Joel Schumachers Batman

Gleich vorneweg: Ich bin kein Freund der beiden Batman-Filme von Joel Schumacher. Ich werde sie der Komplettheit halber vorstellen, aber da sie sich qualitativ so sehr ähnlen, kann das getrost in einem Artikel geschehen.

Story „Batman Forever“:

Zwei Schurken tauchen in Gotham City auf und bereiten Batman (Val Kilmer) enorme Probleme: Der durch einen Säureangriff verunstaltete ehemalige Staatsanwalt Harvey Dent (Tommy Lee Jones), inzwischen als Two-Face bekannt ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, möchte sich an Batman rächen und Gotham in einer Flut von zweigeteiltem Chaos ertränken.
Der Riddler (Jim Carrey) dagegen hat es auf Bruce Wayne abgesehen; in seiner zivilen Identität (als Edward Nygma) arbeitete er für Wayne Enterprises, bekam für seine Arbeit allerdings nicht genug Anerkennung und möchte nun Rache, weshalb er den guten Bruce mit merkwürdigen Rätseln quält.
Zusätzlich verliebt sich Bruce auch noch in die Psychologin Chase Meridian (Nicole Kidman) und muss sich um den jungen Dick Grayson (Chris O’Donnell) kümmern, dessen Eltern von Two-Face ermordet wurden.
Es kommt natürlich, wie es kommen muss: Die Schurken tun sich zusammen, die Psychologin wird entführt, Batmans Identität gelüftet und Dick Grayson wird zu Robin…

Story „Batman und Robin“:

Und schon wieder tauchen neue Schurken auf: Mister Freeze (Arnold Schwarzenegger) will Diamanten, um seine Frau von einer tödlichen Krankheit heilen zu können. Poison Ivy (Uma Thurman) will den Umweltschutz, und zwar auf äußerst rabiate Weise.
Das Heldengespann Batman (George Clooney) und Robin (Chris O’Donnell) muss sich mit beiden herumschlagen, ohne, dass das ganze irgendwie Sinn ergibt. Hinzu kommt später noch ein völlig überflüssiges Batgirl (Alicia Silverstone) und Unsinn en masse, wie etwa eine Bat-Kreditkarte, Uma Thurman im pinken Gorillakostüm, ein völlig unsinniges Motorradrennen und Bane als tumber Schläger.

