Rom


Kaum eine andere historische Epoche wurde so oft und auf so unterschiedliche Weise in den Unterhaltungsmedien verarbeitet wie die des römischen Imperiums.
Ob in Romanen (von denen ich allerdings noch keinen gelesen habe), Comics wie „Asterix“ oder „Die Adler Roms“ oder Filmen, von „Gladiator“ über „Cleopatra“ bis „Spartacus“.
Eine der interessantesten Bearbeitungen des Themas stellt dabei die Fernsehserie „Rom“ dar.
Ich bin mehr oder weniger zufällig auf sie gestoßen, beim Saturn gab es die erste Staffel für 15 Euro (für sechs DVDs ein ziemlich guter Preis) und ich habe einfach mal blind zugegriffen.
Um es gleich vorneweg zu nehmen, ich habe den Kauf nicht bereut, im Gegenteil.
Die zwei Staffeln von „Rom“ (die zweite habe ich mir anschließend natürlich ebenfalls besorgt) deckt die Zeit zwischen Caesars Sieg in Gallien und Mark Antons Selbstmord und dem damit zusammenhängenden endgültigen Aufstieg Octavians ab und zeigt die bekannten und wichtigen historischen Ereignisse aus der Sicht der beiden Soldaten Lucius Vorenus und Titus Pullo (beide werden in Caesars „De bello Gallico“ erwähnt, aber ihre weitere Verstrickung in die Ereignisse ist fiktiv).
Dabei zeichnet die Serie ein äußerst authentisches Bild von Rom und seinen Bewohnern, dass mit dem Hochglanzrom Hollywoods, wie man es in „Gladiator“ oder „Cleopatra“ sieht, praktisch nichts zu tun hat. Dieses Rom ist ein dreckiger und realistischer Sündenpfuhl, in dem Sex und Gewalt an der Tagesordnung sind (beides wird ausreichend gezeigt, die FSK-Einstufung ab 16 und 18 sind durchaus gerechtfertigt).
Natürlich nehmen sich die Macher einige Freiheiten heraus, aber gerade im Vergleich zu anderen Filmen und Serien (zum Beispiel „The Tudors“) ist „Rom“ historisch relativ genau. 

Die Hauptcharaktere: 

Lucius Vorenus (Kevin McKidd):

Lucius Vorenus ist während Caesars Gallienfeldzug ein Zenturio der 13. Legion, der nach Beendigung des selbigen nach Hause zurückkehrt, nur um seine Frau mit einem Baby im Arm vorzufinden, das nicht das seine ist. In der Tat ist es das Kind seiner Frau und eines anderen Mannes, ihm wird allerdings weisgemacht, es handle sich um seinen Enkel.
Im Verlauf der Serie wird Vorenus in ein politisches Amt gewählt, um dann als Chef einer Räuberbande zu enden.
Vorenus wird als prinzipientreuer, moralischer, aber auch sehr wütender Mann gezeichnet, der nach dem richtigen Weg in seinem Leben sucht. 

Titus Pullo (Ray Stevenson):

Titus Pullo beginnt als Legionär in der 13. Legion und unterscheidet sich charakterlich stark von Vorenus; Pullo ist ein Genussmensch, dabei etwas gewalttätig und manchmal sogar ein wenig naiv. Er erinnert fast etwas an Obelix und ist eindeutig ein Sympathieträger der Serie. Im Verlauf der ersten Staffel freundet er sich sowohl mit Lucius Vorenus als auch mit Caesars Großneffen Octavius an – dem späteren Augustus.

 Gaius Julius Caesar (Ciarán Hinds):

Caesar Erscheinungsbild in der Serie (klein, dunkelhaarig, etwas untersetzt) unterscheidet sich zwar von dem, das man sonst in den Medien präsentiert bekommt (vor allem, wenn man an den Caesar aus Asterix gewöhnt ist), aber dennoch ist diese Version sehr glaubwürdig und gut gespielt. Dieser Caesar hat genau die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein, Intelligenz und Humor, die man von jemandem seines Kalibers erwarten würde. Auch seine Epilepsie findet Erwähnung.

Atia von den Juliern (Polly Walker):

Atia (lose angelehnt an Atia Balba Caesonia), Caesars Nichte und Mutter des späteren Kaisers Augustus, ist das Sinnbild der intriganten Strippenzieherin in männerdominierten Gesellschaften. Sie tut alles, um zu kontrollieren und setzt dabei sogar rücksichtslos ihre eigenen Kinder ein. Ihre gehasste Feindin ist Servilia von den Juniern, die Mutter von Markus Junius Brutus, während sie für Mark Anton hat eine Schwäche hat und ihn wirklich zu lieben scheint.
Atia wird als ziemliches Miststück präsentiert, das gerade noch sympathisch genug ist, um für den Zuschauer interessant zu sein.

 Mark Anton (James Purefoy):

Mark Anton wird in „Rom“ als ziemliches Arschloch dargestellt, ist selbstsüchtig und äußerst jähzornig. Dennoch hat er, ganz ähnlich wie Atia, einige sympathische Züge an sich, sodass man nie weiß, ob man ihn nun hassen oder mögen soll.

Gaius Ocatvius Caesar alias Octavian alias Augustus (Max Pirkis, Simon Woods)

Zu Beginn der Serie ist Octavius noch ein intelligenter, aber unsicherer Jugendlicher, der vor allem unter seiner Mutter leidet und allgemein weniger verdorben scheint als der ganze Rest Roms.
Im Verlauf wandelt er sich allerdings zum kalten Agitator und wird machthungrig und recht unsympathisch, was aber eventuell auch mit der Tatsache zusammenhängt, dass der ältere Octavius von einem anderen Schauspieler verkörpert wird. 

Natürlich tauchen während der zwei Staffeln noch viele weitere bekannte historische (und auch einige fiktive) Figuren auf, unter anderem Brutus, Cleopatra, Pompeius, Scipio, Cato und Cicero, die alle auf interessante und durchaus unkonventionelle Weise dargestellt werden. Keine Figur wird auf ein Podest gehoben, und auch die Sprache ist, im Gegensatz zu vielen Filmen, nicht extra hochgestochen.
Fazit: Wer eine von Anfang bis Ende spannende Historienserie mit interessanten Charakteren zu schätzen weiß, macht mit „Rom“ garantiert nichts falsch.

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