerei, steckt halb Paris in Brand und verhaftet Zigeuner, wo sie ihm unter die Finger kommen.
Schließlich und endlich kommt es auf dem Platz vor Notre-Dame zu einem spektakulären Showdown…

 Kritik: Diese Version des Victor-Hugo-Klassikers gehört zu den Disney-Filmen, die eher weniger Spuren hinterlassen haben, gerade im Vergleich zu „Aladdin“ oder dem „König der Löwen“, welche besser im Gedächtnis geblieben sind. Der Grund dafür liegt wohl bei der Zerrissenheit des Films. Für Kinder ist er zu komplex und zu düster und für Liebhaber der Vorlage ist er zu vereinfacht und nicht komplex genug.
Ist Disneys „Der Glöckner von Notre-Dame“ deshalb ein schlechter Film? Nein, im Gegenteil, in meinen Augen ist er sogar der beste Disney-Film. Wie bereits erwähnt ist er für einen Zeichentrickfilm aus dem „House of Mouse“ ungewöhnlich erwachsen und behandelt solche Themen wie Rassismus, Religiosität, Verdammnis und Lust.
Die durch diese Themen hervorgerufene düstere Stimmung wird durch die extrem ausdrucksstarken, detailreichen und herrlich atmosphärischen Bilder verstärkt, insbesondere in der Anfangsszene (Paris im Schnee) oder später, wenn sich der Himmel durch Frollos Brände rotschwarz verfärbt.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Umsetzung Claude Frollos; zwar ist der nicht so facettenreich wie seine Vorlage, aber im Vergleich zu anderen Disney-Schurken besitzt er eine nie dagewesene Tiefe und sein Ziel ist nicht die Herrschaft, sondern die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. Er ist wirklich ein Schurke, bei dem man merkt, dass er sich für einen guten Menschen hält. Vielleicht ist es sogar gut, dass man Frollos alchemistische Ambitionen, die er im Roman verfolgt, weggelassen hat, sonst wäre wohl ein zweiter Dschafar aus ihm geworden. Im englischen Original wird Frollo von dem Schauspieler Tony Jay gesprochen, ohne den die Figur vermutlich nur halb so gut geworden wäre, mit seiner tiefen Stimme und dem britischen Akzent trifft er genau den richtigen Ton. Entsprechend mau fällt dagegen die deutsche Version mit Klausjürgen Wussow aus.
Trotz aller Düsternis darf aber auch die Komik nicht fehlen; für die humoristische Auflockerung sorgen vor allem die drei lebendigen Wasserspeier Victor, Laverne und Hugo (man achte auf die Namen) und Esmeraldas Ziege Dijali. Durch den Zigeunerkönig Clopin kommt sogar noch ein wenig schwarzer Humor hinzu.
Allerdings wäre der „Glöckner“ ohne die Musik von Alan Menken nur halb so gut.
Einziges Manko ist das Ende, ein Disney-typisches Happy End, das nicht so recht zum Rest passen will und aufgesetzt wirkt. Dasselbe dachte man sich wohl auch, als man den Film als Musical adaptierte, denn dort stirbt Esmeralda am Schluss.
Fazit: Ein untypischer, erwachsener und sehr düsterer Disney-Film mit exzellenter Musik und Atmosphäre. Aus diesem Grund auch mein Liebling.

Trailer

Weitere Kritiken zu Disney-Meisterwerken:
Der König der Löwen
Küss den Frosch
Tangled

Siehe außerdem:
Der Glöckner von Notre-Dame – Filmmusik und Musical
Die fünf besten Disney-Schurken

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