Kritik: Autsch. Die wohl größte Fehlentscheidung von Warner Brothers war es, die Regie für den dritten und vierten Batman-Film Joel Schumacher anzuvertrauen.
Nachdem „Batmans Rückkehr“ zwar durchaus erfolgreich war, aber dennoch stark hinter den finanziellen Erwartungen zurückblieb, wollte man bei Warner Brothers dieses Mal einen etwas familienfreundlicheren Batman sehen.
Und das bekam man auch.
Tim Burtons düsteres, gotisches und in sich stimmiges und atmosphärisches Gotham City wurde durch ein grellbuntes neues Gotham ersetzt, das wie Tokio auf LSD aussieht.
Zugegeben, auch die Burton Filme gingen mit den Ursprungsgeschichten der Schurken nicht gerade zimperlich um, aber die veränderten Versionen passten zum Gesamtkonzept der jeweiligen Filme.
Die Änderungen und „Batman Forever“ und „Batman und Robin“ sind wirklich vollkommen überflüssig, besonders bei Letzterem.
Natürlich haben auch die Schumacher-Filme Starbesetzung, aber diese spielt bei weitem nicht so gut wie in den ersten beiden Filmen (oder den späteren Nolan Filmen).
Val Kilmer, Michael Keatons Nachfolger, nimmt man die Figur noch halbwegs ab (den Gerüchten zufolge wollte Kilmer einen düsteren Batman, aber gegen den Regisseur und das schlechte Drehbuch konnte er sich nicht durchsetzen). Aber wer zum Teufel ist auf die Idee gekommen, George Clooney zu Batman zu machen? Clooney mag ja noch einen glaubhaften Wayne spielen können – sein Batman verkommt zu einer Mischung aus dämlichem Grinsen und noch dämlicheren Sprüchen. Chris O´Donnell und Alicia Silverstone, die Robin und Batgirl spielen, sind beide vollkommen unmotiviert, was vielleicht auch damit zusammenhängt, das ihre Figuren eigentlich vollkommen überflüssig sind.
Der einzige unter den Schurken, der halbwegs gelungen ist, ist der Riddler, gespielt von Jim Carrey. Carrey kann einfach so richtig nett wahnsinnig sein und es macht Spaß, ihm bei seinem durchgedrehten Schauspiel zuzusehen (wobei er in „Die Maske“ noch weitaus besser ist). Außerdem passt es noch ganz gut zur Figur.
Two-Face hingegen, der andere Schurke in „Batman Forever“ sollte eigentlich ein von der Zahl Zwei getriebener Racheengel sein (in „The Dark Knight“ sieht man, wie man Two-Face richtig filmisch einsetzt). Joel Schumachers Two-Face dagegen versucht nur, den Riddler im Kampf „Wer ist der bessere Joker“ auszustechen, ohne auch nur in die Nähe von Jack Nicholsons Performance zu kommen. Man verstehe mich nicht falsch; Tommy Lee Jones, der in „Batman Forever“ Two-Face spielt ist eigentlich ein sehr gute Schauspieler, seine Auftritte in „Men in Black“ und „Space Cowboys“ sind unvergleichlich, aber hier ist er einfach nicht passend.
In „Batman und Robin“ wird alles noch schlimmer. Arnold Schwarzeneggers Mister Freeze hat dieselbe Hintergrundgeschichte wie der Mister Freeze aus „Batman: The Animated Series“, aber dennoch unterscheiden die beiden Welten. Der Zeichentrick-Freeze ist eine getriebene, tragische Figur. Dem Freeze aus „Batman und Robin“ nimmt man den tragischen Hintergrund nicht ab, weil er ständig saudämliche Sprüche ablässt.
Uma Thurman, die in „Batman und Robin“ Poison Ivy spielt, ist auch nicht viel besser. Aber am schlimmsten trifft es den armen Bane; in den Comics ein genialer Stratege, hier ein dämlicher Muskelmann.
Joel Schumachers Batman hat mit den Comics, zumindest mit den modernen, praktisch nichts mehr zu tun. Insbesondere, da Batman in „Batman und Robin“ laut Regisseur sein Trauma überwunden haben soll. Warum zum Teufel sollte er dann noch Batman sein? Das Trauma ist ja genau das, was ihn zum Dunklen Ritter werden lässt.
Ich könnte jetzt noch ewig weitermeckern, aber auf die Dauer wird es langweilig, deshalb belassen wir es hierbei. Nur ein kurzes Fazit muss noch sein:
„Batman Forever“ kann man sich anschauen, wenn man Jim Carrey mag oder wenn man einen gelungenen (nämlich Aaron Eckharts) Two-Face mit einem misslungenen Vergleichen will.
„Batman und Robin“ sollte man sich der eigenen geistigen Gesundheit zu Liebe nicht antun, insbesondere, wenn man ein Batmanfan ist. Wer eine gelungene Umsetzung der Schurken dieses Films sehen möchte, sollte zu „Batman: The Animated Series“ greifen.

Trailer „Batman Forever“
Trailer „Batman und Robin“

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2 Gedanken zu “Joel Schumachers Batman

  1. Stefan Kraft

    Als Ergänzung sei noch erwähnt, dass in „Batman Forever“ noch einiges mehr Potential drinnen gesteckt hätte; so wurde die Handlung um das „rote Buch“ herausgeschnitten (siehe http://batmannews.de/gotham_specials/lost_scenes/lost_scenes_bf.html ).
    Ob einem der Film damit besser gefallen hätte, kann man so pauschal nicht sagen, etwas mehr Tiefe hätte der Film aber wohl auf jeden Fall erhalten.
    Persönlich finde ich „Forever“ ganz in Ordnung, und ich kann mir sogar „Batman & Robin“ ansehen, wenn ich einfach einen bescheuerten, aufwendig gemachten Film ansehen möchte; ich finde ihn in dieser Hinsicht unterhaltsam. (Gleichzeitig kann ich es wirklich keinem übelnehmen, wenn er bei dem Film das kalte Grausen bekommt.)

    1. Ich kenne die Szenen um das rote Buch, diese sind als Bonusmaterial bei der DVD von „Batman Forever“ dabei. Vielleicht würden sie dem Film sogar ein wenig mehr Tiefe geben, aber Tommy Lee Jones‘ Two-Face und der restliche Unsinn werden deswegen leider trotzdem nicht erträglicher.
      Ich denke, ich (und viele andere Batman-Fans auch) würden diese Filme nicht so sehr verabscheuen, wenn es sich dabei nicht um Batman-Filme, sondern einfach um bonbonbunte Actioner handeln würde. Aber dass Batman derartig verunstaltet wird (und dass Schumachter auf die zeitgenössischen Comics tritt und stattdessen quasi ein Revival der Adam West Serie veranstaltet), geht mir und den meisten anderen auch wirklich gewaltig auf den Senkel. Ich verweise immer gerne auf das Review des Nostalgia Critic zu „Batman und Robin“, der es perfekt auf den Punkt bringt: http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/nostalgia-critic/234-batman-and-robin

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